Professionelles Digitales Drahtlos-Mikrofonsystem

(v.l.n.r.) Prof. Dr. sc. techn. Jörg Sennheiser, Dipl.-Ing. Gerrit Buhe

Prof. Dr. sc. techn. Jörg Sennheiser (Sprecher)
Dipl.-Ing. Gerrit Buhe

Sennheiser electronic GmbH & Co. KG, Wedemark

Funkmikrofone sind eine der letzten Bastionen der analogen Technik. Dabei könnte die Digitaltechnik auch dort viele Vorteile bringen.

Wie aber schafft man es, die kritischen Ohren der Tonmeister davon zu überzeugen?

Jörg Sennheiser und Gerrit Buhe gelang es, eine Technologie zu entwickeln, die das Potenzial besitzt, der Digitalisierung auch bei kabellosen Mikrofonen für Rundfunk- und Fernsehstudios zum Durchbruch zu verhelfen. Jörg Sennheiser ist Aufsichtsratsvorsitzender der Sennheiser electronic GmbH & Co. in Wedemark, Gerrit Buhe Leiter der Entwicklung Professionelle HF-Systeme.

Ein Problem war bisher der verfälschte Klang

Ob am Mischpult, mit dem Effektgerät oder bei der Tonbearbeitung - im Studio und bei Live-Aufnahmen arbeiten die Spezialisten schon lange fast ausschließlich mit digitalen Geräten. Eine Ausnahme bilden bisher noch die Mikrofone: Zwar gibt es seit ein paar Jahren erste kabelgebundene Modelle, die Digitaltechnik nutzen, doch Funkmikrofone funktionieren bislang allesamt auf die konventionelle analoge Weise. Die Probleme, die sich bei der Umstellung dieser Geräte auf digitale Technik stellten, liegen in den ungeheuer großen Datenmengen und dem zum Übertragen der Signale per Funk benötigten breiten Frequenzspektrum.

Eine mögliche Datenkompression für die Übertragung verfälscht die Tonaufnahmen und verschlechtert die Qualität von Sprache und Musik. Die große Zahl an benötigten Frequenzen verhindert, dass im Studio oder bei einem Konzert viele Mikrofone gleichzeitig verwendet werden - und wurde überdies 2004 durch neue Standards untersagt.

Mit digitaler Technik rauschfrei und flexibel

Die Entwickler bei Sennheiser haben mit neuesten Erfahrungen aus der digitalen Übertragungstechnik und verfeinerten Simulationsmethoden geschafft, ein digitales Funkmikrofonsystem zu realisieren, das professionelle Ansprüche erfüllt. . Die neue Technologie kommt mit einer geringeren Frequenzbandbreite aus und erlaubt den gleichzeitigen Betrieb von noch mehr Funkmikrofonen in einem Frequenzspektrum. Es können sogar zusätzliche Daten mit übertragen werden, die es dem Empfänger ermöglichen, Übertragungsfehler zu erkennen oder zu reparieren. Die Leistung des neuen Mikrofons: Klarer, rauschfreier Ton mit höchster Transparenz und Originaltreue.

Das Team bei Sennheiser hat sein neues Mikrofonsystem durch internationale Patente schützen lassen. Derzeit wird eine Vorserie der Geräte in der Praxis getestet. Sobald die kritischen Testnutzer - professionelle Toningenieure und Tonmeister - grünes Licht geben, startet die Serienfertigung.

Das Vorschlagsrecht zum Deutschen Zukunftspreis obliegt den führenden deutschen Einrichtungen aus Wissenschaft und Wirtschaft sowie Stiftungen.

Das Projekt "Professionelles Digitales Drahtlos-Mikrofonsystem" wurde von AiF - Arbeitsgemeinschaft industrieller Forschungsvereinigungen vorgeschlagen.

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2008 Erklärfilm ZDF Team 3

Professionelles Digitales Drahtlos-Mikrofonsystem
Prof. Dr. sc. techn. Jörg Sennheiser (Sprecher)
Dipl.-Ing. Gerrit Buhe

Hintergrundmaterial

Fragen an die Nominierten
Prof. Dr. sc. techn. Jörg Sennheiser
Dipl.-Ing. Gerrit Buhe

Ihre Innovation ist etwas, das von Laien zunächst kaum bemerkt, aber für den Fachmann ein ganz entscheidender Qualitätssprung ist. Es geht um ein professionelles digitales Funkmikrofonsystem. Die Firma Sennheiser galt aber auch schon bisher als weltweit führend für Mikrofonsysteme. Erklären Sie doch bitte zunächst die bisherige Technik und warum hier neue Wege beschritten wurden.

Dr. sc. techn. Jörg Sennheiser
In den Fünfzigerjahren entstand der Wunsch, die Mikrofone vom Kabel zu befreien. Das haben wir 1957 mit unseren ersten Funkmikrofonen gemacht, die im Grunde nichts anderes sind als kleine UKW-Sender, die das Signal vom Mikrofon über eine bestimmte Strecke drahtlos zu einem Empfänger übertragen, von wo der Ton dann zum Beispiel an ein Mischpult und die Beschallungsanlage geht.
Im Laufe der Jahre haben wir gelernt, nicht nur einen Sender zu übertragen, sondern wir haben die Anzahl jeweils verdoppelt. Die technische Herausforderung war immer die Verdoppelung – also 2, 4, 8, 16 Sender –, und das haben wir auf normalem analogem Weg wie UKW-Radio gemacht, haben auf höhere Frequenzen erweitert und so weiter. Auf diese Art und Weise sind wir seit vielen Jahren in der Lage, sehr, sehr viele Kanäle gleichzeitig zu übertragen.

Je mehr Kanäle oder Sender man übertragen möchte, desto mehr Frequenzspektrum braucht man allerdings; das Übertragungsspektrum reicht konkret von ungefähr 30 MHz bis 1 GHz. Wir haben gesehen, dass man mit dieser begrenzten Ressource „verfügbare Frequenzen“ in Zukunft ökonomischer umgehen muss, weil immer mehr drahtlose Dienste parallel genutzt werden. Deshalb haben wir schon vor 20 Jahren überlegt, wie wir – über das Analoge hinaus, vielleicht mit neuen Methoden, Modulationsmethoden oder auch ganz anderen Übertragungsmethoden – ökonomischer mit dem Spektrum umgehen können. So sind wir zu dieser Entwicklung gekommen, neben anderen Wegen, die wir dann wieder verlassen haben, bis wir es digital probiert haben.

Der Konsument kennt inzwischen das digitale Fernsehen. Sie sagen, dass Sie schon vor langer Zeit angefangen haben, Alternativen zu suchen. Sie haben digitale Methoden für die Tonübertragung gesucht, das digitale Fernsehen hat sich parallel entwickelt? Wie muss man sich das vorstellen?

Prof. Dr. sc. techn. Jörg Sennheiser
Das ist sich durchaus sehr ähnlich, aber das Kritische bei dieser Entwicklung war etwas anderes: Beim analogen Fernsehen konnten wir in einem Fernsehkanal immer als „Untermieter“ mit unseren Funkmikrofonen dabei sein, da war noch genügend Platz. Wir haben das Fernsehen nicht gestört, das Fernsehen hat uns nicht gestört. Bei digitalen Fernsehübertragungen, der aktuellen Technik, ist aber der gesamte Kanal durch die Fernsehdaten schon voll belegt, und es ist kein Platz mehr für noch ein kleines Funkmikrofon.

Für den „Untermieter“ gibt es keinen Platz mehr – das heißt, Ihre Aufgabe war einerseits, die Technik weiterzuentwickeln, und sich anderseits darum zu kümmern, welche Frequenzen überhaupt zur Verfügung stehen?
Lassen Sie uns zunächst einmal die technische Entwicklung beschreiben. Was haben Sie entwickelt oder erfunden?

