Molekularbiologische Verfahren für innovative Therapien: Entwicklungsbiologie als Basis innovativer Therapien zur Behandlung von Krankheiten

(f.l.t.r.) Prof. Dr. rer. nat. Peter Gruss, Prof. Dr. rer. nat. Herbert Jäckle

Prof. Dr. rer. nat. Peter Gruss (Spokesperson)
Prof. Dr. rer. nat. Herbert Jäckle

Max-Planck-Institut für Biophysikalische Chemie, Göttingen

Viele Krankheiten lassen sich durch Medikamente allenfalls lindern, aber nicht heilen.

Kann man den menschlichen Körper dazu bringen, krankhafte Fehlfunktionen selbst zu reparieren?

Peter Gruss und Herbert Jäckle legten mit einem neuartigen therapeutischen Konzept die Basis dafür, dass das bald bei etlichen Krankheiten gelingen könnte. Peter Gruss ist Direktor der Abteilung Molekulare Zellbiologie am Max-Planck-Institut für biophysikalische Chemie in Göttingen, Herbert Jäckle steht der Abteilung Molekulare Entwicklungsbiologie als Direktor vor.

Ein Ziel ist die Regeneration der Inselzellen

Seit der Entdeckung des Insulins kann Diabetikern durch tägliche Insulin-Injektionen geholfen werden. Allerdings bewirkt diese Art der Behandlung keine Heilung der Diabetes. Außerdem können dadurch Folgeerkrankungen auftreten, etwa Erblinden, Nierenversagen und Herz-Kreislaufprobleme. Durch die Regeneration von Insulin produzierenden Inselzellen in der Bauchspeicheldrüse würde vielen Diabetikern hingegen dauerhaft und ohne Nebenwirkungen geholfen.

Der erwachsene Körper setzt sich aus Hunderten von spezifischen Zelltypen zusammen. Sie bilden sich zu verschiedenen Zeiten und an verschiedenen Stellen während der Embryonalentwicklung und finden sich später zu funktionsfähigen Organen zusammen. Grundlegende Studien auf dem Gebiet der Molekulargenetik und der Entwicklungsbiologie, etwa am Max-Planck-Institut für biophysikalische Chemie, bildeten die Voraussetzung für ein Verständnis der molekularen Schaltprozesse, die bei der Embryonal-Entwicklung ablaufen. Dieses Verständnis ermöglichte die Entwicklung völlig neuer Therapiekonzepte.

Der Knackpunkt sind die Schalter-Gene

Den nominierten Forschern ist es gelungen, ausgehend von Experimenten an der Fruchtfliege Drosophila, eine Reihe von Schalter-Genen zu beschreiben, die - auch beim Menschen - für die Bildung von Organen grundlegend sind. Fällt ein Schalter-Gen aus, wird zum Beispiel das Auge, das Ohr, die Niere, ein bestimmter Bereich des Gehirns oder die Bauchspeicheldrüse nicht oder nur unvollständig gebildet. Gruss und Jäckle konnten die Insulin produzierenden Inselzellen jedoch dazu bringen, sich zu regenerieren. Dazu reaktivierten sie bei Diabetes-Patienten die Schalter-Gene, die bei gesunden Menschen während der Entwicklung der Inselzellen aktiv sind. Die Folge: Der Körper stellt selbst Inselzellen her.

Das innovative therapeutische Konzept verspricht Heilungschance für eine Vielzahl von Krankheiten: neben Diabetes beispielsweise auch bei Leberdefekten und Fettleibigkeit (Obesitas). Zur Entwicklung marktfähiger Produkte gründeten die Forscher die DeveloGen AG. Ein Medikament dieses Unternehmens zur Behandlung von Diabetes Typ 1 hat 2005 die zweite Phase der klinischen Tests abgeschlossen.

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