Fokussiertes Laserlicht lässt Zellen fliegen - Berührungsfreie Gewinnung biologischer Proben für Forschung und Diagnostik

(v.l.n.r.) Dr. rer. nat. Carsten Hoyer, Dr. rer. nat. Karin Schütze, Dr. rer. nat. Yilmaz Niyaz

Dr. rer. nat. Karin Schütze (Sprecherin)
Dr. rer. nat. Carsten Hoyer
Dr. rer. nat. Yilmaz Niyaz

P.A.L.M. Microlaser Technologies, Bernried

Auf der Suche nach neuen Heilungsverfahren für Krankheiten hantieren die Forscher häufig mit einzelnen Zellen. Wie sehen Werkzeuge aus, um zugleich effizient und schonend mit den empfindlichen Bausteinen des Lebens umzugehen?

Ein ideal für diesen Zweck geeignetes Instrument entwickelten Karin Schütze, Carsten Hoyer und Yilmaz Niyaz von der P.A.L.M. Microlaser Technologies GmbH in Bernried. Karin Schütze leitet das Innovationsmanagement des Unternehmens, Carsten Hoyer die Abteilung Development & Science. Yilmaz Niyaz ist Applikationsspezialist

Eine hohe Reinheit ist entscheidend

Beim Forschen an Genen und Proteinen kommt es darauf an, möglichst reine Proben zu haben. Nur mit ihnen lassen sich eindeutige Analysen erstellen und einzelne Moleküle bestimmten Funktionen in einer Zelle zuordnen - etwa um die Mechanismen bei der Entstehung von Krankheiten zu erkennen. Das von Karin Schütze und ihrem Mann Raimund entwickelte Laser-Pressure-Catapulting-Verfahren erlaubt zum ersten Mal, reine Zellproben bereitzustellen und zu handhaben. Diese Technologie wird im „MicroBeam-System“ der Firma P.A.L.M. Microlaser Technologies realisiert, die die beiden gegründet haben.

Der Clou der neuartigen Präparationstechnik: Sie arbeitet ausschließlich mit Laserlicht - ohne Kontakt mit mechanischen Werkzeugen. Dazu wird ein scharf gebündelter Laserstrahl unter einem Mikroskop auf eine Gewebeprobe gerichtet. Aus ihr schneidet der Laser einzelne Zellen oder Zellbereiche aus, die er in ein Probengefäß hinein transportiert. Eine Verunreinigung der Zellprobe wird durch das berührungslose Schneiden und Befördern vermieden. Das Heraustrennen der Zelle geschieht wie mit einem Katapult: Der Laser wird ein kleines Stück unterhalb der Probe fokussiert, wo er eine Druckwelle auslöst, die die Zellprobe zielgenau in ein Auffanggefäß schleudert.

Die Analyse von Tumoren wird erleichtert

Einsetzen lässt sich das Verfahren etwa zur Untersuchung von Krebszellen. Dabei werden mit dem Mikrolaserwerkzeug einzelne Zellen aus Gewebebiopsien isoliert und in ein Reaktionsgefäß katapultiert. Anschließend werden sie molekularbiologisch untersucht, um herauszufinden, ob die Zellen krebsartig sind. Die Resultate erlauben Aussagen darüber, um welche Art von Tumor es sich handelt und wie aggressiv er ist. Während Proben für eine Krebsdiagnose bisher meist aus einer Mischung von Tumorzellen, Entzündungszellen und gesunden Zellen bestanden, kann man mit dem Laserwerkzeug reine Tumorzellen gewinnen. Das erleichtert die Analyse.

Bislang sind weltweit rund 600 Laser-Mikrostrahl-Systeme im Einsatz - etwa in der Forensik: Speichel-, Haar- und Spermienproben oder Hautzellen werden nach der Spurensicherung per Laserstrahl in Behälter des kriminaltechnischen Labors geschleudert, um einen genetischen Fingerabdruck des Täters zu erstellen.

Das Vorschlagsrecht zum Deutschen Zukunftspreis obliegt den führenden deutschen Einrichtungen aus Wissenschaft und Wirtschaft sowie Stiftungen.

Das Projekt "Fokussiertes Laserlicht lässt Zellen fliegen - Berührungsfreie Gewinnung biologischer Proben für Forschung und Diagnostik" wurde vom Philip-Morris-Forschungspreis vorgeschlagen.

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Fokussiertes Laserlicht lässt Zellen fliegen - Berührungsfreie Gewinnung biologischer Proben für Forschung und Diagnostik
Dr. rer. nat. Karin Schütze
Dr. rer. nat. Carsten Hoyer
Dr. rer. nat. Yilmaz Niyaz

Hintergrundmaterial

Fragen an die Nominierten
Dr. rer. nat. Karin Schütze
Dr. rer. nat. Carsten Hoyer
Dr. rer. nat. Yilmaz Niyaz

Ihr Projekt ist ja für den Laien pauschal etwas, was man als „Medizintechnik“ beschreiben würde. Es hat mit Medizin zu tun, mit Biologie, mit Techniken für diese Bereiche. Könnten Sie uns kurz beschreiben, in welchem Arbeitsfeld wir uns bewegen? Wir reden ja eigentlich über ein „Werkzeug“.

Dr. rer. nat. Karin SchützeIm Grunde genommen bewegen wir uns in der Biomedizin, der Verbindung zwischen der Biologie und der Medizin. Was das bedeutet, sieht man sehr schön am Beispiel der Krebsdiagnose. Der Mediziner, insbesondere der Pathologe, untersucht Gewebebiopsien unter dem Mikroskop, um herauszufinden, ob Zellen entartet, also krebsartig, sind. Dafür nimmt er zum Teil Färbemethoden zu Hilfe und diagnostiziert aufgrund seiner Erfahrung. Mit dem „Mikrolaserwerkzeug“, das wir entwickelt haben, ist es jetzt möglich, Einzelzellen aus dieser Gewebeprobe zu isolieren, sie auszuschneiden und ohne jegliche Berührung in ein biochemisches Reaktionsgefäß zu katapultieren, um sie so für molekularbiologische Analysen zur Verfügung zu stellen. Diese erlauben weitergehende Aussagen darüber, um welche Art von Tumor es sich handelt, wie aggressiv er ist. Daraus lässt sich schließen, welche Maßnahmen man einleiten sollte, um eine optimale Therapie zu erreichen.

Eine Bearbeitung von Proben führte bisher zu Verunreinigungen?

Dr. rer. nat. Karin SchützeVerunreinigung, das heißt Vermischung mit anderen Zellen, war ein ganz großes Problem. Die Probe bei einer Krebsdiagnose bestand aus einer Mischung von Tumorzellen, Entzündungszellen und gesunden Zellen. Die nachfolgenden Analysesysteme sind sehr sensitiv, durch die Mischung war eine klare Aussage schwierig. Mit unserem Laserwerkzeug ist es jetzt zum ersten Mal möglich, reine Tumorzellen, aber auch reine Nicht-Tumorzellen zu gewinnen, selbst wenn sie in der Probe dicht nebeneinander liegen. Damit kann man genau die eine und die andere Gruppe beurteilen, dadurch sehr viel mehr erkennen und entsprechend daraus lernen.

Bitte erklären Sie uns nun das Wesen Ihres Projektes, also LPC und LMPC bzw. das Verfahren an sich.

Dr. rer. nat. Karin Schütze
Lassen Sie mich zunächst das Gerät selbst, das wir PALM-System nennen, beschreiben. Der Laser schneidet die Zelle aus, der Laser kann aber auch mit einer bestimmten Energie diese Zelle aus der Objektebene herausheben und wie mit einem Katapult an einen anderen Ort schleudern. Wir transportieren also Zellen mit Hilfe eines Laserstrahls, eines Lichtstrahls. Das ist so ähnlich, als würde man eine Zelle mit dem Finger wegschnippen, es funktioniert allerdings ohne jede Berührung – und das ist wichtig. Fokussiertes Laserlicht ist hier das Werkzeug. Somit besteht auch keine Gefahr der Kontamination, der Verunreinigung.

