Nominee 2000

Papierherstellung

Integrierte Prozesse zur Papierherstellung

Dr. oec. publ. Georg Holzhey (Spokesperson)
Hans-Peter Hofmann
Dr. techn. Hartmut Wurster
Haindl Papier GmbH & Co. KG, Augsburg

(f.l.t.r.) Dr. techn. Hartmut Wurster, Dr. oec. publ. Georg Holzhey, Hans-Peter Hofmann

Papier wird in riesigen Mengen verbraucht. Wie kann man es effizient, energiesparend und mit einem geringen Rohstoffverbrauch herstellen?

Ein innovatives Projekt der Haindl Papier GmbH & Co., hinter dem Georg Holzhey, Hans-Peter Hofmann und Hartmut Wurster stehen, weist den Weg. Georg Holzhey ist in der Geschäftsführung des Augsburger Unternehmens für Beschaffung und Umwelt zuständig, Hans-Peter Hofmann ist Hauptabteilungsleiter im Bereich Entwicklung Magazinpapiere, Hartmut Wurster leitet den Geschäftsbereich Magazinpapiere und ist verantwortlich für Forschung und Entwicklung auf diesem Gebiet.

Drei neue Ansätze für Magazinpapier

Die Innovation des Papierherstellers aus Augsburg stützt sich auf drei Säulen: die Entwicklung einer neuen Papiermaschinentechnik für gestrichenes Magazinpapier (LWC-Papier), die Weiterentwicklung der Faserstofftechnologie für den Einsatz von Altpapier bei der Herstellung dieses hochwertigen Papiers sowie eine neue, altpapierhaltige LWC-Sorte für besonders energiesparende Druckerzeugnisse.

Die wesentliche Neuerung in der Maschinentechnik ist die erstmalige Integration von fünf Verfahrensschritten in einer zusammenhängenden Produktionsanlage. Die Papierbahn kann so ohne Zwischenschritte hergestellt, gestrichen und geglättet werden. Haindl hat diesen Online-Prozess beim Bau der weltweit leistungsfähigsten Papiermaschine zur Herstellung gestrichener Magazinpapiere verwirklicht und dafür 800 Millionen D-Mark investiert. Durch das bisher übliche Auf- und Abrollen der Papierbahn zwischen den einzelnen Verfahrensschritten gehen Rohstoffe, Energie und Qualität verloren. Mit dem neuen Prozess lassen sich die Verluste deutlich verringern.

Aus Altpapier entstehen hochwertige Magazine

Wird Altpapier nicht nur für Zeitungspapier, sondern für LWC Papier genutzt, stellt man daran weit höhere Qualitätsanforderungen bei Festigkeit, Sauberkeit, Weißgrad und Helligkeit. Die Forscher bei Haindl haben die Technologie für das Aufbereiten des Altpapiers so weit optimiert, dass sich der gebrauchte Wertstoff auch als wesentliche Faserstoffkomponente für höherwertige Magazinpapiere verarbeiten lässt. Das senkt den Energiebedarf gegenüber der Zerfaserung von Holz erheblich. Der nun genutzte Rohstoff-Mix aus je einem Drittel Holz, Altpapier und Zellstoff in der Rohpapiermasse ist für die Produktion von LWC-Papier revolutionär.

Mit dem dritten Teil ihres Innovationsbündels schufen die drei nominierten Forscher eine LWC-Papiersorte, die sich erstmals im sogenannten Coldset-Druck herstellen lässt - und damit ohne die bislang bei der Produktion der hochwertigen Papiere für Magazine und Beilagen erforderliche Trocknung nach dem Bedrucken. Das spart zusätzlich Energie.

Das Vorschlagsrecht zum Deutschen Zukunftspreis obliegt den führenden deutschen Einrichtungen aus Wissenschaft und Wirtschaft sowie Stiftungen.

Das Projekt "Integrierte Prozesse der Papierherstellung" wurde vom Deutschen Industrie- und Handelskammertag vorgeschlagen.

