Nominee 1998

Sichere Bewegtbildübertragung

Sichere Bewegtbildübertragung zum mobilen Teilnehmer

Prof. Dr. Gert Siegle (Spokesperson)
Dr. Hamed Amor
Robert Bosch GmbH, Bonn

(f.l.t.r.) Dr. Hamed Amor, Prof. Dr. Gert Siegle

Viele Menschen wollen auch unterwegs Filme und Fernsehsendungen anschauen - um sich zu unterhalten oder über aktuelle Neuigkeiten zu informieren. Was ist erforderlich, um den Empfang von bewegten Bildern an jeden Ort stabil und störungsfrei zu ermöglichen?

Gert Siegle und Hamed Amor schufen die technischen Voraussetzungen dafür, dass Fernsehen auch unterwegs möglich wird. Gert Siegle ist Direktor Vebindungsstellen sowie Mitglied der Geschäftsleitung Forschung und Vorausentwicklung bei der Robert Bosch GmbH in Bonn. Hamed Amor ist Sprecher der Geschäftsleitung der Robert Bosch Multimedia-Systeme GmbH & Co. KG.

Die Bildübertragung bereitet Schwierigkeiten

Viele Menschen sind es heute gewohnt, jederzeit und überall auf aktuelle Informationen zugreifen und unterschiedlichste Unterhaltungsangebote nutzen zu können. Auch im Auto und in der Bahn wollen sie darauf nicht verzichten. Mit Musik und Sprache klappt das bereits seit langem recht gut - etwa durch die UKW-Übertragung im Radio und über das Mobiltelefon. Die Übertragung von TV-Bildern zum mobilen Teilnehmer hingegen funktionierte bislang nicht.

Wie empfindlich die Bildübertragung ist, kann jeder beobachten, der kleine Bewegungen mit einer Fernseh-Zimmerantenne macht: Das empfangene Bild wird dadurch instabil, die Farben verschwinden und die Kanten fransen aus. Derselbe Effekt tritt auf, wenn man Filme oder Fernsehsendungen in einem fahrenden Bus oder Zug empfangen möchte. Die heute in einigen ICE Zügen, Reisebussen und Flugzeugen gezeigten Videos kommen vom Band - sie sind nicht aktuell und können Live-Informationen nicht ersetzen.

Sicherer Empfang auch im Tunnel

In einem mehrjährigen Projekt gelang es den Forschern bei Bosch, dieses Problem zu lösen. Sie entwickelten eine Technologie für die Übertragung von bewegten Bildern, die auch in Fahrzeugen und selbst bei hoher Geschwindigkeit stabil funktioniert. Sie basiert auf einer Kombination verschiedener Methoden zur digitalen Signalverarbeitung und ist eine Weiterentwicklung des digitalen Hörfunks DAB (Digital Audio Broadcasting). Auf der Bahnstrecke zwischen Frankfurt am Main und Saarbrücken kommt die neue Technologie namens DMB (Digital Multimedia Broadcasting) seit 1997 in Deutschland erstmalig zum Einsatz. Die Passagiere in den Zügen auf dieser Fernverbindung bekommen live aktuelle Fahrgastinformation und ein Fernsehprogramm geboten. Dabei lassen sich einzelne Waggons mit unterschiedlichen Infos versorgen. Da das System eine sehr hohe Sendefrequenz von 1,5 Gigahertz nutzt, wird der Empfang auch in den zahlreichen Tunnels nicht unterbrochen.

Die Bosch-Forscher rechnen damit, dass DMB künftig auch in Zügen des Nahverkehrs, in U- und S-Bahnen, Straßenbahnen sowie in Bussen und Pkw genutzt wird.

Das Vorschlagsrecht zum Deutschen Zukunftspreis obliegt den führenden deutschen Einrichtungen aus Wissenschaft und Wirtschaft sowie Stiftungen.

Das Projekt "Sichere Bewegtbildübertragung zum mobilen Teilnehmer" wurde vom Bundesverband der Deutschen Industrie vorgeschlagen.

Weitere Details

Lebensläufe

Prof. Dr. Gert Siegle

Prof. Dr. Gert Siegle

1964
Diplom der Physik
1967
Promotion
1968 – 1972
Zentrale Forschung Robert Bosch GmbH, Stuttgart
seit 1981
Honorarprofessur
1973 – 1983
Direktor Blaupunkt Werke GmbH, Hildesheim Direktor Rundfunk- und Fernsehentwicklung, Produktbereich technische Erzeugnisse
1983 – 1990
Geschäftsleiter Elektronik der Robert Bosch GmbH, Berlin Produktbereich Funk, Breitbandkommunikation, Antennen ab 1990 Geschäftsführer Entwicklung Blaupunkt
1990 – 1994
Direktor Forschungsinstitut Kommunikation Robert Bosch GmbH, Hildesheim, Frankfurt/M., Lonay (CH)
seit 1995
Direktor Vebindungsstellen Berlin, Bonn und Brüssel Mitglied der Geschäftsleitung Forschung und Vorausentwicklung der Robert Bosch GmbH

Kontakt

Projektsprecher:

Prof. Dr Gert Siegle
Robert Bosch GmbH
Walter-Flex-Str. 2
533113 Bonn
Tel.: +49 (0) 228 / 92 36 40
Fax: +49 (0) 228 / 92 36 424

  

Pressekontakt:

Dipl. Ing. Thomas Knoll
Lt. Zentralstelle Presse, Information
Technik und Produkte
Robert Bosch GmbH
Postfach 10 60 50
70049 Stuttgart
Tel.: +49 (0) 711 / 81 17 088

Beschreibung der Institute und Unternehmen zu ihren nominierten Projekten

Der moderne Mensch, der - wie überall beschrieben - in einer Kommunikationsgesellschaft lebt, erwartet eigentlich, daß er sich unterwegs so umfassend informieren kann wie im Büro und gleich gut unterhalten wird wie zu Hause.

