Preis des Bundespräsidenten
für Technik und Innovation

Grün, gesund und ertragreich:
F 500 - Pflanzengesundheit durch Chemie
nach dem Vorbild der Natur

Dr. rer. nat. Hubert Sauter (Sprecher)
Dipl.-Ing. (agr.) Klaus Schelberger
BASF Aktiengesellschaft, Ludwigshafen

Die Weltbevölkerung wächst mit rasantem Tempo - vor allem in vielen Entwicklungsländern. Die landwirtschaftliche Nutzfläche verändert sich dagegen kaum.
Wie lässt sich das Nahrungsangebot für die immer größer werdende Zahl der Menschen sichern?

Entscheidend dafür ist es, Wege zu finden, um den Ertrag der Felder und Plantagen zu steigern. Hubert Sauter und Klaus Schelberger brachten dieses Bemühen einen großen Schritt voran. Ihr Ziel ist der Schutz der angebauten Pflanzen vor Pilzkrankheiten - wie Rost in Sojabohnen, Spelzenbräune in Getreide oder Mehltau in Weinreben. Hubert Sauter war bis 2004 wissenschaftlicher Direktor bei der BASF AG im Forschungsbereich Fungizide, Klaus Schelberger leitete bei dem Ludwigshafener Konzern bis 2003 die biologische Entwicklung von Fungiziden.

Schutz und Stärkung für die Pflanzen
Die beiden nominierten Forscher kreierten einen Wirkstoff, der nicht nur eine Vielzahl von Kulturgewächsen sehr wirkungsvoll gegen Pilzbefall schützt, sondern außerdem umweltschonend ist - und überdies die Lebenskraft der Pflanzen stärkt.

Ausgangspunkt für die Entwicklung des neuen Wirkstoffs namens F 500 war eine Entdeckung, die Wissenschaftler beim Studium des Kiefernzapfenrüblings machten. Der unscheinbare kleine Waldpilz hält im Konkurrenzkampf um das Nahrungsangebot im Waldboden andere Pilze auf Distanz, indem er eine natürliche pilztötende Substanz produziert und absondert: Strobilurin A. Indem sie die chemische Struktur dieses Stoffs veränderten, synthetisierten die BASF-Forscher im Labor das F 500. Als Pflanzenschutzmittel, für das ein natürlicher Inhaltsstoff eines Pilzes als Vorbild dient, ist diese Substanz ein Novum.

Die Zellatmung der Pilze wird blockiert
Das F 500 richtet sich, wie die übrigen Strobilurine, gezielt gegen die Sporenkeimung von Pilzen und blockiert eine bestimmte Stufe von deren Zellatmung. Die Folge: Die Pilze sterben ab. Der Vorteil: Während dieser Mechanismus gegen zahlreiche Pilze wirkt, werden andere Lebewesen nicht geschädigt. Der Clou beim Einsatz des außergewöhnlichen Wirkstoffs ist jedoch, dass er - über den Schutz gegen Pilze hinaus - auch die eigene Widerstandsfähigkeit der Pflanzen gegen Stressfaktoren verbessert und ihre Anfälligkeit für Krankheiten verringert. Ein augenfälliges Zeichen für die erhöhte Vitalität der mit F 500 behandelten Gewächse sind intensiv grün gefärbte Blätter.

2002 brachte die BASF das vielseitige Fungizid auf den Markt. Seitdem ist es in vielen Teilen der Erde zur führenden Waffe im Kampf gegen Pilzerkrankungen geworden: zum Beispiel in Südamerika, wo um 2002 erstmals der Asiatische Sojarost auftrat - eine Krankheit, die in manchen Regionen die gesamte Ernte bedrohte. Durch den Einsatz von F 500 konnten die Farmer die Pilzkrankheit jedoch erfolgreich eindämmen.

Das Vorschlagsrecht zum Deutschen Zukunftspreis obliegt den führenden deutschen Einrichtungen aus Wissenschaft und Wirtschaft sowie Stiftungen.

Das Projekt „Grün, gesund und ertragreich. F 500 - Pflanzengesundheit durch Chemie nach dem Vorbild der Natur“ wurde vom Bundesverband der Deutschen Industrie vorgeschlagen.