Preis des Bundespräsidenten
für Technik und Innovation

Der Nachtsicht-Assistent - Infrarot-Technik für mehr Fahrsicherheit bei Dunkelheit

(v.l.n.r.) Dipl.-Ing. Manfred Meißner, Dr.-Ing. Jürgen Seekircher, Prof. Dr.-Ing. habil. Peter M. Knoll

Dr.-Ing. Jürgen Seekircher
Prof. Dr.-Ing. habil. Peter M. Knoll
Dipl.-Ing. Manfred Meißner
DaimlerChrysler AG, Sindelfingen
Robert Bosch GmbH, Driver Assistant Systems Business Unit, Leonberg

Abends und nachts ist das Risiko, im Straßenverkehr zu verunglücken, doppelt so hoch wie tagsüber.
Gibt eine Möglichkeit, auch bei Dunkelheit oder Dämmerung für ausreichend gute Sicht auf die Straße zu sorgen?

Jürgen Seekircher, Peter M. Knoll und Manfred Meißner fanden einen Weg, über den sich auch nachts der für ein sicheres Fahren nötige Durchblick gewährleisten lässt. Jürgen Seekircher ist bei DaimlerChrysler in Sindelfingen für die Serienentwicklung des Nachtsicht-Assistenten verantwortlich, Peter M. Knoll leitet die Entwicklung neuer Fahrerassistenzsysteme bei der Robert Bosch GmbH in Leonberg, wo Manfred Meißner als Projektleiter einer Plattform für Videosysteme tätig ist.

Ein Fernlicht, das niemand blendet
Schlechte Sicht führt häufig dazu, dass Autofahrer den Straßenverlauf falsch einschätzen oder Fußgänger, Radfahrer und Hindernisse auf der Straße zu spät erkennen. Das Fernlicht kann das Sichtfeld zwar vergrößern, lässt sich aber nur selten nutzen, da es den Gegenverkehr blendet. Die schwäbischen Ingenieure haben daher ein "elektronisches Fernlicht" entwickelt, das dem Autofahrer bei Dämmerung und Dunkelheit deutlich bessere Sichtverhältnisse ermöglicht, ohne dabei entgegenkommende Verkehrsteilnehmer zu beeinträchtigen. Denn der Nachtsicht-Assistent basiert auf Infrarot-Licht, das für das menschliche Auge unsichtbar ist.

Zwei Infrarot-Fernscheinwerfer beleuchten die Fahrbahn vor dem Wagen. Eine speziell entwickelte Kamera, die innen an der Frontscheibe angebracht und im Infrarotbereich empfindlich ist, nimmt die ausgeleuchtete Straßenszene auf. Die Aufnahme wird als scharfes, kontrastreiches Schwarz-Weiß-Bild auf einem Display in der Instrumententafel dargestellt. Ein kurzer Blick darauf - wie beim Ablesen des Tachos - genügt dem Fahrer, um die Verkehrssituation auch nachts klar zu erfassen. Der Nachtsicht-Assistent ermöglicht eine ähnliche Sichtweite wie bei Fernlicht. Selbst dunkel gekleidete Fußgänger lassen sich damit klar erkennen.

Augen für das Auto
Mit dem bei DaimlerChrysler und Bosch gemeinsam entwickelten System kann das Auto gewissermaßen sehen. So bietet die hoch auflösende Videokamera des Nachtsicht-Assistenten die ideale Plattform für weitere Fahrerassistenzsysteme der Zukunft. Sehende Systeme könnten rechtzeitig bemerken, wenn das Auto von der Fahrspur abzukommen droht. Verkehrszeichen wie Geschwindigkeitsbegrenzungen ließen sich per Kamera lesen und auswerten.

Im Herbst 2005 wurde der Nachtsicht-Assistent als Sonderausstattung in der S-Klasse von Mercedes-Benz eingeführt - als erstes aktives Nachtsichtsystem für ein Serienfahrzeug in Europa. In Zukunft wird die Technik auch in weiteren Fahrzeugen Einzug halten - und für deutlich mehr Sicherheit im nächtlichen Straßenverkehr sorgen.

Das Vorschlagsrecht zum Deutschen Zukunftspreis obliegt den führenden deutschen Einrichtungen aus Wissenschaft und Wirtschaft sowie Stiftungen.

Das Projekt "Der Nachtsicht-Assistent - Infrarot-Technik für mehr Fahrsicherheit bei Dunkelheit" wurde vom Deutschen Patent- und Markenamt vorgeschlagen.