Für Musik und Sprache klappt das ganz gut: UKW Übertragung (qualitativ zwar keineswegs in CD-Wiedergabe-Qualität) und Mobiltelefonie erfüllen die Bedürfnisse.

Die Bildübertragung zum mobilen Teilnehmer funktionierte bislang nicht - und das seit 60 Jahren, solange es Fernsehen über terrestrische Sender gibt!

Jeder weiß, daß schon kleinste Bewegungen einer Zimmerantennen das empfangene Bild instabil werden lassen, die Farben aussetzen und die Kanten ausfransen. Gleiches gilt für den Empfang in bewegten Fahrzeugen, wie Bussen oder in Zügen - und daher wird dort bislang auch keine aktuelle Bildinformation angeboten.

Die heute in einigen ICE Zügen oder in Reisebussen, auch Flugzeugen gezeigten Wiedergaben von Videokassetten - also von Konserven - ersetzen die Informationen in Echtzeit nicht. Der Fahrgast kann sich manchmal erst nach Stunden über das, was zwischenzeitlich passierte, informieren.

In einer langjährigen Entwicklung gelang es uns, dieses uralte Problem der ungenügenden aktuellen Versorgung mit Bildern und - damit verwandt - Informationen hoher Datenrate in bewegte Fahrzeuge hinein technisch erfolgreich zu lösen.

Die Technik der sicheren Bewegtbildübertragung in schnelle Fahrzeuge setzen wir in Deutschland erstmals auf der Bahnstrecke zwischen Frankfurt/Main und Saarbrücken ein. Dies ist ein Projekt der Robert Bosch Multimedia GmbH & Co mit der Deutschen Bahn AG und der Deutschen Telekom AG.

Sie ist eine Kombination neuartiger, digitaler Signalverarbeitungsmethoden zu einem neuen, rein digital arbeitenden Rundfunkverfahren, mit dem man eben Ton, Text, Daten, Musik, Stand- und Bewegtbilder problemlos übertragen kann. Wir haben diese Weiterentwicklung des digitalen Hör-Rundfunks (Digital Audio Broadcasting = DAB) zu einem umfassenden Dienst „Digital Multimedia Broadcasting“ (DBM) benannt.

Auf der Fahrt von Saarbrücken nach Frankfurt - einer für die Rundfunkübertragung topographisch extrem schwierigen Strecke im sehr engen Nahetal - werden die Reisenden seit der Eröffnung im Dezember 1997 mit aktuellen Fahrgastinformationen sowie einem Fernsehprogramm in Echtzeit versorgt. Das Bild erscheint auf großen Monitoren an den Wänden. Wenn man will, kann man über Kopfhörer den Ton empfangen.

Die Fahrgastinformationen können zugspezifisch sein, eine Adressierung erlaubt sogar die gezielte Versorgung einzelner Waggons. Bei der hohen Sendefrequenz von fast 1500 MHz (zum Vergleich: UKW arbeitet bei 100 MHz) gelingt auch die unterbrechungsfreie Versorgung in den 18 Tunnels der Strecke; der längste davon ist die Unterquerung des Frankfurter Flughafens mit immerhin 2,2 km.

Das umfassende Angebot an Ton- und Bildsendungen, zukünftig auch von Internet-Abrufen bietet dem Fahrgast viele Informationsmöglichkeiten. Für die Programmanbieter ist es eine reizvolle Aufgabe, dieses neue Medium mit interessanten Angeboten für den kurzfristig verweilenden Nutzer attraktiv zu gestalten.

Weitere Installationen der Technik sind inzwischen von uns auch im Ausland realisiert worden, zusätzliche Projekte sind für 1999 schon vertraglich fest vereinbart. Ausgehend von solchen Erfolgen rechnen wir mit einer raschen Verbreitung des Verfahrens - nicht nur in Zügen des Nahverkehrs, sondern auch in Autos, in U- und S- Bahnen, in Bussen und in Straßenbahnen.

Wir sind sicher, wir werden bald im Nahverkehr vieler Städte, in Fernverkehrszügen, Bussen und Kraftfahrzeugen, im In- und Ausland dieses neue Medium sehen und erleben.

Informationen und Kontakt zum Deutschen Zukunftspreis unter:

E-Mail: info@deutscher-zukunftspreis.de
Internet: www.deutscher-zukunftspreis.de

Das Vorschlagsrecht zum Deutschen Zukunftspreis obliegt den führenden deutschen Einrichtungen aus Wissenschaft und Wirtschaft sowie Stiftungen.

Nominiert 1998 · TEAM 1