Dipl.-Ing. Gerrit Buhe
Wir wollten ein digitales Übertragungsverfahren entwickeln, das besser oder mindestens genauso gut ist wie das heutige analoge. Da wir auf über 50 Jahre technische Evolution bei den analogen Funkmikrofonen zurückblicken, war das natürlich sehr schwierig. Zusätzlich hatten wir den neuen Rahmenbedingungen in der Welt Rechnung zu tragen, die es erforderlich machen, dass immer mehr Funkmikrofone in den immer schmaler werdenden Frequenzbändern eingesetzt werden können.
Es gibt inzwischen viele digitale Audiolösungen, wie zum Beispiel die klassische CD, deren Qualität für den Hausgebrauch sehr gut ist. Doch unsere Kunden – Toningenieure, Musiker, Bands, Orchester – setzen Mikrofone am Anfang der Audioverarbeitungskette ein und benötigen daher eine noch höhere Qualität, damit trotz unvermeidlicher Verarbeitungsschritte in der Produktion das CD-Niveau noch erreicht werden kann.
Die große Herausforderung bestand also in der Realisierung einer noch besseren Qualität, als eine CD sie bietet, bei gleichzeitig sehr hoher Frequenzeffizienz, das heißt, möglichst viele Mikrofone auf möglichst wenig Frequenz„platz“ störsicher verwenden zu können.

Sie haben eben gesagt, dass Sie etwas entwickeln wollten, das besser als das bisherige war?

Dipl.-Ing. Gerrit Buhe
„Besser“ heißt in diesem Kontext, dass das Signal, das Sie im Empfänger hören, noch mehr dem Original entspricht, als dies bei den analogen Funkmikrofonen möglich ist. Das Maß aller Dinge ist, dem Original so nahe wie möglich zu kommen. Bei der digitalen Übertragung haben wir dies eins zu eins erreicht.

Prof. Dr. sc. techn. Jörg Sennheiser
Fachleute kennen bei der analogen Übertragung die Schwachstellen auch der besten Verfahren: Damit man den Sender nicht übersteuert und auf diese Weise noch mehr Spektrum belegt, wird die Aussteuerung „weich“ begrenzt, und diese Begrenzung hört man bei kritischen Signalen ein wenig. Wenn man eine Begrenzung nicht mehr braucht, wie jetzt bei der digitalen Übertragung, hat man eine Fehlermöglichkeit ausgeschaltet.

Dipl.-Ing. Gerrit Buhe
Weiterhin besteht beim klassischen analogen Verfahren die Gefahr, dass man kleine Störungen, die auf der Strecke passieren, hört. Das hängt direkt davon ab, ob der Künstler gerade laut oder leise war, wie die Rahmenbedingungen aussahen. Eine Stärke der digitalen Übertragung ist die Möglichkeit, einen mathematischen Fehlerschutz hinzuzurechnen. Das heißt, die Audiodaten, die man sendet, werden um zusätzliche Informationen erweitert. So kann man im Empfänger Fehler erkennen, diese sogar reparieren und damit solche Störungen beseitigen. Das ist ein großer Vorteil der digitalen Übertragung.
Ein Nachteil allerdings, der damit einhergeht, ist die erhöhte Datenrate, die der Frequenzeffizienz entgegensteht. Die Wirksamkeit des Fehlerschutzes steigt außerdem, wenn man den Datenstrom etwas in die Länge zieht, wodurch sich eine Verzögerung ergibt. Das heißt, das Signal wird verzögert, um möglichst viele Fehler erkennen und reparieren zu können. Das ist beim Fernsehen überhaupt kein Problem – weder beim Bild noch beim Ton –, weil der Fernsehzuschauer nicht merkt, ob die Signale einige Millisekunden später ankommen.
In einer Mikrofon-Live-Anwendung sieht das ganz anders aus. Hier hören die Künstler ihr eigenes Signal über das sogenannte drahtlose Monitoring, den kleinen Knopf im Ohr. Und genau hier liegt das Problem: Wenn ein verzögertes Signal auf das Ohr trifft und sich mit dem Original zeitversetzt überlagert, das sich durch Körperschall im Kopf ebenfalls zum Ohr ausbreitet, hört man zum Teil erhebliche Klangverfärbungen. Das ist zwar noch lange kein Echo, aber bestimmte Frequenzen werden ausgelöscht, man hört Artefakte. Das darf auf keinen Fall passieren. Gerade die professionellen Künstler sind es gewohnt, mit solchen drahtlosen Monitorsystemen zu arbeiten.

Analoge Funkmikrofone nutzen spezielle Rauschunterdrückungsverfahren, sogenannte Kompanderverfahren. Diese komprimieren die Dynamik des Audiosignals im Sender; das komprimierte Signal wird dann über die Luft übertragen und im Empfänger wieder zur „ursprünglichen Größe“ expandiert. Das ist der Trick bei der ganzen Sache, um die sehr große Originaldynamik im Empfänger wieder herzustellen.
Das kann aber auch dazu führen, dass bei kritischen Eingangssignalen – wenn zum Beispiel im Hintergrund eine Trompete spielt oder eine ganze Bigband mit in das Mikrofon eines Sängers „gerät“ – dieser Kompander anfängt, hin- und herzuregeln. Mögliche Folgen sind Lautstärkeänderungen und tieffrequente Störgeräusche, die in Wirklichkeit gar nicht da sind. Dies ist eine Schwäche der analogen Übertragungsverfahren. Auch wenn die meisten Anwender sehr genau wissen, wie sie dem begegnen können, ist das manchmal ein Problem.

Bei der digitalen Übertragung haben wir diese Probleme nicht mehr. Es werden eins zu eins die Bits des Analog-/Digital-Wandlers im Mikrofon, erweitert um eine Fehlerkorrektur, übertragen. Bei unserem digitalen Funkmikrofon wird in keiner Weise komprimiert. Andere Audiodigitalisierungsverfahren nehmen eine Audiokomprimierung vor, meist nach einem psychoakustischen Modell. Dabei werden Signalanteile, die verdeckt werden, die man also angeblich nicht hören kann, gar nicht mit übertragen. Wir machen das nicht, weil wir wissen, dass unsere Künstler und Tonmeister da sehr, sehr kritisch und tatsächlich in der Lage sind, Veränderungen zu hören. Zur Vermeidung jeglicher Artefakte sind wir daher den harten Weg gegangen und übertragen wirklich Bit für Bit, eins zu eins, zum Empfänger. Dadurch ist nichts als die Wahrheit zu hören, also wirklich das Original.

Was ist das wirklich Innovative an Ihrer Entwicklung?

Dipl.-Ing. Gerrit Buhe
Die Innovation besteht darin, dass wir erstmals auch bei kritischen Eingangssignalen keine Audio-Artefakte mehr haben, da die Signale eins zu eins übertragen werden. Wir haben außerdem eine viel größere Dynamik, das heißt, die sehr lauten und gleichzeitig auch die sehr leisen Töne eines Stücks werden problemlos übertragen. Die Dynamik ist viel größer als bei einem analogen Funkmikrofon; das ist ein wichtiger Vorteil. Damit bleibt als Folge auch eine größere Transparenz im Klangbild erhalten.
Es gibt bisher tatsächlich Anwendungen, bei denen Funkmikrofone aus den erwähnten Gründen nicht zum Einsatz kommen, insbesondere bei Abnahme von Instrumenten. Das wird mit den neuen vorbei sein, man kann ein digitales Funkmikrofon auch für ein kabelgebundenes Mikrofon einsetzen. Es gibt Spezialisten, die bisher für einige Aufgaben nur kabelgebundene Mikrofone einsetzen. Einige haben sich sehr kritische Signale mit unserer digitalen Übertragungsstrecke angehört und deren Qualität bestätigt. Mit Funkmikrofonen fällt der Installationsaufwand bei der Mikrofonierung deutlich geringer aus.

Geht mit dieser Entwicklung auch ein neues Produktionsverfahren einher, musste man neue Maschinen kreieren oder hat man die Komponenten „nur“ anders zusammengesetzt?