Die Buchstabenkombination LMPC steht als Abkürzung für Laser (L), Mikrodissektion (ich schneide tatsächlich aus) (M), Pressure (P), Catapulting (C).

Das Mikroskop war eigentlich ursprünglich ein reines Beobachtungs- oder Analysesystem. Wir haben es mit der LMPC-Technologie zu einem Mikropräzisionswerkzeug entwickelt, das nicht nur sichtbar macht, sondern den Forschern Objekte zur Untersuchung bereitstellt.

Worin unterscheidet sich Ihr Verfahren im Detail von der herkömmlichen Vorgehensweise, und was ist das Innovative daran, das mit der Nominierung gewürdigt wird?

Dr. rer. nat. Karin Schütze
Prinzipiell handelt es sich um zwei Säulen: den technischen Bereich und die Applikation. Es galt zuerst, den Laser so in das Mikroskop einzukoppeln, dass er in der optischen Fokusebene präsent ist. Das ist die erste Innovation, dass man tatsächlich den Laserfokus an der Stelle des Beobachtungsfokus hat, auch wenn unterschiedliche Objektivvergrößerungen verwendet werden.

Die zweite Innovation ist, dass die Laserposition stabil bleibt, also immer in der Mitte des Mikroskopbildes platziert ist. Dazu mussten spezielle Strahlführungselemente entwickelt werden. Die stabile Laserpositionierung und präzise Lasersteuerung ist ein Verdienst meines Mannes. Das Objekt wird mit Hilfe des Mikroskoptisches bewegt, und darin lag zunächst ein weiteres Problem: Es gab keinen Mikroskoptisch, der die Präzision geboten hat, die wir brauchten und gleichzeitig eine plane Oberfläche hatte. Da kein Konstrukteur uns den Tisch konstruieren konnte, hat ihn mein Mann schlussendlich einfach gebaut und anhand des Musters die Konstruktionszeichnung fertigen lassen.

Und das Dritte ist die damit verbundene Anwendung. Das Gerät kann technisch perfekt sein, aber allein deshalb wird man es nicht verkaufen. Wir wollten zugleich die verschiedenen Applikationen zeigen. So haben wir angefangen, kleine Löcher in menschliche Eizellen zu schneiden, durch die Spermien eindringen und das Ei befruchten können. Wir haben Spermien gefangen und bewegt. Mit dieser Anwendung konnten wir Paaren helfen, bei denen Befruchtung auf normalem Weg nicht funktionierte.

Eine weitere Anwendung entwickelte sich aus dem Kontakt zu Pathologen, die uns fragten, ob das System auch Zellen aus einem fixierten Gewebeschnitt ausschneiden könne. Der Laser war geradezu prädestiniert, sauber und exakt um jede einzelne Zelle herumzuschneiden. Aber dann standen wir vor dem Problem, sie aus dem Schnitt herauszulösen. Zunächst haben wir eine ganz feine Spritzennadel genommen. Ich war damit aber nicht glücklich, denn die Eleganz des Lasers, die darin lag, berührungslos zu arbeiten, fehlte dabei.

Wir haben festgestellt, dass oft, wenn wir um eine Zelle herumgeschnitten hatten, diese durch den Laserdruck wegflog. Zunächst haben wir uns darüber geärgert. Man macht das noch mal und noch mal, und nach dem zehnten Mal fragt man sich: Wo sind denn die Zellen geblieben? Einfach verschwinden kann ja nicht sein, so wie bei „Beam me up, Scotty“. Mit einem über der Probe befestigten Tesastreifen konnten wir dann die davongeflogene Zelle auffangen. So kamen wir darauf, dass man mit dem Laser nicht nur die Zelle ausschneiden, sondern auch zielgerichtet von A nach B katapultieren kann.

Alles zusammen – die Technologie, die hohe Präzision der Lasereinkopplung, die hohe Präzision der Probenbewegungen und der ganze Anwendungsbereich, den wir erarbeitet haben – würden wir als „Gesamtpaket Innovation“ bezeichnen.

Demnach ist Ihnen der Zufall zu Hilfe gekommen?

Dr. rer. nat. Karin Schütze
Beim Katapultieren auf jeden Fall. Eine Lasereinkopplung in ein Mikroskop gab es schon lange, schon kurz nach der Erfindung des Lasers wurden so genannte Lasermikrostrahlsysteme gebaut. Aber das waren alles Laboraufbauten, die ihre Probleme hatten. Ich war damals am Institut für Physikalische Chemie in Heidelberg. Wir hatten einen dieser riesigen, komplizierten Laboraufbauten. Wenn meine biologischen Präparate fertig waren, war der Laser nicht richtig justiert. Dazu aber brauchte man einen Physiker. Bis der fertig war, waren meine Zellen meist gestorben, so dass ich neu anfangen musste. Ich habe mir immer wieder gesagt: Das kann es nicht sein, ich möchte ein Werkzeug haben, das man nur einschalten muss und intuitiv benutzen kann. Die gesamte Laserphysik sollte automatisch im Hintergrund ablaufen. Und das war letztlich die Motivation für diese Arbeit.

Dr. rer. nat. Yilmaz Niyaz
Ich will noch einmal darauf zurückkommen, was das Besondere an unserer Entwicklung ist. Bis zu der Erfindung der Laser-Mikrodissektion war es für die Analyse sehr schwierig, die Proben, die man gewonnen hatte, auch zu verstehen. Man wusste, welchen Wert man bestimmen wollte, aber man konnte diesen Wert nur ermitteln, indem man die komplette dreidimensionale Probe eingebracht hat. In der Regel hat man Tumorproben analysiert. Man musste sich damit zufriedengeben, dass diese Tumorschnitte sowohl gesundes als auch krankes Material enthielten. Man musste sich mit diesem Durchschnitt auch beim Ergebnis zufriedengeben. Und vor allem hier ist die Bedeutung der Mikrodissektion zu sehen: Mit unserer Technologie ist man in der Lage, hochgradig präzise Areale zu umschneiden, diese aus dem Präparat herauszunehmen und die Analyse nur auf diese Areale zu beschränken, die wirklich von Interesse sind.

Ein Beispiel: In der Biologie führen mitunter die Verhältnisse verschiedener Proteine und ihre räumliche Anordnung dazu, dass Gewebe nicht so reagiert, wie es eigentlich sollte. Dieses Ungleichgewicht lässt sich nicht feststellen, wenn man lediglich eine Mischung von gesundem und krankem Material hat. Der erste Schritt, um wissenschaftlichen oder medizinischen Fortschritt zu erreichen, ist die garantierte Reinheit der Probe – und da setzen wir an.

Dr. rer. nat. Karin Schütze
Als wir damals gesehen haben, dass man die Zellen herausholen kann, kam natürlich die Frage, wie eine nachfolgende Analytik zu handhaben ist. Die Labors waren damals gewohnt, Tausende von Zellen zu untersuchen. Jetzt hatten wir nur noch 50 Zellen, dafür aber hochreine Proben. Damit ergab sich das Problem, die vorhandenen molekularbiologischen Methoden auf wenige, jedoch hochspezifische, reine Proben herunterzubrechen. Deshalb haben wir ein Applikationslabor aufgebaut – und die Analyse-Kits auf mikrodissektierte Proben angepasst. Wir haben so erreicht, unsere Innovation auch zugänglich zu machen. Denn was hätte uns die hervorragende Probenpräparation genützt, wenn die Analyse danach nicht exakt genug geworden wäre?

Wir haben jetzt das Verfahren kennen gelernt. Welche Produkte sind daraus entstanden?

Dr. rer. nat. Carsten Hoyer
Das Hauptprodukt ist die Lasereinheit mit dem integrierten Mikroskop. Es gibt natürlich Varianten davon, verschiedene Ausbaustufen und diverses Zubehör, wie z. B. zwei Arten von Lasern, die man einkoppeln kann, einer zum Schneiden, ein anderer, der auch Zellen fangen kann (optical tweezers). Dazu kommen unterschiedliche Kameras und Softwaremodule für die verschiedensten Applikationen.