Weitere Details

Lebensläufe

Dr. oec. publ. Georg Holzhey

Dr. oec. publ. Georg Holzhey

5.4.1939
geboren in München, Bayern
1958
Abitur
1963
Studienabschluss der Betriebswirtschaftslehre an der Ludwig-Maximilians-Universität München
1958 – 1965
Studienaufenthalte und Kurzbeschäftigungen in verschiedenden ausländischen Gesellschaften der Zellstoff- und Papierindustrie
1968
Promotion
seit 1970
Geschäftsführung Haindl Papier GmbH & Co. KG zu Zeit zuständig für die Bereiche Beschaffung und Umwelt

Ehrungen:

1992
Recyclingpreis der Deutschen Wirtschaft
1999
Anerkennungspreis der Bayerischen Staatsregierung für Leistungen bei der rationellen Energienutzung
2000
2. Preis in der Kategorie Umweltorientierte Unternehmensführung des BDI-Umweltschutzpreises

Hans-Pater Hofmann

Hans-Peter Hofmann

19.7.1942
geboren in Cottbus, Brandenburg
1959
Abschlussprüfung zum Papiermacher an der Industrie- und Handelskammer München
1966
Abschlussprüfung zum Chemotechniker an der Fernstudien-Lehranstalt Darmstadt
1966 – 1991
Abteilungsleiter Forschungsbereich und Streicherei-Entwicklung MD-Papierfabrik
1991 – 1993
Abteilungsleiter des Bereichs Streicherei-Entwicklung bei Haindl Papier GmbH & Co. KG
1993 – 1996
Hauptabteilungsleiter des Bereichs Technologie bei Haindl Papier GmbH und Co. KG
seit 1996
Hauptabteilungsleiter des Bereichs Entwicklung Magazinpapiere bei Haindl Papier GmbH und Co. KG

Dr. techn. Hartmut Wurstler

Dr. techn. Hartmut Wurster

21. 7. 1955
geboren in Onstmettingen, Baden-Württemberg
1974
Abitur
1975 – 1982
Studium Maschinenbau/Papieringenieurwesen an der Technischen Universität Darmstadt
1982
Diplom
1982 – 1987
Tätigkeit in Österreich bei den Firmen Hamburger AG und Brigl & Bergmeister als Assistent der Werksleitung, Abteilungsleiter und zuletzt als Betriebsleiter
1987
Promotion
1987
Wechsel zur Firma Haindl Papier GmbH & Co KG Stabstelle „Technische Koordination Magazin-papiere“
1988
Hauptabteilungsleiter Technologie im Werk Augsburg
1989 – 1996
Leiter des Werkes Augsburg
seit 1996
Leiter des Geschäftsbereiches Magazinpapiere, verantwortlich für die Werke Augsburg und Walsum sowie die Zentrale Forschung und Entwicklung „Magazinpapiere“

Kontakt

Projektsprecher:

Dr. oec. publ. Georg Holzhey
Haindl Papier GmbH & Co. KG
Georg-Haindl-Straße 5
86153 Augsburg
Tel.: +49 (0) 821 / 31 09 611
Fax: +49 (0) 821 / 31 09 156

Pressekontakt:

Wolfgang Oberressl
Haindl Papier GmbH & Co. KG
Leiter Öffentlichkeitsarbeit
Georg-Haindl-Straße 5
86153 Augsburg
Tel.: +49 (0) 821 / 31 09 496
Fax: +49 (0) 821 / 31 09 156
E-Mail: wolfgang.oberressl@haindl.com

 

Beschreibung der Institute und Unternehmen zu ihren nominierten Projekten

Das Projekt „Integrierte Prozesse der Papierherstellung“ der Haindl Papier GmbH & Co. KG, Augsburg, das für den Verleihung 2000 nominiert wurde, stützt sich auf drei wesentliche Teile einer technisch-wissenschaftlichen, ganzheitlichen Entwicklungsarbeit, die sich mit einer neuen Papiermaschinentechnik und -technologie für LWC-Papier, der Weiterentwicklung der Faserstofftechnologie für Altpapiereinsatz bei LWC-Papier und einer neuentwickelten, altpapierhaltigen LWC-Sorte für energiesparende Druckobjekte beschäftigt.

