Neue Wege zur gentechnologischen Bekämpfung von malignen Erkrankungen

Prof. Dr. Michael Strauss

Prof. Dr. Michael Strauss (+)
Humboldt Universität zu Berlin,
Max Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin

An Krebserkrankungen sterben weltweit jährlich etliche Millionen Menschen.

Mit welchem Ansatz kann man sich der zerstörerischen Kraft von Tumoren wirksam entgegenstemmen?

Michael Strauss und seine Mitarbeiter haben gute Chancen, erstmals einen gentherapeutischen Ansatz in ein Medikament zur Krebsbehandlung umzusetzen. Michael Strauss ist Professor für Zellbiologie an der Mathematisch-Naturwissenschaftlichen Fakultät der Berliner Humboldt Universität. Bis 1996 leitete er eine Arbeitsgruppe der Max-Planck-Gesellschaft im Max Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin in Berlin-Buch.

Genetische Veränderung lässt Tumorzellen wuchern

Zusammen mit Fachkollegen aus anderen europäischen Ländern deckte der Berliner Forscher den Mechanismus auf, der für die Vermehrung von Zellen in einem Tumor verantwortlich ist - und der in fast allen Krebstumoren außer Kontrolle gerät. Dieser Mechanismus wird von vier Genen reguliert. In jedem Tumor ist mindestens eines dieser Gene verändert. Das verleiht den Tumorzellen die Fähigkeit, sich unkontrolliert und ungehemmt zu vervielfältigen. Gleichzeitig verlieren viele Tumorzellen die Fähigkeit, auf erbgutschädigende Stoffe mit einem „programmierten“ Zelltod zu reagieren - die Zellen werden unempfindlich gegen eine Chemotherapie.

Auf der Basis dieser Erkenntnisse entwickelte Strauss eine neuartige Strategie zur Behandlung von Tumoren. Sie zielt darauf ab, durch Einbringen zweier bestimmter Gene in die Tumorzellen die Kontrolle über deren Wachstum und die Fähigkeit zum programmierten Absterben wiederherzustellen.

Eine Vielzahl von Krebsarten im Visier

Dazu stellten die Forscher um Strauss geeignete Vehikel her, um die Gene zu übertragen und in die Zielzellen einzuschleusen. Diese Vehikel leiteten sie von Schnupfenviren ab. In Tierexperimenten konnten die Forscher belegen, dass sich das Tumorwachstum durch die Therapie effektiv stoppen lässt und sich die Geschwulst zurückbildet. Zunächst soll die Methode zur Behandlung von Patienten mit Tumoren und Stoffwechsel-Erkrankungen der Leber angewendet werden. Prinzipiell jedoch eignet sie sich zur Therapie vieler verschiedener Tumoren und Metastasen, etwa im Darm.

Um die Behandlungsstrategie zu einem ausgereiften Medikament weiterzuentwickeln, gründete der Forscher die Firma HepaVec. Deren Ziel ist es das Therapeutikum in den nächsten fünf Jahren bis zur klinischen Testphase zu bringen, die dann in Kooperation mit einem großen Pharmaunternehmen realisiert werden soll. Die Erkenntnisse wurden in zahlreichen Fachpublikationen veröffentlicht und durch bislang zehn Patente abgesichert. Der Forscher ist überzeugt, dass seine Firma gute Chancen hat, das erste erfolgreiche Gen-Medikament an den Markt zu bringen.

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