Dr. rer. nat. Yilmaz Niyaz
Unser System ist sehr modular. Sie sehen zwar immer nur ein System, wenn es ausgeliefert ist, aber es lässt sich nicht unbedingt sagen, welche Module es enthält. In der Regel haben wir verschiedene Module, die je nach Anwendung des Kunden dazugenommen werden. Das Umfeld, die Produktfamilie entwickelt sich jetzt langsam im Bereich der Verbrauchsmaterialien.

In den Labors hat man nun ein neues Werkzeug. Was aber hat der „normale Mensch“ von Ihrer Innovation?

Dr. rer. nat. Carsten Hoyer
Einen ganz direkten Nutzen. Es hilft die Frage zu beantworten, befindet sich z.B ein Tumor im Gewebe, ja oder nein, bzw. man kann genauer analysieren, was für ein Tumor es ist. Hier werden konkrete Untersuchungen mit Hilfe von nachgelagerten molekularbiologischen Experimenten möglich.

In der Forschung hilft es mir zu klären, warum eine Zelle eine Krebszelle geworden ist. Dort diese Fragestellungen exakt beantworten zu können, führt mit Sicherheit auch zu einer schnelleren Umsetzung in die Diagnose und Therapie. Dazu können wir mit unserem Gerät beitragen.

Dr. rer. nat. Karin Schütze
Ähnliches gilt auch für andere Anwendungen, beispielsweise die Pränataldiagnostik. Aus Blutzellen ermittelt man, ob ein Baby genetisch vorbelastet ist oder nicht. Dafür gibt es offenbar in den USA einen recht großen Markt. Das war bisher umständlich und aufwendig, denn es geht um ganz wenige Vorläuferzellen aus fötalem Blut. Man musste die Zellen aufkonzentrieren, da nur vier oder fünf solcher Zellen unter Zehntausenden die richtigen sind. Wir haben unser Gerät weiterentwickelt, eine Bildanalyse-Software davorgesetzt, die in der Lage ist, nach diesen wenigen Zellen automatisch zu suchen. Das ist eine sehr direkte Anwendungsmöglichkeit. Wir sind zwar noch im Forschungsstadium, aber das wird funktionieren.

Dr. rer. nat. Yilmaz Niyaz
Forschung ganz allgemein ist natürlich eines der relevantesten Anwendungsgebiete. Wenn man als Pharmaunternehmen Tests durchführt, muss man dafür auch mitunter die Herzgängigkeit von Medikamenten testen, in der Regel so, dass man Kulturen mit lebenden Herzzellen anlegt. Es war bisher sehr langwierig, reine Kulturen zu bekommen. Mit unserem Gerät geht das viel einfacher, denn man kann für das Herstellen einer neuen Zellkultur einzelne lebendige Zellen aus einem Verbund herauslösen. Das ergibt eine ungemein hohe Reinheit der Folgekultur. Diese Anwendung funktioniert bei Herzmuskelzellen und lässt sich auch bei Stammzellen anwenden. Sie können mit dieser Methode gezielt Stammzellen herausnehmen, etwa wenn sie für die Therapie wichtige Merkmale enthalten. Dann lassen sich exakt diese Zellen anreichern und – jetzt würde ich einen Blick in die Zukunft wagen – therapeutisch dem Patienten wieder zurückgeben.

Natürlich ist das noch Zukunftsmusik. Aber es zeigt das Riesenpotenzial für den Menschen, das unsere Entwicklung bringt. Auf jeden Fall wird die Entwicklung von Arzneimitteln dann schneller gehen, und immense Kosten werden damit gespart.

Dr. rer. nat. Karin Schütze
Ein Zukunftsprojekt ganz konkret ist tatsächlich die Übertragung unserer Erfahrungen und Ergebnisse auf lebende Zellen. Das haben wir bereits geschafft, auch für die hochempfindlichen Stammzellen. Das geht aber weiter in Richtung individualisierte Medizin. Stellen wir uns vor, wir können aus einer Nadelbiopsie mit lebenden Zellen die Tumorzellen herausfischen, sie hochwachsen lassen und daran testen, welches Arzneimittel in welcher Konzentration diese Tumorzellen am besten zerstört. Das nennt man patientenspezifische Wirkstofffindung – und da sehe ich große Chancen. Noch sind solche Verfahren in der Experimentierphase. Aber es gibt auch andere Anwendungsfelder, außerhalb der Medizin: Unsere Applikationsspezialisten waren mit einem System einmal bei einer Botanikertagung auf Hawaii. Seitdem arbeiten mehrere Pflanzenforscher mit unserem Lasersystem, um verschiedenste Teile einer Pflanzenzelle zu gewinnen. Man will wissen, wie man Pflanzen beeinflussen kann, wie man sie beispielsweise resistenter gegen Schädlinge machen kann.

Dr. rer. nat. Yilmaz Niyaz
Ein anderer interessanter Bereich ist die Bakteriologie, die Mikrobiologie. Wenn man Bakterien in Kulturen züchtet, nimmt man immer an, das sei so leicht. Für die Kulturen, die man hat, ist das auch der Fall. Aber viele Bakterienarten lassen sich im Labor nicht kultivieren. Weil die Kultivierungsbedingungen entweder vollkommen unbekannt sind oder nicht nachgestellt werden können. Mit unseren optischen Verfahren lassen sich einzelne Bakterienzellen aus einer Mischprobe herausnehmen. Ein Kunde von uns nimmt Bakterien aus einer Bodenprobe. Über PCR-Technologie gelingt es ihm, die DNA dieses Bakteriums dennoch zu untersuchen. Das ist nur möglich, weil er mit unserem System die einzelnen Bakterien identifizieren und gezielt aus der Bodenprobe herauslösen kann.

Dr. rer. nat. Carsten Hoyer
Ein weiteres Anwendungsgebiet, das klare Analysen braucht, ist die Forensik, also die Identifizierung von Spuren eines Verbrechens. Hier kann nun sicherer der Schuldige nachgewiesen werden.

Diese Innovation scheint, wenn man sich Ihre Biographie anschaut, das Ergebnis von Studienerfahrungen, von Anforderungen aus der beruflichen Tätigkeit, einer mutigen Prototypenentwicklung am Küchentisch zu sein, die jetzt in eine erfolgreiche industrielle Umsetzung mündet. War das wirklich so?

Dr. rer. nat. Karin Schütze
Ich habe Biologie und Sport studiert, wollte ursprünglich Lehrerin werden. Dann bin ich an der physikalischen Chemie hängen geblieben, eigentlich nur, weil ein Kollege dringend jemanden brauchte, der ihm Zellen züchtet, weil er „so eine Lasergeschichte“ machen wollte. Dabei habe ich mich schon gefragt, was die mit dem Laser machen. Daraus entstand die Idee, in dieser Richtung weiterzumachen. Dann bekam ich durch ein Stipendium der Humboldt-Gesellschaft die Möglichkeit, nach Berkeley, Kalifornien, zu Manfred Schliwa zu kommen, der ganz offen für solche Applikationen war. Zusammen mit Art Ashkin, dem Erfinder der Laserfalle, haben wir dort eine optische Pinzette aufgebaut – alles hoch komplexe Teile mit viel Physik dahinter. Ich dachte mir, dass ich das viel einfacher haben möchte. In Deutschland zurück, habe ich keine Mikroskopfirma gefunden, die so etwas entwickeln wollte.