Die wesentliche Innovation der Papiermaschinentechnik ist die erstmalige Integration von fünf Verfahrensschritten in einer zusammenhängenden Produktionsanlage (Online-Prozess). Dies bedeutet, dass die Papierbahn ohne Zwischenschritte hergestellt, gestrichen und anschließend geglättet wird. Die bisherige Auf- und Abrollung der Papierbahn zwischen den traditionellen Verfahrensschritten Herstellen, Streichen und Glätten führen zu erheblichen Rohstoff-, Energie- und Qualitätsverlusten. Haindl Papier hat mit dem Bau der weltweit leistungsfähigsten und innovativsten Papiermaschine zur Herstellung gestrichener Magazinpapiere (LWC-Papier) am Standort Augsburg diesen Online-Prozess verwirklicht. Dieses Investitionsprojekt PM 3 in Höhe von rund 800 Millionen DM ist ein eindrucksvoller Beweis für die Innovationskraft von Haindl und Ergebnis einer konsequenten Umsetzung der in die Zukunft gerichteten, integrierten Unternehmensstrategie: Wirtschaftlichen Erfolg mit marktfähigen Produktinnovationen durch neue ressourceneffiziente Herstellungsprozesse und produktions- und produktbezogene Umweltleistungen zu erzielen.

Die Weiterentwicklung der Faserstofftechnologie für den Altpapiereintrag bei LWC-Papier stellt an Festigkeit, Sauberkeit, Weißgrad und Helligkeit eine wesentliche höhere Qualitätsanforderung an den Sekundärfaserstoff als bei seiner Verarbeitung zu Standardzeitungsdruckpapier. Die Aufbereitungs- und Deinkingtechnologie von Altpapier wurde so weit optimiert, dass Altpapier als wesentliche Faserstoffkomponente für die Herstellung von höherwertigen Magazinpapieren verarbeitet werden kann. Ein wertvoller Sekundärrohstoff, dessen Verarbeitung wesentlich weniger Energie als die Zerfaserung von Holz erfordert, bleibt damit im Produktionskreislauf. Der Rohstoffmix von je einem Drittel Holzstoff, Altpapier und Zellstoff im Rohpapier ist für die LWC-Produktion revolutionär.

Der dritte Teil der Entwicklungsarbeit konzentriert sich auf die Herstellung einer altpapierhaltigen LWC-Sorte für einen energiesparenden Druck von anspruchsvollen Magazinen und Beilagen nach dem Coldset-Verfahren. Druckobjekte, die vorher nur im Heatset hergestellt werden konnten, lassen sich mit dieser, von Haindl neuentwickelten, inzwischen patentgeschützten Papiersorte VALSAmatt C im Coldset-Druck realisieren, der ohne energieaufwendige Trocknung des bedruckten Papiers auskommt.

Verantwortlich für diese innovative, integrierte Prozess-, Produkt- und Managemententwicklung bei der LWC-Papierherstellung sind das Team Dr. Georg Holzhey, Geschäftsführer, Dr. Hartmut Wurster, Geschäftsbereichsleiter Magazinpapiere und Projektleiter PM 3 und Hans-Peter Hofmann, Hauptabteilungsleiter Entwicklung Magazinpapiere, alle Haindl Papier GmbH & Co. KG, Augsburg.

Informationen und Kontakt zum Deutschen Zukunftspreis unter:

E-Mail: info@deutscher-zukunftspreis.de
Internet: www.deutscher-zukunftspreis.de

Das Vorschlagsrecht zum Deutschen Zukunftspreis obliegt den führenden deutschen Einrichtungen aus Wissenschaft und Wirt-schaft sowie Stiftungen.

Das Projekt „Integrierte Prozesse der Papierherstellung“ wurde vom Deutschen Industrie- und Handelskammertag vorgeschlagen.