Nominierungen zum Deutschen Zukunftspreis 2017: Team 1 – sorgt für hyperrealistische Bilder aus dem menschlichen Körper

Dr. Klaus Dieter Engel über die Entwicklung von „Anatomie trifft Kino - Cinematic Rendering“

Der Deutsche Zukunftspreis gehört zu den wichtigsten Innovationsauszeichnungen in Deutschland. Zu den wesentlichen Kriterien des Preises des Bundespräsidenten für Technik und Innovation zählen eine innovationsstarke Forschungsleistung und die Marktfähigkeit des Produktes. Drei Teams wurden von der Jury für die mit ihren Arbeiten für die Preisvergabe 2017 nominiert.

Hier die Statements von Dr. rer. nat. Dipl.-Inf. (Univ.) Klaus Dieter Engel zu
„Anatomie trifft Kino - Cinematic Rendering“

Anmoderation:
Wenn man sich heute die Qualität von Bildaufnahmen in der Medizin ansieht – etwa bei CT- oder MRT-Aufnahmen – dann ist man eigentlich geneigt zu sagen: das ist schon eine tolle Qualität. Und trotzdem: es geht noch viel besser – und auch für den Laien verständlicher! Das zeigt nämlich ein Projekt, das jetzt für den Deutschen Zukunftspreis nominiert worden ist.

Beitrag:
Cinematic Rendering – der Titel des Projektes sagt es schon. Wir sind in der Welt des Kinos. Hauptdarsteller ist … der menschliche Körper. Noch nie gab es so plastische, dreidimensionale Aufnahmen aus dem Körperinneren. Dank eines hochkomplizierten Animationsverfahrens, das Dr. Klaus Engel von Siemens Healthcare mit seinen Kollegen entwickelt hat.

O-Ton Dr. Klaus Dieter Engel
„Wir lassen uns also von den Kinotechniken beeinflussen und versuchen, verschiedene Techniken aus der Kinoindustrie auch bei uns einzusetzen. Das ist einerseits die bildbasierte Beleuchtungsberechnung, Beleuchtungsumgebung mit sehr hohem Dynamikumfang, mit denen wir unsere medizinischen Daten beleuchten können. Andererseits auch viele Kameraeffekte, die wir in unseren medizinischen Bildern realisieren.“

Die Einsatzmöglichkeiten sind groß. In der Medizin wird die Technik bereits an der Universität in Linz erfolgreich eingesetzt.

O-Ton Dr. Klaus Dieter Engel
„Wir haben seit zwei Jahren am ars electronica Center in Linz eine Installation, mit deren Hilfe Professor Fellner, der Chef der Radiologie am Kepler-Universitätsklinikum in Linz virtuelle Anatomievorlesungen gibt. Bisher hatten nur Medizinstudenten Zugriff auf Anatomievorlesungen an der Leiche. Durch die virtuellen Vorlesungen von Professor Fellner hat ein sehr viel breiteres Publikum Zugriff auf solche Vorlesungen.“

Dazu gehören zum Beispiel Heilpraktiker und Osteopathen. Aber auch im Dialog mit dem Patienten erschließen sich neue Möglichkeiten.
In der Diagnostik – etwa bei Aufnahmen des Gehirns – werden neue Regionen bildlich erschlossen und manche Diagnosen erst dadurch möglich.

O-Ton Dr. Klaus Dieter Engel
„Eine weitere Anwendungsmöglichkeit ist die Chirurgie. Chirurgen möchten sich wirklich die Anatomie des Patienten vor einer OP dreidimensional vorstellen können, um gut vorbereitet zu sein. Und gerade von Chirurgen bekommen wir sehr enthusiastische Rückmeldungen über die Bildqualität und wie klar sie sich jetzt die Anatomie des Patienten vorstellen können.“

In Deutschland ist Cinematic Rendering seit diesem Jahr im Einsatz und wird bei der Planung von Eingriffen - etwa an Leber, Galle oder Bauchspeicheldrüse – eingesetzt. In Zukunft sollen Augmented Reality-Anwendungen mit der Innovation von Klaus Engels Team auch die Operation selbst erleichtern. Die Nominierung zum Deutschen Zukunftspreis wird der Technologie zu weiterem Schub verhelfen.

Die Bekanntgabe der Gewinner durch Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier findet in der Preisverleihung am 29. November 2017 in Berlin statt.

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