Aber ich hatte das Glück, im Krankenhaus Harlaching eine Stelle zu bekommen. Als ich meinem damaligen Chef Dr. Pösl von der Lasermikromanipulation erzählte, sagte er: „Wenn Du in der Lage bist, eine einzelne Zelle zu beherrschen, hast Du doch den Keim, die Ursache sämtlicher Krankheiten, in der Hand.“ Ich bekam einen Raum, in dem ich experimentieren konnte. Pösl wies mich darauf hin, dass es für das Ausleihen von Geräten von Vorteil ist, in einer Klinik zu arbeiten. So habe ich von Dornier den ersten Laser bekommen, Carl Zeiss stellte mir jahrelang ein Mikroskop zur Verfügung, Newport die benötigten Strahlführungselemente und den Montagetisch – alles leihweise. Und so habe ich angefangen zu probieren.

Auslöser für das erste Produkt war der Besuch von Professor Ng aus Singapur. Er war der Freund eines Bekannten, der gehört hatte, dass ich weiterhin an den Lasersystemen arbeite, und wollte sich meine Entwicklung anschauen. Glücklicherweise hatte ich gerade alle Komponenten zusammen, was besonders schwierig beim Leihen war. Alles musste sehr schnell gehen, denn der Besucher musste wieder zurückfliegen. In diesem Moment hat mich der Ehrgeiz gepackt. Über Nacht habe ich eine Doppelstrahlpinzette ins Mikroskop eingekoppelt – und es hat funktioniert. Dann kam Ng, sah das Gerät und fragte: „Was kostet das?“ Ich wusste weder den Preis, noch konnte ich es verkaufen, da alle Komponenten Leihgaben waren. Da wurde mit klar, dass außer mir auch noch andere Wissenschaftler so ein System brauchen können. Nach vergeblichen Versuchen, ein Projekt mit verschiedenen Firmen auf die Beine zu stellen, hat mich mein Mann vor die Entscheidung gestellt: „Entweder Du hörst auf, oder ich steige mit ein, und wir machen gemeinsam weiter.“

Mein Mann ist Goldschmied und hat daher dieses Gefühl für Feinmechanik gehabt, er hat auch Physik studiert, kam also mit der Optik klar, in E-Technik war er auch prima. So hat alles gepasst. Ich konnte ihm sagen, wie ich mir ein Teil vorstelle und was es können muss, und er hat es dann konstruiert. So haben wir das erste Gerät tatsächlich gefertigt, es wurde bei uns im Reihenhaus in Wolfratshausen im Keller produziert. Ich habe trotzdem weiter in der Klinik gearbeitet, einer musste ja für das tägliche Brot sorgen. Mein Mann hat dann die Kinder versorgt, zwei Mädchen, damals im Alter von vier und sechs Jahren.

Wir haben immer versucht, Beruf und Familie zu kombinieren. Das hat auch dazu geführt, dass ich bei Verhandlungen am Küchentisch nebenher noch etwas fertig gekocht habe, während die Kinder und zwei Katzen um mich herumgesprungen sind. Damals gab es zwei Meinungen: Das wird nie was. Und: Daraus könnte mal was werden. Das Kinderzimmer war das Büro, der Hobbyraum im Keller die Werkstatt. Um Anwendungen zu zeigen, verwies mich mein Chef in Harlaching an die GSF in Neuherberg. Dort gab es Prof. Brehm, einen sehr bekannten Molekulargenetiker. Der besuchte mich, brachte Rinder-Eizellen mit und sagte, dass er da Löcher reinbohren und Spermien einführen möchte. So bestand die erste Anwendung in einer Kombination aus Mikrodissektion und optischer Pinzette.

Sie haben mit Ihrem Mann so eng zusammengearbeitet und gleichzeitig die Familie um sich herum gehabt. Hat das denn ohne „Blessuren“ funktioniert?

Dr. rer. nat. Karin Schütze
Es hatte ja jeder seinen Bereich, und keiner ist dem anderen ins Gehege gekommen. Wir konnten uns die Bälle zuwerfen, ich hab mich in der Biologie umgeschaut und gesagt: „Hier ist die Applikation“, er hat die Technik gemacht – das war das Gute.

Schwierig war die Firmengründung. Wir hatten wenig Ahnung. Es gab zwar staatliche Fördergelder für eine Gründungsberatung. So ein Berater hat gemeint, dass wir zwei Millionen DM bräuchten. Da mussten wir erst mal schlucken: Zwei Millionen – was passiert, wenn das schief geht? Darauf haben wir uns auf die Suche nach einer Bank gemacht und alle in München abgeklappert.
Der übliche Dialog verlief so:
„Was haben Sie denn vor?“
„Naja, so ein Gerät bauen, das kann Löchlein in Eizellen machen.“
„Und was denken Sie, wie viele Sie davon verkaufen?“
„Ja, so ein bis zwei im Jahr.“
„Wie viel Geld wollten Sie haben?“
„Ein oder zwei Millionen.“
„Sind denn Sicherheiten da? Haben Sie irgend etwas im Hintergrund?“
„Ein hoch verschuldetes Häuschen, wir kommen gerade aus den USA. Wir haben nichts.“
„Aber vielleicht die Eltern oder vielleicht Oma oder Opa?“
„Tut mir leid, das hier ist alleine unser Risiko, nicht das unserer Eltern oder Großeltern.“

Schließlich sind wir dann bei einer kleinen Filiale der Raiffeisenbank gelandet, die uns einen persönlichen Hauskredit gegeben hatte. Dort habe ich das wieder erzählt vom Spermienfangen und von der künstlichen Befruchtung mit diesem Gerät. Der Verantwortliche hat sich das angehört, und am nächsten Tag stand er vor der Gartentür. Ich hab ihn erst gar nicht erkannt: Tennisschläger, kurze Shorts.
Er: „Ich habe es mir die ganze Nacht überlegt. Ich finde es schon interessant. Ich verstehe zwar nichts von künstlicher Befruchtung, aber jetzt erklären Sie mir mal, warum Sie zwei Millionen DM brauchen?“
„Ja, das hat der Berater ausgerechnet.“
„Ja, und wofür brauchen Sie es?“
„Eigentlich wollte ich jetzt nur die Firma gründen. Wir haben den ersten Kunden, der zahlt schon mal einen Teil an, damit k
önnen wir die Geräte kaufen.“
Dann sagt er: „Dann machen wir mit, und wir verhandeln jedesmal von neuem, wenn Sie einen Kredit brauchen.“

Wir haben vier Jahre lang keinen Kredit benötigt.

Die Firmengründung war 1993. Wie ging es dann weiter?

Dr. rer. nat. Karin Schütze
Ich glaube, wir wären nie gewachsen, wenn wir nur die künstliche Befruchtung als Arbeitsfeld gehabt hätten. Irgendwann kamen unabhängig voneinander zwei Professoren, einer aus München, der andere aus den Niederlanden. Sie fragten, ob wir denn nicht auch aus Gewebestücken Zellen herausschneiden könnten. Dies wurde zur wichtigsten Anwendung. Mit der Kombination aus Ausschneiden und Katapultieren zur berührungslosen Gewinnung einzelner Zellen bzw. Gewebeareale haben wir einen neuen Markt eröffnet. Dass wir damit einmal weltweit Technologieführer werden würden, wussten wir damals natürlich noch nicht. Aber wir hatten eine Technologie, die wirklich einzigartig war und die die Leute gebraucht haben.

Unsere Kunden waren eine recht kleine Gemeinschaft. Man hat später gesagt, das sind deine „Küsschen-Kunden“, weil ich sie alle persönlich gekannt habe. Und wir hatten natürlich überhaupt keine Zeit, Vertrieb zu machen. Nur wer wirklich hartnäckig war und fünfmal gefragt hat, ob er nicht auch so ein Gerät haben kann, den haben wir in die Liste aufgenommen. Die mussten natürlich alle warten, denn es waren alles individuelle Entwicklungen. Dann haben wir gemerkt, dass wir es nicht mehr alleine schaffen: Mein Mann hat die Geräte teils nachts eingepackt, ist nachts gefahren mit dem VW-Bus, hat irgendwo ein paar Stunden geschlafen und die Geräte dann beim Kunden aufgebaut. Ich bin ein paar Tage später zur Demonstration hingefahren, denn jeweils einer von uns musste die Kinder versorgen. Es gab auch Messen, bei denen wir die Kinder dabei hatten.