Prof. Dr. sc. techn. Jörg Sennheiser
Wenn man – wie ein Ingenieur das normalerweise tut – mit Blöcken arbeitet, hat man vorne immer noch das normale Mikrofon, das den Schalldruck in eine elektrische Größe umsetzt. Dann folgt der Analog-/Digital-Wandler. Daran schließen sich die Verarbeitung des digitalen Signals in der Elektronik und die Sendestufe an. Auf der Empfängerseite ist alles sozusagen spiegelverkehrt angeordnet; das sind ähnliche Blöcke. Der gesamte Übertragungsblock (von Analog-/Digital-Wandler zu Digital-/Analog-Wandler) ist jetzt digital, mit allen Vorteilen, die Herr Buhe geschildert hat; er ist ohne jeglichen Kompromiss digitalisiert. Man darf am Eingang einer Bearbeitungsstrecke nichts weglassen, da man es hinterher nicht mehr originalgetreu rekonstruieren kann. Das ist ganz wichtig, deshalb diese hohen Anforderungen.
Man kann sicher aus diesem System in Zukunft auch einfachere Systeme erzeugen, indem man ein wenig Datenreduktion am Anfang zulässt; für bestimmte Zwecke wird das sicher reichen. Aber für die richtigen Produktionsmikrofone – also Mikrofone für Theater, Konzerte, Rundfunk und Fernsehen – ist das nicht akzeptabel.

Dipl.-Ing. Gerrit Buhe
Hinzuzufügen ist, dass es auf der digitalen Seite deutlich komplexer geworden ist. Man muss die modernsten Bauelemente einsetzen. Miniaturisierung ist ein wichtiges Thema, weil wir ungefähr doppelt so viel Elektronik unterzubringen haben. Die Mikrofone sollen natürlich auch immer kleiner werden. Die Taschensender zum Beispiel für Musicals sollen immer kleiner und leichter werden und absolut zuverlässig sein. Es ist eine besondere Herausforderung, doppelt so viel Elektronik in ein möglichst noch kleineres Gehäuse zu packen, was bei der Technologie konsequente Miniaturisierung fordert.

Prof. Dr. sc. techn. Jörg Sennheiser
Aber das ist unser Standard; Miniaturisierung war auch mit der analogen Technik angesagt. Die Elektronik kann man mit den modernen Bauelementen ziemlich gut komprimieren, aber womit wir immer noch Probleme haben, sind die Batterien: Die halten mit der Miniaturisierung der restlichen Elektronik nicht Schritt.

Am Entwicklungsprozess Ihrer Innovation waren nicht nur Sie als Nominierte beteiligt, sondern es fand auch eine Zusammenarbeit mit Universitäten statt. Im Entwicklungsprozess gab es weiterhin verschiedene Ansätze, die Sie dann verworfen haben. Wie hat sich das dargestellt?

Prof. Dr. sc. techn. Jörg Sennheiser
Das ist richtig. Wir haben mit sehr großem zeitlichen und finanziellen Aufwand mit Partnern ein System fertig entwickelt, das im Prinzip auch funktionierte, aber nicht absolut störungsfrei. Wir haben dieses System unseren Kunden vorgeführt, und es lief auch so richtig als Vielkanalanlage, aber wir mussten ehrlich sagen, dass es so komplex und auch teuer geworden war, dass es nicht die Lösung sein konnte. Deshalb mussten wir noch einmal ganz von vorne anfangen. Es kam die Diskussion auf, ob wir Datenreduktion zulassen wollen, weil das das Problem sehr viel kleiner gemacht hätte. Nein, wir wollten wirklich die perfekte Lösung. Darum haben wir einen ganz neuen Ansatz gefunden.
Die größte Herausforderung dabei war, die große digitale Datenmenge über einen sehr schmalen Übertragungskanal zu senden. Wenn man es technisch erklärt, kapiert das kein Mensch, aber ich habe ein Bild dafür: Man geht mit einer langen Balancierstange auf einem Weg, und vorne kommt ein Engpass. Der ist nur einen Meter breit, die Balancierstange aber vier Meter lang. Und was wir jetzt machen, ist nicht etwa einfach rennen – Bums, gegen die Wand! –, sondern wir drehen den Balancierstab um 90 Grad. Und so kommen wir mit unseren Daten, mit der Balancierstange, durch. Hinter dem Engpass drehen wir die Stange einfach wieder um. Es sind einige Tricks dabei, um die notwendigen Datenmengen durch den Engpass, den Kanal, zu bekommen; dazu hat Herr Buhe das Grundlegende geleistet.

Sie haben mit der Uni Hamburg-Harburg zusammengearbeitet?

Prof. Dr. sc. techn. Jörg Sennheiser
Es hat sogar noch früher angefangen, mit der Universität Kaiserslautern. Wir haben für das Projekt unsere ganzen Kontakte genutzt. Hilfreich war sicherlich die Entwicklung des DVB-T, das jetzt fürs Fernsehen genutzt wird. Es war wichtig, jemanden zu haben, der für uns messen konnte, damit wir laufend etwas ausprobieren konnten; wir wollten das nicht alles bei uns aufbauen. Erst mit Probeaufbauten kann man nämlich sehen, wie beispielsweise die gegenseitige Beeinflussung ist, wenn auch auf dem Nachbarkanal gesendet wird. 2002 haben wir einen Kooperationsvertrag mit der Universität Hamburg-Harburg geschlossen, und die Universität war extrem hilfreich – auch bei der Entwicklung dieses gerade beschriebenen Tricks mit der Balancierstange.

Dieser Entwicklungsprozess hat wie lange gedauert?

Prof. Dr. sc. techn. Jörg Sennheiser
Von Anfang an waren es 20 Jahre, so lange sind wir schon mit Partnern dabei. Der Startschuss für eine eigene Sennheiser-Mannschaft, die diese Aufgabe hat, fiel vor ungefähr sechs Jahren.

Waren Sie sich immer sicher oder gab es irgendwann einen Punkt, an dem sie gedacht haben, dass das alles nicht funktioniert?

Dipl.-Ing. Gerrit Buhe
Es gab sicher oft Probleme, an denen wir ein bisschen länger gearbeitet haben, die auch ganz, ganz entscheidend waren. Da wurden natürlich schon einige nervös ... Prof. Sennheiser kam ab und zu vorbei, hat sich das alles von mir erklären lassen, den Kopf geschüttelt und gesagt: „Dass man so kompliziert Audio übertragen kann, ist unglaublich! Kopf hoch, da müssen wir jetzt durch, da bekommen wir nichts geschenkt.“ Es war gut zu wissen, dass man wirklich Rückendeckung hat – wir machen das, wir beißen uns so lange fest, bis wir eine Lösung haben. Und das war, denke ich, auch ganz entscheidend.

Prof. Dr. sc. techn. Jörg Sennheiser
Wir waren angetreten, die Grenzen der verfügbaren Technologien weiterzuschieben. Das ist sehr schwierig, und man kann sich auch verrennen. Aber ich hatte das Gefühl, dass die Mannschaft Ideen hat, von denen man zwar nicht genau wusste, wie lange sie braucht, um sie zum Funktionieren zu bringen. Aber es hat nie einen Stillstand gegeben, keine Ratlosigkeit, sondern es ging immer Schritt für Schritt weiter. Da wir ein Projekt mit einem klaren Budget hatten, wussten wir immer, was die Folgen waren. Natürlich haben wir darauf geachtet, ob wir uns das auch leisten können. Und als Marktführer muss man sich das auch leisten können. Aber es muss irgendwann die Entscheidung kommen: Machen wir das jetzt bis zum bitteren Ende weiter oder ist das ein Ausstiegsszenario? Bei unserer ersten Entwicklung haben wir gesagt: aussteigen, noch mal neu anfangen, neues Budget. Aber beim zweiten Mal ging es immer irgendwie voran.

Wann haben Sie das erste Projekt „beerdigt“? Auf der Hälfte der Strecke?

Prof. Dr. sc. techn. Jörg Sennheiser
Ja, ziemlich genau vor zehn Jahren. Wir haben gesehen, dass es kein kundengerechtes Produkt ist. Es hat zwar akademisch funktioniert, aber man konnte es nicht verkaufen. Ein typischer weißer Elefant.

Wie groß war das Team, mit dem Sie gearbeitet haben, wie viele Leute waren in der Entwicklungsphase beteiligt?

