
(v.l.n.r.) Dr. Ulrich Aldag, Dr. Karsten Henco
Dr. Karsten Henco (Sprecher)
EVOTEC BioSystems
GmbH, Hamburg
Die Pharmaforscher entwickeln ständig eine riesige Zahl an chemischen Substanzen, die als potenzielle Wirkstoffe für Medikamente in Frage kommen.
Wie kann man aus dieser Flut an Wirkstoffkandidaten schnell und zielgerichtet geeignete Stoffe herausfiltern?
Mit einer Suchmaschine für neue Pharmawirkstoffe haben Karsten Henco, Ulrich Aldag und Nobelpreisträger Manfred Eigen eine Technologie geschaffen, um zahlreiche Substanzen sehr schnell und preiswert auf ihre medizinische Tauglichkeit zu testen. Karsten Henco gründete gemeinsam mit Ulrich Aldag und Nobelpreisträger Manfred Eigen 1993 die EVOTEC BioSystems GmbH in Hamburg.
Enorme Chancen, aber auch drohende Kosten
Die Resultate des humanen Genomprojekts - der wissenschaftlichen Aufklärung der Struktur der menschlichen Erbsubstanz - dürften viele bisher unbekannte molekulare Ansatzpunkte für die Therapie von Krankheiten liefern. Neue Verfahren ermöglichen es zugleich, in kurzer Zeit Millionen von chemischen Substanzen synthetisch herzustellen. Beide Entwicklungen bieten enorme Chancen, neue Wirkstoffe zur Behandlung bisher nicht heilbarer Krankheiten zu entdecken. Doch sie drohen auch, die Kosten dafür gewaltig in die Höhe zu treiben. Denn nur wenige aus Hunderttausenden getesteter Substanzen erweisen sich als geeignete Grundlage für wirksame und sichere Arzneimittel. Pharmaunternehmen müssen daher im Schnitt über 800 Millionen D-Mark investieren, um ein neues Medikament zu entwickeln und einzuführen.
Einen Ausweg aus diesem Dilemma weist eine Technologie, mit der sich neue Wirkstoffe effizient und kostengünstig aus einer Fülle von Substanzen identifizieren lassen.
Neue Messtechnik und winzige Probengefäße
Den Forschern bei EVOTEC gelang es, eine solche Technologie zu entwickeln: die Wirkstoff-Suchmaschine EVOScreen. Damit lassen sich täglich Hunderttausende von chemischen Stoffen auf ihre pharmakologische Wirksamkeit hin untersuchen - automatisiert und rund um die Uhr. Die Technologie senkt die Kosten drastisch und liefert zudem mehr Information als herkömmliche Testverfahren. Um das zu ermöglichen, entwickelten die Forscher zwei wesentliche Innovationen: ein optisches Detektions- und Messverfahren, mit dem sich die therapeutische Wirkung einzelner Moleküle etwa an einem Zellrezeptor per Laserstrahl sekundenschnell bestimmen lässt - und Probenträgerelemente, um die Tests in stecknadelkopfkleinen Reagenzgefäßen mit winzigen Substanzmengen auszuführen.
Ziel von EVOTEC ist es, die Suchmaschine einzusetzen, um selbst neuartige pharmazeutische Wirkstoffe zu entdecken. Gemeinsam mit etablierten Pharmafirmen sollen diese dann zu klinisch getesteten, marktfähigen Produkten weiterentwickelt werden. Auch für innovative Diagnostiksysteme lässt sich die Technologie nutzen - etwa um routinemäßig die Rinderseuche BSE zu erkennen oder eine erste Diagnose auf die Alzheimer-Erkrankung zu stellen.
Das Vorschlagsrecht zum Deutschen Zukunftspreis obliegt den führenden deutschen Einrichtungen aus Wissenschaft und Wirtschaft sowie Stiftungen.
Das Projekt „Suchmaschine zur Entdeckung neuer Pharmawirkstoffe“ wurde von der Max Planck Gesellschaft vorgeschlagen.