Gab es einen Zeitpunkt, an dem Sie merkten, dass Sie wirklich auf dem richtigen Weg waren, dass der Durchbruch gelungen war?

Dr. rer. nat. Karin Schütze
Die Nachfrage wurde immer größer, die Geräte wurden immer noch im Wohnzimmer zusammengebaut, es war bald kein Platz mehr. Wir mussten uns örtlich verändern und wollten uns vergrößern. Wir brauchten Personal. Sieben Jahre später hatten wir 24 Mitarbeiter und finanzielle Probleme, aufgrund verspäteter Zahlungseingänge mancher Kunden. Wir mussten zwischenfinanzieren und waren beide sehr hohe, persönliche Bürgschaften eingegangen. Und wieder hatten wir großes Glück, als wir unseren „Business Angel“, Herrn Spiekermann, kennenlernten. Er war fasziniert von der Technologie und überzeugt, dass man daraus etwas machen kann: Er erstellte den ersten Businessplan und besorgte das erste Venture Capital. Eine AG wurde gegründet. Da waren wir überzeugt, dass es nun in größerem Maßstab weitergehen wird und wir auf dem richtigen Weg sind. Die Aktionäre wollten erst mal die Rendite erhöhen und entsprechend „unnötige Aktivitäten“ streichen. Hier mussten wir nun Überzeugungsarbeit leisten, warum Innovation wichtig ist. Ich habe leider nicht die „richtige Sprache“ gesprochen, bis ich dann einen Kurs gemacht habe: Betriebswirtschaft für Naturwissenschaftler und Ingenieure. Zu diesem Zeitpunkt haben wir zudem einen Betriebswirt eingebunden, der die gesamte betriebswirtschaftliche Organisation, Vertrieb und Marketing übernahm. Er hat uns geholfen, die Notwendigkeit von FuE für eine nachhaltige Firmenentwicklung in die entsprechenden Worte zu kleiden, damit auch die Geldgeber verstehen konnten, warum man a) Forschung wirklich braucht und b) warum so ein Forschungsprojekt auch sehr interessant und für die Firma lukrativ sein kann.

Und dann kam die Firma Carl Zeiss wieder ins Spiel …

Dr. rer. nat. Carsten Hoyer
Carl Zeiss war von Anfang an mit dabei: zuerst als Leihgeber und später als Lieferant der Mikroskope. Ich kannte Frau Dr. Schütze zudem persönlich aus Uni-Zeiten. Bei Carl Zeiss war ich im Bereich Mikroskopie verantwortlich für die inversen Forschungsmikroskope und damit auch Ansprechpartner für P.A.L.M. Die Zusammenarbeit hat sich dann immer enger gestaltet.

Dr. rer. nat. Karin Schütze
Wir hatten zwar Vertriebspartner in Japan, in Korea, überall. Aber unser Problem war, diese geschäftlichen Beziehungen von hier aus zu regeln. Das war unwahrscheinlich schwierig.

Dr. rer. nat. Carsten HoyerDa die Vertriebsgesellschaften von Carl Zeiss bereits für P.A.L.M. tätig waren, stellte sich damit auch irgendwann die Frage der Firmenbeteiligung an P.A.L.M.

Dr. rer. nat. Karin Schütze
Zunächst hatten wir gedacht, dass Carl Zeiss bei uns mit einsteigen könnte. Aber was ich nicht wusste, war, dass die Herangehensweise eines Finanzinvestors und eines strategischen Investors eine ganz andere ist.

Dr. rer. nat. Carsten Hoyer
Für uns war es nicht einfach eine Investition, sondern Teil einer fortwährenden Investmentstrategie, um das applikative Know-how von Carl Zeiss zu steigern. Wenn man sich als großes Unternehmen an einer relativ kleinen Firma beteiligt, dann ist nicht allein die Rendite das Ziel, sondern man möchte Produkte weiterentwickeln, das Kerngeschäft mit neuen Lösungen für den Anwender erweitern. Das war der Gedanke von Zeiss. In verschiedenen Strategierunden und Verhandlungen wurde eine für beide Seiten zukunftsfähige Lösung gefunden. Heute ist P.A.L.M. Microlaser Technologies GmbH ein 100-prozentiges Tochterunternehmen der Carl Zeiss MicroImaging GmbH in Bernried am Starnberger See, Deutschland.

Dr. rer. nat. Karin Schütze
Für Carl Zeiss war diese Technologie mit ihrer Applikation wichtig, ferner das Innovationspotenzial, das damit verbunden ist. Das war wohl entscheidend dafür, dass Carl Zeiss P.A.L.M. übernommen hat.

Dr. rer. nat. Carsten Hoyer
Das Instrument einfach nachzubauen war nicht unser Ziel. Wir wollten technisches und applikatives Wissen in Gesamtlösungen integrieren, die die Bedürfnisse der modernen biomedizinischen und klinischen Forschung und Routine perfekt abdecken. Zusätzlich brachte die Vereinigung eine beachtliche Stärkung des weltweiten Service- und Support-Netzwerkes beider Firmen.

Dr. rer. nat. Karin Schütze
So ganz einfach war für mich das Zusammengehen mit einer großen Firma nicht. Aber ich habe auch erkannt, dass die Faszination, die hinter dieser Applikation steckt, weltweit vorhanden ist. Das weltweite Vertriebsnetz, dazu das technologische und innovative Schwergewicht von Carl Zeiss im Hintergrund machen es leichter, PALM-Systeme auch in anderen Anwendungsbereichen zu etablieren. Ich hatte damals, als wir angefangen haben, eine Vision: Ich wünschte mir, dass in jedem größeren Institut ein Lasermikrosystem steht.

Das klingt nach einer runden Erfolgsgeschichte. Gab es auch unerwartete Ereignisse oder Tiefpunkte?

Dr. rer. nat. Karin Schütze
Tiefpunkte gab es massenhaft, man muss durchhalten. Der erste größere Rückschlag, den wir erlitten haben, hing mit einer für uns ungewöhnlichen Geschichte zusammen. Ein Kunde, ein namhafter Mediziner, wollte ein Laser-Mikrodissektionsgerät für künstliche Befruchtung haben, aber nichts bezahlen. Erst nach zähen Verhandlungen und einer dann doch erfolgten Anzahlung haben wir das System installiert. Dann meinte aber der Kunde: „Toll, dass ich das Gerät habe, aber ab jetzt bezahlt Ihr mich, denn ich mache Werbung für Euch.“ Das wäre damals vor zehn Jahren fast das Ende der Firma gewesen.

Haben Sie sich im Verlauf der Entwicklung mehr Unterstützung gewünscht, oder fanden Sie das ausreichend? Wo waren die Knackpunkte? Wir hatten schon die Banken angesprochen …

Dr. rer. nat. Karin Schütze
Wenn ich mir heute etwas wünschen dürfte, dann würde ich mir schon viel früher so einen Business Angel wünschen. Im Grunde genommen war das Problem, dass wir wenig Ahnung hatten von Betriebswirtschaft. Es wäre wichtig, dass man sich schon viel früher mit der Notwendigkeit und vor allem mit den wichtigen Schlüsselwörtern der Betriebswirtschaftslehre vertraut macht.

Schwierig war das Finden von guten Steuerberatern und geeigneten Patent- sowie Rechtsanwälten. Man weiß anfänglich überhaupt nicht, nach welchen Kriterien man auswählen soll. Da haben wir einige schmerzliche Erfahrungen gemacht. So hätte beispielsweise ein Patent unser gesamtes Produkt weltweit schützen sollen, was jedoch an einer einfachen Formulierung, an einem „und“ bzw. „oder“ gescheitert ist. Und was besonders helfen würde, ist Unterstützung im Umgang mit Geldgebern. Es sollte einen Katalog der Venture Capitalists geben, wer für welche Bereiche am besten geeignet ist und wer vor allem Verständnis für Innovation hat und bereit ist, eine Innovation auch einmal länger zu begleiten, bis dann daraus eine Geldquelle wird.