Dipl.-Ing. Gerrit Buhe
Das Kernteam war anfangs relativ klein und ist dann mit zunehmenden Aufgaben immer größer geworden. Die ersten Prototypen sahen immer ganz lustig aus, weil kein Mechaniker, kein Konstrukteur dabei war. Das Team ist dann von anfangs vier Leuten immer weiter gewachsen.

Prof. Dr. sc. techn. Jörg Sennheiser
Man hat vor allem – untypisch für die Elektronik – ganz unterschiedliche Gewerke gebraucht. Wir hatten einen Riesenaufwand bei der Software, dann für das Gehäuse. Es gab beim Empfänger durchaus Probleme mit der Wärmeverteilung, die wir in der Form auch noch nie bearbeitet haben. Da musste man mit Simulationen versuchen, wie man die Wärme hinausbekommt. Das sind die Dinge, die hinzukamen.

Und wann war es dann so weit, wann war das Produkt da?

Dipl.-Ing. Gerrit Buhe
Wir haben erst die Technologie in Form eines Demonstrators getestet, das heißt, wir haben alles so weit gebracht, dass es auch halbwegs handlich war, und dann in Hallen und auf Bühnen getestet. Dabei kam heraus, dass sich die Übertragungskanäle nicht ganz so verhalten wie zuvor in der Simulation. Dann mussten wir weiter optimieren, bis wir Mitte 2005 so weit waren zu sagen, dass die Basistechnologie funktioniert. Die haben wir direkt mit analogen Strecken verglichen und konnten feststellen, dass wir darauf aufbauend jetzt Produkte planen und entwickeln können. Das war die Lösung, die wir gesucht hatten!

Wir sind heute so weit, dass wir in intensive Testphasen mit Kunden gehen, die wir als ganz besonders kritisch kennengelernt haben. Wir wollen alles berücksichtigen, was sich diese Spezialisten wünschen. Denn man kann sich vorstellen, dass das erste digitale Funkmikrofon ohne Audiokomprimierung besonders kritisch betrachtet wird. In dieser Phase sind wir jetzt. Die ersten Beurteilungen sind positiv ausgefallen; wir sind nun sehr optimistisch, dass wir nichts übersehen haben. Diese Phase werden wir jetzt sehr, sehr intensiv weiterführen: Die Spezialisten müssen uns wirklich bescheinigen, dass unser Produkt das beste Funkmikrofon ist, das wir je gebaut haben, und dann geht es weiter.

Prof. Dr. sc. techn. Jörg Sennheiser
Die Endphase dieser Entwicklung kann nur gemeinsam mit den Kunden passieren, denn die wissen genau, was sie brauchen, und hören das auch ganz anders. Wir stecken in den Messwerten und vergleichen mit dem Pflichtenheft. Die gehen raus und sagen: Das klingt musikalisch oder rau oder sonst etwas ... Und dann müssen wir das sortieren: Was heißt „rau“?

Dipl.-Ing. Gerrit Buhe
Wenn jetzt alles sehr gut läuft, dann wollen wir nächstes Jahr in Serie gehen.

Ihre Innovation umfasst einen zweiten, sehr wichtigen Bereich: Auf der einen Seite ist es die Technologie, und auf der anderen Seite mussten Sie sich in den Prozess der Findung oder Sicherung der Betriebsfrequenzen einbinden. Was ist darunter zu verstehen?

Prof. Dr. sc. techn. Jörg Sennheiser
Das ist noch nicht gelaufen! Wir sehen uns einfach in einer Problematik, die wir nicht gesucht haben: Wir bauen Autos und keine Straßen dazu, und wenn man die Straßen wegrationalisiert, dann nützen die schönsten Autos nichts. Und deshalb brauchen wir ein Frequenzspektrum für die rund 5.000 Kanäle, die man weltweit benötigt, die Straße für unsere Mikrofone sozusagen. Das muss geschützt sein, da dürfen keine Alarmanlagen, keine Sicherheitsdienste, kein Mobilfunk darauf sein, einfach nichts – nur so kann man hochqualitative, sichere Produktionen mit Funkmikrofonen für unsere Anwender garantieren. Und damit Konzerte, Musicals und Live-Reportagen.

Sie haben sich dann mit den großen Organisationen, die das bestimmen, zusammengesetzt und eine Art Masterplan ausgearbeitet ...

Prof. Dr. sc. techn. Jörg Sennheiser
Ja, wir haben uns ein bisschen als Detailteufel gesehen, denn kein Mensch hatte ernsthaft angenommen, dass das wirklich ein Problem sein könnte. In der Vergangenheit, als wir als Untermieter auf den analogen Fernsehkanälen platziert waren, haben wir diese Probleme ja immer wieder lösen können. Man konnte in die Frequenzlücken der Fernsehsender ausweichen. Das geht beim digitalen Fernsehen aber eben nicht mehr, da gibt es keine Lücken mehr.
Deshalb brauchen wir jetzt klare Regeln, welche Teile des Spektrums für welche Dienste reserviert sind. Da stehen wir im direkten Wettbewerb mit Unternehmen, die für jede Scheibe vom Spektrum ein Riesengeld anbieten können, vor allem Mobilfunkunternehmen. Die Staaten sind gerne bereit, sich ihre Defizite durch den Verkauf von „Tafelsilber“ – gleich Spektrum – finanzieren zu lassen; das haben wir bei UMTS auch schon mal erlebt. Und wir haben auch gesehen, wie viele große Firmen sich damals übernommen haben.

Sie sagten, dieser Prozess ist im Gange. Ist eine Regelung abzusehen?

Prof. Dr. sc. techn. Jörg Sennheiser
Wir haben einen großen Fortschritt erreicht, indem wir dieses Thema zumindest auf die Agenda der nächsten Weltradiokonferenz im Jahr 2011 setzen konnten. Wir hoffen, dass bis dahin das Bewusstsein für die Notwendigkeit von geschützten Teilen des Spektrums weiter verbreitet ist. Wir arbeiten weiter dran, sodass wir eine gute Chance sehen, Spektrum für analoge und digitale Funkmikrofone zu retten.

Noch mal hinterfragt: Was ist das Innovative an Ihrem Projekt, das jetzt mit der Nominierung zum Deutschen Zukunftspreis gewürdigt wird? Und was hat eigentlich der „normale Mensch“ davon?

Dipl.-Ing. Gerrit Buhe
Das Innovative an unserer Lösung ist, dass wir trotz der sehr, sehr guten Qualität, die wir heute in solchen Übertragungsstrecken haben, noch mal besser werden konnten, was viele nicht für möglich gehalten haben. Das ist auch der Mehrwert für den Kunden: Inzwischen hat fast jeder eine relativ große Audioanlage zu Hause, und mit Super-Audio-CDs, DVDs und jetzt mit Blu-ray sind neue Speichermedien herausgekommen, die noch mehr Daten in höherer Qualität speichern können. Gleichzeit wächst die Anforderung, die Audioqualität immer besser, besser, besser zu machen, damit sich dieser Klang im eigenen Wohnzimmer wie live von der Konzertbühne anhört. Das ist das Ziel, und dem sind wir einen sehr großen Schritt näher gekommen …

Prof. Dr. sc. techn. Jörg Sennheiser
Wir sehen das auch als einen Beitrag zum Kulturangebot: Die Theateraufführungen, die Musicals, die Sportveranstaltungen, die allen zur Verfügung stehen – auch über Rundfunk und Fernsehen –, das ist letztlich eine Grundversorgung. Oder nehmen wir die Politiker, die ihre Reden an das Volk rüberbringen müssen: Auch das soll die richtige Qualität haben, man will sich nicht von Äußerlichkeiten stören lassen.

Die Platzierung des Projektes am Markt und die Schaffung von Arbeitsplätzen sind Kriterien für die Nominierung zum Deutschen Zukunftspreis. Sie haben, wenn alles gut geht, den Markteintritt für das kommende Jahr prognostiziert. Wie sieht dieser Markt generell aus? Wie viele Arbeitsplätze können aus Ihrem Projekt entstehen? Gibt es Wettbewerb?