Das ist vorbei. Sie sind inzwischen schon mehrfach für Ihre Innovation geehrt worden. Welche Auswirkungen haben solche Ehrungen? Hat das was gebracht?

Dr. rer. nat. Karin Schütze
Für mich und meinen Mann war es in erster Linie das Zeichen, dass sich dieser Wahnsinnsaufwand, den man betreibt, gelohnt hat. Das war toll, dieses Feeling, diese Ausgelassenheit, diese Freude. Damals beim Innovationspreis der Raiffeisenbank hatten wir dann das Gefühl, auf dem richtigen Weg zu sein. Gleichzeitig auch, dass man den anderen, die gerade mitten in den Problemen stecken, ein bisschen Mut zum Durchhalten machen kann. Der Philip-Morris-Preis hat auch eine gewisse Bekanntheit gebracht, und wir haben mit einem der Preisträger in einem Projekt zusammengearbeitet.

Herr Dr. Niyaz, wann sind Sie denn zum Team gestoßen?

Dr. rer. nat. Yilmaz Niyaz
Das war im September 2003, in der Zeit, als man hier den Entwicklungsschritt vom manuellen zum automatisierten Gerät machte. Der RoboMover, das Gerät, das mehr als eine Probe in mehr als ein Gefäß verteilen kann, war gerade in der Evaluierungsphase. Unser Standardprodukt war der CapMover, der nur ein Gefäß über der Probe hatte. Mein Input war zu überlegen, wie wir das besser lösen können. Mit Partnern, mit Herrn Schütze, Herrn Sägmüller, haben wir uns überlegt, das Gerät, das durch unsere Ingenieure neu erfunden worden ist, mit dem passenden Umfeld auszustatten. Weiterhin wollten wir im Applikationslabor auch die Möglichkeit haben, unter gentechnisch veränderten Umständen Zellen zu ernten. Wir haben dann ein S1-Labor beantragt und genehmigt bekommen.

Und dann haben Sie sich getraut, in so ein kleines Unternehmen mit so einer verrückten Entwicklungsgeschichte einzusteigen?

Dr. rer. nat. Yilmaz Niyaz
Vor allem mit einer so kreativen Entwicklungsleiterin, das war der ausschlaggebende Grund, warum ich gekommen bin. Und ein weiblicher Boss hat mich auch nicht gestört, das bin ich gewohnt.

Wir reden die ganze Zeit von Innovation, einem ziemlich abgenutzten Begriff. Ich möchte trotzdem von Ihnen wissen, was Sie unter Innovation verstehen.

Dr. rer. nat. Carsten HoyerIch sehe bei Innovationen auch den wirtschaftlichen Aspekt. Innovation heißt für mich nicht allein, etwas Neues zu entwickeln, was es noch nicht gab und was ich vielleicht einfach gut finde. Sondern es muss in erster Linie dem Anwender einen Mehrwert, dem Menschen einen Nutzen bieten. Das sind zum Beispiel Untersuchungen und Experimente, die er vorher nicht durchführen konnte. Es gibt viele wissenschaftliche Innovationen, die anfangs nur akademisch interessant sind. Aber bei Zeiss steht die Frage im Mittelpunkt: Braucht es der Markt wirklich?

Innovation kann spontan sein, ist aber mitunter auch ein langer Prozess, der durchaus auch Risiken enthalten kann. Ein längerer Prozess sollte ein gesteuerter Prozess sein, passend zur Geschäftsstrategie, mit einem konkreten Ergebnis. Das kann ein Produkt sein oder eine Applikation, da sind wir nicht festgelegt. Aber man muss Erfolg damit haben, messbaren Erfolg. Sonst kann ein Unternehmen nicht bestehen.

Dr. rer. nat. Karin Schütze
Da bin ich anderer Meinung. Für mich war Innovation immer etwas wirklich Neues beziehungsweise eine neue Applikation oder ein Gerät, das dazu passt. Eine Idee und den Mut, das auch umzusetzen, den Willen und die Kraft, das durchzuhalten. Das war und ist für mich Innovation. Ganz ehrlich gesagt, haben wir damals überhaupt nicht ans Geldverdienen gedacht, wir waren fasziniert von der Technik und wollten nur ein tolles Gerät bauen, das eigentlich alle Biologen haben sollten. Hätten wir damals ans Geldverdienen gedacht, wäre die Firma P.A.L.M. nie gegründet worden. Wenn man wirtschaftlich denkt, gehört zur Innovation natürlich auch ein entsprechendes Produkt. Leider ist die Freiheit, auch mal etwas anderes auszuprobieren, dadurch sehr eingeschränkt. Wir haben jedoch immer anwenderorientiert entwickelt und uns bei entsprechenden Forschungsvorhaben beteiligt.

Dr. rer. nat. Carsten HoyerDie Forschung von Carl Zeiss hat einen gewissen Spielraum in ihrer Arbeit, auch nicht-produktbezogene Studien zu betreiben. Bereits im Statut der Carl-Zeiss-Stiftung hat Ernst Abbe gefordert, dass die Firma Carl Zeiss sowohl durch eigene Geräte- und Technologieentwicklung den Fortschritt im wissenschaftlichen Gerätebau vorantreibt als auch mit ihren Produkten Wissenschaft und Forschung fördert. Und das gilt heute noch.

Dr. rer. nat. Yilmaz Niyaz
Ich würde durchaus beides als innovativ ansehen. Sie können sehr wohl frei und innovativ sein, aber Sie brauchen die Kunden, um auch weiterhin langfristig diese Freiheit zur Innovation zu haben. Ich glaube, das ist mit einem Satz nicht exakt zu beschreiben.

Dr. rer. nat. Karin Schütze
Was hier bei uns passiert ist, basiert auf einer starken Teamleistung, den richtigen Entscheidungen, ein paar glücklichen Zufällen und persönlichen Verknüpfungen, die sich günstig in den Prozess eingefügt haben – und nicht zuletzt auch auf dem Spaß am Ganzen.

Dr. rer. nat. Yilmaz Niyaz
Lust an der Arbeit ist insofern hilfreich, als sie einem hilft, Fehlschläge zu kompensieren, weil man sagt: „Es macht ja trotzdem Freude, und ich krieg das schon noch hin.“

Wie schätzen Sie das Klima für Innovationen in Deutschland im Moment ein?

Dr. rer. nat. Carsten Hoyer
Ich glaube, das Klima für Innovationen ist wieder sehr gut. Es gab sicherlich auch eine gewisse Zurückhaltung, was nach dem Platzen der Biotech-Blase an der Börse verständlich war, da musste erst mal eine Klärung erfolgen. Aber momentan sehe ich schon, dass es wieder deutlich besser wird.

Dr. rer. nat. Karin Schütze
Damals zur Zeit, als dieser Hype war, wollte jeder eine eigene Firma aufmachen, weil man so viel verdienen, sich gleich einen Superwagen hinstellen und innerhalb von einem Jahr an die Börse gehen konnte, wonach man dann im Geld schwimmt. Aber diese Leute sind von ganz falschen Voraussetzungen ausgegangen. Jetzt kommen die, die wirklich Ideen haben, die auf solider Basis versuchen, Stück für Stück voranzugehen und eine Firma aufzubauen; die haben jetzt Chancen. Ich wünsche mir, dass das so bleibt, dass dieser Trend anhält.

Lassen Sie uns auf die wirtschaftliche Relevanz des Projektes kommen: Wie viele Arbeitsplätze wurden geschaffen, wie viele hängen im weiteren Umfeld davon ab? Wo wird produziert? Welche Marktstellung hat das Produkt, und wie sieht der Wettbewerb aus? Und wie steht das Produkt im internationalen Vergleich da?

Dr. rer. nat. Karin SchützeWir haben knapp 60, teilweise sehr hochqualifizierte Arbeitsplätze geschaffen, z. B. für Ingenieure und Techniker. In unserem Applikationslabor arbeiten sogar vorwiegend promovierte Wissenschaftler. Wir sind Stück für Stück gewachsen, haben eine eigene Produktionsstätte mit einem Produktionsleiter, eine eigene Entwicklungsabteilung mit einem technischen Entwicklungsleiter, eine Softwaregruppe – wenn auch klein – und den Einkauf. Das alles ist in dem ursprünglichen, ersten Gebäude, und in einem zweiten Gebäude sind die Verwaltung, das Controlling und der Vertriebsinnendienst sowie das Applikationslabor untergebracht. Unsere Vertriebsmitarbeiter sind als Spezialisten für die PALM-Systeme ins Vertriebsnetz von Carl Zeiss integriert. Nach anfänglichen Unsicherheiten bei den Kunden von P.A.L.M. nach dem Zusammengehen mit Carl Zeiss geht es jetzt voran.

Dr. rer. nat. Carsten Hoyer
P.A.L.M. Microlaser Technologies GmbH ist der einzige Hersteller von Mikrodissektions- und Mikromanipulations-Systemen mit der patentierten LMPC-Technologie und damit weltweit Marktführer. Carl Zeiss ist mit neuen und verbesserten Produkten auf einem sehr erfolgreichen Weg. Die wirtschaftliche Lage ist gut.

Dr. rer. nat. Karin Schütze
Bei den geschaffenen Arbeitsplätzen muss man auch die Zulieferer aus der Region um Bernried betrachten. Und wo die Geräte an Instituten und Forschungslabors neue Arbeitsgebiete eröffnen, sind damit auch meist neue Stellen verbunden.

Dr. rer. nat. Yilmaz Niyaz
Noch einmal zum Wettbewerb: Was uns von allen anderen unterscheidet, ist, dass wir ein großes Applikationslabor mit acht Wissenschaftlern betreiben, die auch zum Kunden gehen und ihm die Applikation zeigen. Unser Interesse ist es, dem Kunden die Applikation anzubieten, die maßgeschneidert ist für ihn und für die Mikrodissektion. Wir werden oft mit Kundenproblemen konfrontiert, die wirklich einzigartig sind. Dadurch, dass wir unser Gerät beherrschen, aber andererseits auch die Naturwissenschaften kennen, können wir ihm in der Regel sehr viel besser helfen und beratend und zeitverkürzend eingreifen.

Dr. rer. nat. Carsten Hoyer
Das gilt an sich nicht mehr nur für P.A.L.M. Es wird mehr Spezialisten geben müssen, um sich auf dem gleichen Level wie der Kunde zu bewegen. Der Kunde will nicht einfach nur einen freundlichen Berater, der ihm etwas mit größtmöglichem Rabatt verkauft. Das Ziel ist, dem Kunden Lösungen für sein Problem zu bieten. Dazu muss ich wissen, was er braucht, was er machen will, und ihn dann so beraten, dass es optimal passt.

Dr. rer. nat. Karin SchützeDas Schöne ist: Es wird nicht nur ein Mikroskop verkauft, sondern es wird jetzt eine kleine Story verkauft, ein System. Ich freue mich immer, dass man so etwas Abgerundetes anbieten kann.

Etwas ganz anderes: Frau Dr. Schütze, was wollten Sie denn eigentlich als Kind werden?

Dr. rer. nat. Karin Schütze
Ärztin oder Tierärztin, das war noch die Alternative. Das hat aber dann nicht funktioniert, weil mein Notendurchschnitt mit 1,9 zu schlecht war. Damals dachte ich dann, dass Biologie nicht so weit weg ist, das ist zumindest mal die Grundvoraussetzung. Und dann sollte es etwas sein, was Spaß macht, also beschloss ich, Sport zu studieren. Aus dem Medizinstudium ist dann nichts mehr geworden – irgendwie bin ich in der physikalischen Chemie, in der Biophotonik hängen geblieben und jetzt wieder direkt mit der Medizin verbunden, aber von der anderen Seite her.

Herr Dr. Niyaz, Sie sind in Istanbul geboren. Wann sind Sie hierher gekommen?

Dr. rer. nat. Yilmaz Niyaz
Ich bin in Istanbul geboren, und zu meiner Übersiedlung gibt es verschiedene Überlieferungen zwischen acht Monaten und anderthalb Jahren. Ich war nicht aktiv beteiligt.

Ich wollte eigentlich Astronaut oder Biologe werden, aber eigentlich mehr Astronaut. Es hat aber seine Zeit gebraucht, bis ich gelernt habe: Biologie ist wohl realistischer.

Dr. rer. nat. Carsten Hoyer
In der Abiturzeit habe ich mich für Chemie entschieden. Grund war, ich wollte etwas Praktisches machen, studieren ja, aber nichts rein Theoretisches. Im Labor stehen und kochen, das hat mir am meisten Spaß gemacht, also die Theorie in der Praxis verwenden. Ich habe auch schnell gemerkt, dass mich die anwendungsbezogene Forschung mehr interessiert, und bin in die physikalische Chemie gegangen. Da waren Biologen, Mediziner, Physiker und Chemiker. Und das finde ich sehr reizvoll, wenn ein Arbeitskreis so interdisziplinär ist. Dann bin ich mit einem Zellbiologie-Arbeitskreis in Berührung gekommen und hatte den ersten Kontakt mit Mikroskopen. So bin ich von der klassischen Chemie in Richtung Molekularbiologie gerutscht, dazu kamen die Mikroskopie und Laser. Es lag dann also nahe, mich bei Carl Zeiss zu bewerben.

Gab es Vorbilder oder Ereignisse, die Sie in Ihrer beruflichen Laufbahn beeinflusst haben?

Dr. rer. nat. Carsten Hoyer
Nichts Spezielles, mein Vater kam aus der Chemie, von daher hat er mich schon beeinflusst. Aber ich habe immer selbst gewusst, was ich wollte, und ich musste keinen haben, an dem ich mich orientierte.

Dr. rer. nat. Karin Schütze
Von meinem Vater habe ich damals viel mitbekommen. Er hatte eine selbstständige Handelsvertretung, und meine Schwester und ich waren von Anfang an mit dabei, durften beispielsweise auf Messen ein bisschen Verkaufen helfen. Er hat uns immer gefördert, wenn es darum ging, die eigene Meinung zu vertreten, aufzustehen und vor Publikum zu reden. Auch eine Idee oder eine Forschungsarbeit muss man verkaufen können. Das habe ich von ihm mitgekriegt.

Dr. rer. nat. Yilmaz NiyazDirekte Vorbilder gibt es eher nicht, vielleicht am ehesten noch die universellen Naturwissenschaftler wie z. B. da Vinci. Bei mir war es hauptsächlich die Lust am Verstehen von Prozessen, Verstehen, warum ist es so, das hat mich zur Biologie gebracht. Physik und Chemie finde ich auch interessant, Naturwissenschaften als Gesamtgebiet sind mir sehr wichtig. Biologie vereint diese drei Bereiche, und deswegen war es mir klar, dass ich Biologe werde.

Welche Charaktereigenschaften haben Ihnen beruflich geholfen, und welche waren eher hinderlich?

Dr. rer. nat. Karin Schütze
Im Grunde genommen ist es, keine Angst zu haben, irgendwas Neues anzupacken. „Geht nicht gibt’s nicht“, es gibt immer irgendeine Möglichkeit. Und wenn man einen auf den Deckel kriegt, einen Dämpfer: zweimal schütteln, wieder aufstehen und weitermachen – Durchhaltevermögen, Beharrlichkeit und grenzenlos optimistisch. Ich weiß nicht, ob es in meiner Natur liegt. Ich bin Stier, immer mit dem Kopf durch die Wand.

Und wo müssen Sie sich zurücknehmen?