Prof. Dr. sc. techn. Jörg Sennheiser
Man kann ganz klar sagen, dass der Trend zur Drahtlostechnik absolut ungebrochen ist. Jede Band, angefangen von den namenlosen Garagenbands bis zu den Stars auf den Bühnen der Welt, arbeitet heute drahtlos. Bei der Show von Céline Dion in Las Vegas wurde mit circa 60 Drahtloskanälen gearbeitet. Das ist nichts im Vergleich zu dem Frequenzmanagement, das wir bei den Olympischen Spielen leisten, da hat man dann 600, 700 Kanäle, die man koordinieren muss, örtlich und frequenzseitig. Diesen Service bieten wird. Drahtlos wird immer mehr gewünscht, aber das genau ist die Herausforderung bei den vielen Diensten, die dann gleichzeitig in der Luft sind, beispielsweise die örtlichen Fernsehsender, der Mobilfunk, Intercom-Systeme, drahtlose Kameras, DVB-H …
Für die Einführung von Techniken gibt es die sogenannte S-Kurve. Die Verbreitung fängt langsam an, dann gibt es eine rasante Steigerung und irgendwann eine Sättigung. Ich glaube, die drahtlose Technik steht am Anfang der ersten Steigung. Wir werden noch viele Jahre mehr drahtlose Dienste fordern und auch realisieren. An dieser Entwicklung hängen viele Arbeitsplätze, denn diese Art von komplexer und auch komplizierter Technik lässt sich in Deutschland gut fertigen – während andere Produkte, die ganz normales Elektronikniveau haben, sukzessive in Länder wie Korea und China abwandern. Man kann voraussehen, dass in Zukunft immer mehr von diesem Normal-Markt von dort aus bedient wird. Hochkomplexe Anlagen, die auch als Gesamtanlagen getestet werden müssen, sind länger vor Abwanderung geschützt.

Wie sieht es mit dem Wettbewerb aus?

Prof. Dr. sc. techn. Jörg Sennheiser
Wir sind nicht allein auf der Welt, wir schätzen unsere Mitbewerber, es ist ein edler Wettstreit. Wir sind mit einem amerikanischen Unternehmen ungefähr gleich stark in der Musikbranche, im ganz professionellen Bereich sind wir Marktführer. Was in den nächsten fünf Jahren sein wird, das müssen wir dann rückblickend betrachten. Aber unser Ziel ist es, durch solche Innovationen einfach immer die Nase vorn zu haben. Wir wissen, wir werden gejagt. Wir wissen auch, dass wir nach vorne gehen müssen, wir müssen neue Ideen haben und dadurch zeigen, dass wir weiterhin der Leader sind.

Sennheiser ist ein familiengeführtes Unternehmen, ist auch weltweit vertreten. Können Unternehmen mit dieser Struktur im globalen Wettbewerb mithalten?

Prof. Dr. sc. techn. Jörg Sennheiser
Ja, ganz klar. Gerade in diesen Spitzentechnologien sind die Anforderungen in jedem Teil der Welt gleich. Sie können heute in China einen Fernsehkanal einschalten und werden unsere Funkmikrofone sehen. Die Chinesen haben das gekauft, was Spitze ist. Ich glaube, dass wir mit unserer Nähe zum Kunden und unserem Verständnis von Kundenbedürfnissen die bessere Lösung vom Ansatz her kreieren können. Und wenn wir sie dann auch noch realisieren können, dann sind wir auch die Besten auf dem Markt.
Der Aufwand, den wir da hineinstecken, ist schon größer. Wir reden viel mit unseren Kunden, binden sie ein und suchen immer wieder Möglichkeiten, um solche Konzepte auch mit Kunden frühzeitig besprechen zu können, ohne dass all unsere Gedanken dann in die weite Welt hinausgehen. Das ist eine zweischneidige Sache, aber wenn man ein gutes Verhältnis zu den Kunden hat, verstehen sie das und machen auch mit; sie halten sich daran, dass diese Informationen wirklich nur für die Entwicklung der nächsten Generation verwendet werden und im Endeffekt für uns geschützt sein müssen.

Für die weltweite Präsenz müssen Sie auch die Mitarbeiter qualifizieren. Nach landläufiger Meinung ist Sennheiser ein klassisches deutsches Unternehmen, und jetzt schwimmen Sie im großen globalen Teich mit. Da stellt sich die Frage: Wie machen die das eigentlich?

Prof. Dr. sc. techn. Jörg Sennheiser
Wären wir so ein klassisches, deutsches Unternehmen geblieben, würden wir nicht mehr oben schwimmen, das kann man ganz klar sagen.
Wir müssen uns ändern, weil die Zeiten sich ändern, und wir müssen uns mit diesen Zeiten ändern. Da ist es immer sehr schwierig zu sagen, was jetzt unbedingt notwendig und was Luxus ist. Und deshalb macht es ja auch Spaß, mit engagierten Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern zu überlegen: Was sind die Herausforderungen?
Wir haben jetzt zum Beispiel gesagt, dass wir systematischer und längerfristig in die Zukunft schauen müssen. Wir wollen strategische Innovationen generieren, nicht nur auf der Produktseite, sondern in Dingen wie: Welche Geschäftsmodelle sind angesagt? Wie reden wir mit unseren Kunden? Welches sind die Farbtrends? usw. Wir wollen uns nicht nur auf die technischen Produkte fixieren; das können wir gut. Wir müssen auch den Gesamttrend analysieren, um zu sehen, wo unsere Nischen größer werden, wo Chancen sind, die wir vielleicht noch gar nicht erfasst haben.
Zum Beispiel wurden wir überrascht vom Bedarf an Hör-/Sprechgarnituren, davon, dass es einen professionellen Gamer-Markt gibt – den kannten wir nicht. Aber die Gamer haben unsere Hör-/Sprechgarnituren genommen. Sie sagten, dass die bequem sitzen, gut klingen und die Mikrofone gut sind. Inzwischen machen wir spezielle Garnituren für Gamer, und die dürfen auch was kosten. Diese Chancen zu sehen und zu ergreifen und richtig darauf zu reagieren, das müssen und wollen wir noch systematischer. Es gibt in vielen Gebieten noch Potentiale, die wir trotz unserer Vielfalt an Produkten noch nicht optimal erfüllen. Deshalb werden wir den Kontakt zum Kunden intensivieren, um zu sehen, wo wir ihn noch glücklicher machen können.

Das Projekt ist durch die Nominierung als innovatives Projekt gewürdigt worden. Was bedeutet Innovation für Sie?

Prof. Dr. sc. techn. Jörg Sennheiser
Innovation bedeutet für mich, immer neugierig auf Neues zu sein. Im Endeffekt nicht mit dem Erreichten zufrieden zu sein. Aber nicht einfach nur unzufrieden zu sein, sondern sich Gedanken zu machen, was als Nächstes kommen könnte. Und die Möglichkeit zu haben, weitgehend frei – mit dem Hintergrund eines soliden technischen und auch Markt-Wissens – spinnen zu können; dann kommt man auf ganz erstaunliche Lösungen.

Dipl.-Ing. Gerrit Buhe
Für mich ist das Suchen nach Innovationen, nach neuen intelligenten Lösungen, eine Haupttriebfeder, jeden Morgen zur Arbeit zu kommen. Wir haben alle Möglichkeiten hier, sind hervorragend ausgestattet und können unsere Ideen – und auch einfach mal Spinnereien – ausprobieren. Wir simulieren, wir fragen uns manchmal, warum genau dies und jenes kein Mensch bisher gemacht hat. Im nächsten Schritt wird es aufgebaut, und siehe da: Tatsächlich funktioniert es. Natürlich klappt das nicht immer auf Anhieb – wie bei Edison: Der hat ziemlich lange gebraucht, bis die Glühlampe endlich leuchtete ...
Es ist wirklich sehr schön, dieses Erfolgserlebnis, wenn man etwas völlig Neues gemacht hat, worauf bisher noch keiner gekommen ist. Und wenn diese neue Lösung für unsere Kunden einen Zusatznutzen bringt und zum Produkt weiterentwickelt werden kann, erzeugt das eine Genugtuung und Befriedigung darüber, dass man wieder einen Schritt weitergekommen ist. Sennheiser ist ein gestalterisches Unternehmen; man kann wirklich noch als Einzelner etwas bewegen, und ich glaube, es kommt nicht viel weniger raus als in einigen größeren Forschungsabteilungen.

Was ist denn Erfolg für Sie?

Prof. Dr. sc. techn. Jörg Sennheiser
Die Belohnung – ganz einfach. Erfolg macht Spaß! Und er hilft, die notwendige Hartnäckigkeit aufzubringen, um über die unvermeidlichen Durststrecken hinwegzukommen. Wie Herr Buhe sagte: Spaß an der neuen Lösung.
Man hat auch Misserfolge. Die „Flop-Rate“ muss man genau beachten. Wenn man zu viel investiert, ohne zu einem Erfolg zu kommen, bekommt man allmählich ein schlechtes Gewissen. Gerade auch in meiner Position, wo durch ein Ja zu einem Projekt große Verpflichtungen eingegangen werden, die auch mit Risiken behaftet sind. Dieses Gefühl, ein Risiko richtig eingeschätzt zu haben, ist für mich ein großer Erfolg.

Sie haben gerade von „spinnen“ gesprochen. Was ist denn Kreativität für Sie?

Dipl.-Ing. Gerrit Buhe
Für mich ist Kreativität, die Ideen, die durch „Spinnerei“ entstanden sind, in etwas Fassbares, Nützliches umzusetzen. Dazu beizutragen, dass Ideen und Gedanken zu etwas werden, was man sehen und anfassen kann, ist für mich das Kreativste überhaupt.

Prof. Dr. sc. techn. Jörg Sennheiser
Kreativität ist für mich einfach die Lust am Gestalten. Gestalten kann man in den verschiedensten Formen, auf der Produktebene, aber auch mit Arbeitszeitmodellen oder mit dem Team-Approach, so, wie wir miteinander umgehen. Das sind alles Dinge, die für mich Gestaltung und eben kreativ sind.

Ist so eine Kreativität auch ein Ergebnis von Bildung und Ausbildung?

Prof. Dr. sc. techn. Jörg Sennheiser
Nein, das ist eher umgekehrt. Oder vielleicht das Ergebnis einer bestimmten Art von Ausbildung. Ich bin extrem dafür, dass Kinder so breit wie möglich ausgebildet werden, dass sie nicht gleich in irgendeine Richtung geschoben werden. Sie sollten am Anfang möglichst viele Sprachen lernen, weil Kinder das wie Schwämme aufsaugen. Ich bin auch der Meinung, dass neben dem rein rationalen Wissen das Künstlerische gefördert werden muss.
Wir haben unsere Kinder genau aus diesem Grund auf die Waldorf-Schule geschickt, in einer Zeit, als das noch nicht so populär war. Meine Frau hat sich sehr dafür eingesetzt. Genauso brauchen wir in der weiteren Ausbildung bis hin zum Studium mehr Generalisten, damit der Blick einfach weiter wird. Man muss nicht Spezialist für alles sein – schon die Bereitschaft zu akzeptieren, dass andere Spezialisten zu meinem Gebiet etwas beitragen können, zeichnet den Generalistenblick aus.

Kreativität – gute Ideen haben: Was ist eine gute Idee?

Prof. Dr. sc. techn. Jörg Sennheiser
Eine gute Idee ist eine, die zum Umsetzen reizt, die mich anspricht: Entweder ich mache das selber oder ich finde jemanden, der das tut. Das ist eine gute Idee, weil nämlich dann mit dem Ideenpotenzial und den Ressourcen, die man dort hineingibt, ein Auftrag zur Kreation von Mehrwert kommt und Leistung gefordert wird. Man kann nachher messen, was gemacht worden ist. Statistiken haben gezeigt, dass es sich immer mehr Menschen im sozialen Netz in Deutschland bequem machen möchten, aber immer weniger dazu bereit sind, dazu beizutragen. Das finde ich entsetzlich.
Der Bundespräsident hat darauf hingewiesen: Da müssen wir etwas tun, und zwar von den Familien über die Schulen und das Studium bis hin zu den Unternehmen. Das war übrigens auch der Grund, warum wir relativ früh ein Freizeit-Bildungsprogramm aufgelegt haben. Wir wollten zeigen, dass es uns mit dem lebenslangen Lernen ernst ist. Nicht, dass jeder die fünfte Sprache lernen soll, aber es gibt so viel anderes, von dem man auch ein wenig kennen sollte, um Verständnis für die anderen Disziplinen zu gewinnen. „Darüber muss ich nichts wissen“ – das kann es doch nicht sein!

Wie wichtig ist Disziplin?

Dipl.-Ing. Gerrit Buhe
Bestimmte Dinge wird man ohne Disziplin nie erreichen können, aber man darf es auch nicht zu genau nehmen. Für den Erfolg und die Kreativität muss man auch links und rechts des Weges etwas ausprobieren, das richtige Maß an Flexibilität aufbringen. Das gehört dazu, sonst würde man keine neuen Wege finden. 100 Prozent Disziplin erinnert mich an die Armee, da muss das so sein, sonst funktioniert das Ganze nicht.

Prof. Dr. sc. techn. Jörg Sennheiser
Ich halte Disziplin für eine Selbsthilfe zum Durchhalten. Denn Schönwetter-Segeln kann jeder. Aber dann zur richtigen Zeit vom Wind abzufallen oder die Segel zu reffen, das ist die Kunst. Darauf muss man sich auch gedanklich vorbereiten.
Wenn ich wirklich etwas erreichen will, brauche ich Disziplin. Ich finde beeindruckend, wie Dichter ihren Arbeitstag strukturiert haben, dass sie so und so viele Stunden am Schreibtisch sitzen. Eine Disziplin, um überhaupt etwas zu erreichen – das ist gut. Ideen kann man nicht im Akkord erfinden und nicht auf Knopfdruck. Aber die Wahrscheinlichkeit, dass neue Ideen kommen, wenn man in dieser Umgebung ist, ist eben größer. Deshalb muss man sich auch mit Disziplin dieser Umgebung aussetzen, also sich zum Beispiel auch zwingen, zu Kunden zu gehen, obwohl man das letzte Mal ausgeschimpft worden ist, weil die Produkte nicht so gut waren.

Was wollten Sie denn eigentlich als Kind oder Jugendlicher werden? War Ihnen der Beruf durch die Familie vorgezeichnet?

Prof. Dr. sc. techn. Jörg Sennheiser
Nein, nach dem Lokomotivführer ist mir noch in Erinnerung geblieben, dass ich mal Wirtschaftskapitän werden wollte. Also mit diesem altmodischen Wort derjenige, der den Kurs auf hoher See angibt, nicht unbedingt der, der rudert oder steuert. Und ich muss sagen, ich habe alles erreicht, was ich wollte.

Dipl.-Ing. Gerrit Buhe
Ich wollte sehr gern zur See fahren, weil es mich in die Welt hinaus trieb. Ich habe auch sehr schnell herausgefunden, dass mich drahtlose Kommunikation besonders faszinierte. Seit meinem elften Lebensjahr stand für mich fest, dass ich irgendetwas mit Funk machen werde. Eigentlich habe ich mein Hobby nach und nach zum Beruf gemacht.

Gab es denn Vorbilder oder Ereignisse, die Sie auf Ihrem Weg beeinflusst haben – in der Familiengeschichte?

Prof. Dr. sc. techn. Jörg Sennheiser
Die ist nicht so monokausal, wie sie erscheint. Denn ich habe neben dem Interesse am Ingenieursleben und diesem Faible fürs Managen ein großes Interesse an Menschen ganz allgemein. Psychologie interessiert mich sehr, ebenso die Grenzgebiete zwischen Technik und Philosophie. Ich glaube, man kommt automatisch dahin, wenn man darüber nachdenkt. Man sieht das bei den großen Wissenschaftlern, die irgendwann an diese Grenze kommen, zum Beispiel bei von Weizsäcker. Oder umgekehrt, die Philosophen, die dann in der Technik landen. Das hat mich immer fasziniert und da bin ich immer noch dran: immer ein wenig mehr vom Ganzen verstehen zu wollen.

Man muss hier auf das Thema Vater/Sohn kommen. Wie ist das, wenn man so einen kreativen und schaffensintensiven Menschen als Vater hat und ihm dann auch in der Firma nachfolgt?

Prof. Dr. sc. techn. Jörg Sennheiser
Das ist sehr schön. Nur muss man bestimmte Randbedingungen beachten. Mir war ganz klar: Wenn ich es wage, dort weiterzumachen – und das war nicht immer klar –, dann muss ich etwas bringen, was mindestens vergleichbar ist, also wie analog und digital in der Qualität.
Und deshalb habe ich auch länger Abstand gehalten, nachdem ich hier sehr angenehm aufgewachsen und auch innerhalb der Firma gewesen bin. Ich bin zum Studium nach Zürich gegangen. Ich habe es damals „aus dem goldenen Käfig kommen“ genannt. Diese Zeit habe ich am meisten genossen, weil ich frei war, keine Verpflichtungen hatte; ich konnte mich einfach dem Studium widmen. Und das habe ich auch gemacht.
Nachdem ich promoviert hatte, war das mit der Nachfolge noch immer nicht klar. Ich bin zu Siemens gegangen und habe mir die ersten Industrie-Sporen direkt in der Fertigung verdient, um auch das zu lernen. Bald merkte ich, dass ich mir das, was mein Chef tat, auch zutraute. Und zu dem, was dessen Chef tat, war es nicht mehr weit. Ich wollte die Leiter hinauf. Doch in einem großen Betrieb muss man drei Jahre vor Ort sein, fünf Jahre im Ausland, das und das gemacht haben ... – bis man im Vorstand ist, hat man graue Haare. Da habe ich mich entschlossen, die Chance wahrzunehmen, im väterlichen Unternehmen anzufangen. Aber ich wollte auch nicht einfach als Sohn des Inhabers hinkommen, sondern mit einer Aufgabe. Ich war dann – wir hatten besprochen, dass mein Vater den technischen Teil abgeben wollte – der erste technische Leiter. Ich habe nach der Stellenbeschreibung gefragt: „Stellenbeschreibung für die technische Leitung? – Haben wir nicht.“ Also habe ich meine Stellenbeschreibung selber geschrieben und mich mit meinen Vater auf einen Termin für die Übergabe der Gesamtverantwortung geeinigt. Daran hat er sich gehalten. Dadurch haben wir Konflikte vermieden. Eineinhalb Jahre dauerte die Übergangszeit – dann hat er gemerkt, dass die Fehler, die der Junge macht, nicht so gravierend waren, man konnte ihn seinen Weg gehen lassen. Man muss in einer solchen Situation schon sehr konsequent mit dem Vater umgehen, und ich stehe jetzt vor der gleichen Situation: Wir haben drei Kinder, und die beiden Söhne möchten aktiv in die Firma. Der Älteste hat im März im Unternehmen angefangen.

Gab es im Rückblick einen Moment, von dem Sie heute sagen, dass Sie etwas anders hätten machen sollen?

Prof. Dr. sc. techn. Jörg Sennheiser
Damit halte ich mich nicht auf. Das, was mich am meisten beeinträchtigt hat, sind die persönlichen Enttäuschungen, also Leute, die mich hintergehen oder betrügen. Da kann man hinterher sagen: Hätte ich früher das und das implementiert – das nützt nichts. Man muss seine Lehren daraus ziehen, damit sich so etwas nicht wiederholt. Und sich auch Zeit nehmen, darüber nachzudenken, denn jedes System – gerade, wenn es so komplex ist – kann auch für fremde Zwecke missbraucht werden.
Das ist nicht primär ein Fehler von Leuten, sondern das liegt einfach im System. Und deshalb sollte man allen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern dieses Denken klarmachen. Konkret: dass man ihnen vertraut, weil man ihnen auch vertrauen muss. Ich kann nicht alles kontrollieren, und ich will auch nicht alles kontrollieren. Und das funktioniert ganz gut.

Wie war das in Ihrem Leben – wer hat Sie beeinflusst oder begleitet?

Dipl.-Ing. Gerrit Buhe
Das waren gar keine „großen“ Persönlichkeiten. Es gab den einen oder anderen, zu dem ich hingeschielt und mir gesagt habe, dass ich das, was der kann, auch können und machen möchte. Das waren Personen im direkten Umfeld, die sich sehr viel mit Technik beschäftigt haben, die mich dazu bewogen haben, diesen Weg zu gehen: Aus dem Ortsverein verschiedene Funkamateure, die mit Bleistift und einem weißen Blatt Papier etwas erschaffen konnten, einfach bloß mit dem Kopf. Das fand ich wirklich beeindruckend; das war damals sehr komplex für mich, aber ich wollte da irgendwann auch hinkommen. Das habe ich dann Stück für Stück geschafft und bin schließlich darüber hinausgewachsen. Diese Erfolgserlebnisse haben mich geprägt und mir immer wieder die Motivation gegeben weiterzumachen.

Womit motivieren Sie sich selber, und was macht Sie so richtig sauer?

Prof. Dr. sc. techn. Jörg Sennheiser
Das ist einfach: Inkompetenz oder großspuriges Gehabe, mehr Schein als Sein. Das sind Sachen, die mich richtig sauer machen, und da kann ich sehr direkt bis zynisch werden. Aber das ist meine Reaktion, und dann ist es auch vorbei.

Mich motiviert immer noch das Gestalten. Und zwar nicht das, was ich vor zehn oder 20 Jahren gemacht habe, sondern immer wieder etwas Neues. Ich habe das Gefühl, ich mache jedes Jahr etwas anderes als im vergangenen Jahr. Dabei ist Erfahrung aus der Vergangenheit – irgendwo im Hinterkopf – notwendig, aber ich muss immer auch etwas dazulernen. Ich nehme das lebenslange Lernen sehr ernst, indem ich bestimmte Anlaufstellen habe, wo ich mich persönlich weiterbilde. Das kann auf technischem Gebiet sein – da haben wir heute bessere Spezialisten bei uns im Haus, aber manchmal kann man mit dem Basiswissen aus der Akustik, die sich aus der Physik nährt und sich nicht groß ändert, neue Sachen besser verstehen, als wenn man nur mit den Spezialisten redet. Das andere ist, mich in der Betriebswirtschaft oder im Management an den neuen Methoden zu orientieren. Zum Beispiel arbeitet man heute mehr mit Systemen und Methoden, die man sich aus der Natur abgeschaut hat, und das nicht nur in der Konstruktion. Organisation oder Selbstorganisation zu ermöglichen innerhalb einer Firma, das sind Dinge, bei denen wir in den nächsten Jahren noch rasante Entwicklungen erleben werden.

Herr Buhe, Ihre Motivation ist schon sehr deutlich geworden. Was macht Sie denn so richtig ärgerlich?

Dipl.-Ing. Gerrit Buhe
Worüber ich mich sehr ärgere, ist, wenn jemand mit einem Problem nicht weiterkommt, sich aber nicht traut zu fragen, um sich keine Blöße zu geben. Wir haben hier wirklich viele gute Leute, die ihre Stärken und Schwächen auf sehr unterschiedlichen Gebieten haben. Unsere große Chance ist die Bündelung unserer Stärken, um besondere Leistungen zu erbringen. Wer sich nicht traut zu fragen, gefährdet womöglich das Projekt und – noch viel schlimmer – entwickelt sich persönlich nicht weiter. Wissen vermehrt sich, wenn man es teilt. Wir wollen technologisch ganz vorne bleiben; um das als mittelständisches Unternehmen zu erreichen, muss der Wirkungsgrad unseres Handelns durch gute Zusammenarbeit im Team sehr hoch sein.

Stichwort Zusammenarbeit – kleiner Exkurs: Wie sieht es in diesem technisch orientierten Unternehmen mit der Verteilung männlich/weiblich aus?

Prof. Dr. sc. techn. Jörg Sennheiser
Es gibt immer mehr Frauen in der Technik, aber immer noch zu wenig. Das Angebot in unserem Spezialgebiet ist zu klein. Der Anteil der Ingenieurinnen liegt immer noch unter zehn Prozent.

Dipl.-Ing. Gerrit Buhe
Das Angebot ist wirklich sehr gering, es passiert selten, dass sich eine Ingenieurin bewirbt. Das ist eigentlich schade.

Prof. Dr. sc. techn. Jörg Sennheiser
Wir wissen, dass wir dazu beitragen müssen, es ihnen schmackhaft zu machen, und denken über Betreuung für Kleinkinder und Kindergarten nach. Das müsste dann wirklich bei den Babys anfangen, sodass die jungen Mütter relativ früh zumindest in Teilzeit wieder zurückkommen können.

Dipl.-Ing. Gerrit Buhe
Wir erleben zum Beispiel beim alljährlichen Girls’ Day, wie begeisterungsfähig die Mädchen für Technik sind. Ich hoffe immer, dass sich nach dem Besuch einige für eine technische Ausbildung entscheiden.

Prof. Dr. sc. techn. Jörg Sennheiser
Auch bei den Durchschnittsnoten der Abiturienten in Mathematik sind die Frauen inzwischen besser als die Männer. Die Zeiten, als eine Studentin in Elektrotechnik auf 500 Studenten kam, sind auch vorbei. Aber es sind immer noch zu wenige ...

Was treibt Sie noch an? Neugier ... Sind Sie ein bisschen rastlos?

Prof. Dr. sc. techn. Jörg Sennheiser
Das glaube ich nicht – oder nicht mehr. Ich war früher viel ungeduldiger, aber ich habe inzwischen gelernt, dass man auch warten können muss, bis die Zeit reif ist für eine Lösung. Vielleicht ist das eine Alterserscheinung. Und man kann sich auch darauf verlassen, dass wer auch immer – die Vorsehung, das Schicksal – darauf achtet, dass man ausreichend belohnt wird. Ich bin voll überzeugt, dass da noch „etwas“ mitsteuert. Deshalb ist es wichtig, ab und zu mal die Verbissenheit auf die Seite zu legen. Ich bin sehr für Hartnäckigkeit in der Sache, aber es muss nicht alles genau zu dem Zeitpunkt oder wie geplant passieren. Ich habe es einfach, ich kann mir meinen eigenen Zeitplan machen. Wenn ich einen Chef habe, der mir vorgibt, was ich tun muss, ist das natürlich etwas anderes.

Gibt es so etwas wie ein Motto für Ihr Tun?

Prof. Dr. sc. techn. Jörg Sennheiser
Was mich immer fasziniert hat, ist das alte Schlagwort der Aufklärung. „Habe den Mut, etwas zu wagen!“ (Sapere aude!)

Dipl.-Ing. Gerrit Buhe
Was für mich wirklich wichtig ist, ist Teamarbeit. Ich finde es enorm spannend, wenn Leute aus den unterschiedlichsten Disziplinen sich zusammensetzen, um eine technologisch komplexe Aufgabe gemeinsam zu lösen. Das verschiebt den eigenen Horizont, das sorgt für Weiterentwicklung. Mein Motto könnte also heißen „Im Team zum Erfolg“ und „Vielfalt bringt Erfolg“.

Und wobei können Sie Zeit und Raum vergessen? Womit entspannen Sie sich?

Prof. Dr. sc. techn. Jörg Sennheiser
Beim Skifahren.

Dipl.-Ing. Gerrit Buhe
Ich komme ja zunehmend weniger zum Löten hier, daher lebe ich den Entzug ein wenig zu Hause aus. Dort habe ich ein sehr gut ausgestattetes Labor und sitze mit meinem siebenjährigen Sohn und bastle Radios, Peilempfänger und -sender bis hin zu kleinen Robotern mit Motoren und Sensoren. Dann laufen wir durch den Wald, um bei der sogenannten „Fuchsjagd“ mit dem Peilempfänger versteckte kleine Sender zu suchen. Freunde meines Sohnes werden gleich mit eingebunden. Kinder sind sehr begeisterungsfähig für Technik, und es macht mir viel Spaß, das zu fördern.

Welchen Traum möchten Sie sich noch erfüllen?

Prof. Dr. sc. techn. Jörg Sennheiser
Ganz konkret: dass es mir gelingt, die dritte Generation reibungsfrei ins Unternehmen zu bringen. Das ist mein Traum. Sonst kann ich sagen: Wunschlos glücklich.

Dipl.-Ing. Gerrit Buhe
Das zu artikulieren fällt mir schwer. Bei mir sind das immer die nächsten persönlichen Ziele, die ich mir stecke, da schaue ich besonders hin und träume nicht groß darüber hinaus. Insofern habe ich nicht den großen Traum, sondern bin ganz zufrieden, dass ich schon viele meiner Ziele erreicht habe.

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Lebenslauf

Prof. Dr. sc. techn. Jörg Sennheiser

19. 9.1944
geboren in Bevensen (Uelzen)
1964
Abitur
1964 – 1970
Studium der Elektrotechnik an der Technischen Hochschule Hannover und an der Eidgenössischen Technischen Hochschule Zürich (ETHZ), Zürich, Schweiz
1970 – 1973
Wissenschaftlicher Mitarbeiter und Assistent am Institut für Fernmeldetechnik der ETHZ, Zürich, Schweiz
1973
Promotion an der ETHZ zum Dr. sc. techn.
Thema: „Schallabstrahlung dünner Bleche unterhalb der Grenzfrequenz“
1974 – 1975
Projekt-Ingenieur bei Siemens-Albis AG, Zürich, Schweiz
1976 – 1982
Technischer Leiter bei Sennheiser electronic KG, Wedemark
seit 1981
Lehrbeauftragter für die Vorlesung „Elektroakustik I+II“ an der Technischen Universität Hannover
seit Mai 1982
Komplementär und Geschäftsführer bei Sennheiser electronic KG, Wedemark
1991
Ernennung zum Honorarprofessor an der Technischen Universität Hannover
seit April 1996
Vorsitzender des Aufsichtsrates der Sennheiser electronic GmbH & Co. KG, Wedemark

Ehrungen:

1996
Emmy Award für bahnbrechende Entwicklungen in der HF-Drahtlostechnik
1998
Innovationspreis der deutschen Wirtschaft für das optische Mikrofon
1999
Innovationspreis der deutschen Wirtschaft für den AudioBeam
2007
Praetorius Musikpreis Niedersachsen

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Dipl.-Ing. Gerrit Buhe

16.10.1971
geboren in Rostock
1991 – 1995
Studium der Elektrotechnik, Fachrichtung Nachrichtentechnik, FH Stralsund
1993 – 1996
Entwicklungsingenieur von Sensoren, Ingenieurbüro Rostock
1996 – 2001
Entwicklungsingenieur von Mobilfunk-Basisstationen, Siemens AG, München
2001 – 2002
Entwicklungsingenieur in einer Forschungseinrichtung der Siemens AG mit der Universität Paderborn
2002 – 2005
Entwicklungsingenieur für professionelle Hochfrequenzsysteme
Leiter des Technologieprojekts Mikroport 7000, Sennheiser electronic GmbH & Co. KG, Wedemark
seit 2006
Leiter Entwicklung Professionelle HF-Systeme, Sennheiser electronic GmbH & Co. KG, Wedemark

Ehrungen:

1995
Ehrenpreis für hervorragende Studienergebnisse 1995 als bester Absolvent des Studienganges Elektrotechnik

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Kontakt

Projektsprecher

Prof. Dr. sc. techn. Jörg Sennheiser
Aufsichtsratsvorsitzender
Sennheiser electronic GmbH Co. KG
Am Labor 1
30900 Wedemark
Tel.: +49 (0) 5130 / 60 02 12
E-Mail: joerg.sennheiser@sennheiser.com
Web: www.sennheiser.com

Pressekontakt

Edelgard Marquardt
Teamleader Public Relations
Sennheiser electronic GmbH Co. KG
Am Labor 1
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E-Mail: marquare@sennheiser.com
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