Dr. rer. nat. Karin Schütze
Ich habe fürchterlich viele Ideen, und da müsste ich mich langsam zurückhalten. Die anderen meinen immer: „Sag doch einfach mal nix, bleib einfach mal ganz ruhig.“ Und dann habe ich noch ein gewisse Unpünktlichkeit, immer auf den letzten Drücker, das kriege ich nie gebacken. Strukturiert arbeiten, das ist ebenfalls ein Problem. Sobald eine Idee durchdacht und die Ausführung geplant ist, ist es für mich schon wieder uninteressant, und ich bin auf der Suche nach Neuem.

Dr. rer. nat. Yilmaz Niyaz
Bei mir ist Neugier meine positive Seite, Neugier und Kommunikationsfähigkeit. Ich glaube schon, dass ich mit Leuten gut reden kann. Hinderlich? Oh je. Meine Unordnung vielleicht.

Dr. rer. nat. Carsten Hoyer
Hilfreich sind immer Durchhaltevermögen und ein guter Grundoptimismus. Natürlich bin ich unruhig, wenn mal etwas schief läuft, aber trotzdem versuche ich immer, optimistisch zu bleiben. Und das gelingt mir auch meistens. Ein positiver und negativer Punkt: Ich bin sehr strukturiert und sehr ordentlich, was manchmal aber auch ein Nachteil sein kann.

Gibt es ein formulierbares Motto für das, was Sie tun? Kann man das auf einen Kernsatz reduzieren?

Dr. rer. nat. Carsten Hoyer
Mein Motto ist ganz einfach: Von nichts kommt nichts.

Dr. rer. nat. Karin Schütze
Meins wäre eher: Als Visionär in die Zukunft schauen und sehen, was es Neues gibt.

Dr. rer. nat. Yilmaz Niyaz
Man muss sich immer klar werden, dass man nicht zuerst da war, sondern hinter allem stehen viele, die das erst ermöglichen, was man jetzt erbringt. Das Motto meiner Doktorarbeit war dieser Satz von Newton: „We’re just dwarfs sitting on the shoulders of giants“.

Was tun Sie denn gegen Stress, und womit entspannen Sie sich?

Dr. rer. nat. Yilmaz Niyaz
Bei mir ist das ganz eindeutig meine Familie und meine Freunde. Wir sind unter anderem deshalb nach Augsburg gezogen, um ein bisschen mehr von den Kontakten, die wir über 25 Jahre lang pflegen, auch wieder in der Nähe zu haben.

Ansonsten sind meine Frau und ich beide sehr große Leseratten. Wir lesen extrem viel. Das ist auch etwas ganz Großes zum Stressabbau, zum Eintauchen in andere Welten. Um eben doch noch Astronaut zu sein.

Dr. rer. nat. Karin Schütze
Einmal ist es die Familie, meine beiden Mädels. Mit denen ich auch gerne verschiedene sportliche Aktivitäten teile: Wandern gehen, Mountainbiken, Reiten, leidenschaftlich gern Tauchen. Und für das Alltägliche: Ich habe einen kleinen Hund, der mich morgens immer rauslockt. Eine schöne Kombination: die Kinder mit dem Hund zur Schule begleiten und dann zurückjoggen. Und der sehr wichtige Balancepunkt ist mein Mann, der einfach das Gegenteil von mir ist. Er ist der Ruhepol, er ist derjenige, der mir den Rückhalt bietet, wenn ich zu unruhig werde, der mich in den Arm nimmt und sagt: „Cool down – und fokussiere Dich mal wieder ein bisschen auf Dich selbst.“

Dr. rer. nat. Carsten Hoyer
Seit viereinhalb Jahren steht nun die Familie mit Frau und Tochter im Mittelpunkt. Trotzdem habe ich viele Hobbys. Im Winter Skifahren, im Sommer Tennis spielen und Tauchen. Und seit ein paar Jahren gehe ich zur Jagd. Häufig in der Natur zu sein ist ein sehr guter Ausgleich zur Bürotätigkeit.

Welchen Traum möchten Sie sich denn noch erfüllen?

Dr. rer. nat. Yilmaz Niyaz
Schwere Frage: Mein größter Traum wäre, mit der Familie zusammen eine Weltreise zu machen, vor allem nach Galapagos oder Venezuela.

Dr. rer. nat. Karin Schütze
Bei mir fast ähnlich: Als Biologe muss man mal nach Galapagos. Ich möchte das mit Tauchen verbinden, weil ich die Unterwasserwelt phantastisch finde. Ein langjähriger Wunsch ist dieses Schweben, das man unter Wasser erlebt, einmal in der Luft zu probieren und Fallschirm zu springen. Jetzt habe ich einen Tandemsprung von unseren Freunden zum Geburtstag geschenkt bekommen und freu mich auf das Gefühl, aus 4.000 m loszuspringen und durch die Luft zu schweben. Wir wollten einmal einen Gleitschirmkurs machen, aber dann bin ich schwanger geworden. Ich hatte mal einen positiven Traum, ich erinnere mich sehr genau: Ich stehe auf einem Berg, habe die Arme ausgebreitet und fliege los. Ich sehe die Welt unter mir, ich komme an den Meeresrand und tauche ins Meer ein und fliege weiter. Damals wusste ich noch nichts vom Tauchen. Als ich dann zum ersten Mal tauchen war, ist mir dies wie ein Déjà-vu vorgekommen. Den zweiten Teil, nämlich das Tauchen, habe ich schon lange leidenschaftlich gemacht. Jetzt fehlt mir noch das Fliegen.

Ich habe schon viel gesehen, jetzt möchte ich mir mal die Zeit nehmen und länger verreisen. Wenn es geht, noch mit den Kindern. Wir wollen nach Australien, dies mit Tauchen verbinden und mit dem Jeep quer durch das Land und eben Biologie – Natur – erleben.

Dr. rer. nat. Carsten Hoyer
Ich würde gerne Pferde züchten. Ich war aktiver Reiter, doch seit einigen Jahren reicht leider die Zeit dafür nicht mehr. Da aber meine Tochter sicher irgendwann ein Pferd haben möchte, werde ich wohl wieder anfangen zu reiten. Traumhaft wäre es, ein Gehöft zu kaufen und Pferde zu züchten, das muss auch nicht unbedingt in Deutschland sein.

Was ist Glück für Sie, und was wünschen Sie sich für die Zukunft?

Dr. rer. nat. Carsten Hoyer
Privates Glück ist ganz klar meine Familie, das ist das Wichtigste für mich. Berufliches Glück, dass es so positiv weitergeht wie bisher und Carl Zeiss erfolgreich mit neuen Geschäften ist.

Dr. rer. nat. Karin Schütze
Das ist eine schwierige Definition. Glück ist, wenn man eine Familie hat, die harmonisch zusammenpasst, inklusive meiner Eltern. Wenn man zufrieden ist, das empfinde ich als Glück. Glück ist im Beruf, wenn man was erreichen kann, wenn einem die tägliche Arbeit Spaß macht, sie einen immer wieder motiviert, trotz aller widriger Umstände. Dann hat man Glück gehabt, so einen Beruf gefunden zu haben.

Dr. rer. nat. Yilmaz Niyaz
Glück ist für mich, dass meine Familie hinter mir und meiner Arbeit steht und mir den Rücken stärkt. Rein beruflich gesehen hat Glück für mich auch mit Erfolg und Teamarbeit zu tun. Für die Zukunft wünsche ich mir, auch weiterhin in einem so guten Team innovative Forschung betreiben zu können.

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Lebenslauf

Dr. rer. nat. Karin Schütze

24.04.1956
geboren in Heilbronn
1975 – 1985
Studium: Biologie und Sport für das Lehramt an der Ruprecht-Karls-Universität, Heidelberg; Promotion am Institut für Angewandte Physikalische Chemie, Promotionsprüfung an der Fakultät für Pharmazie, Ruprecht-Karls-Universität, Heidelberg
1985 – 1989
Laborleitung am Institut für Angewandte Physikalische Chemie in Heidelberg: Aufbau und Organisation des Zellbiologielabors im BMFT-Projekt LABIO (Laseranwendungen in der Biologie). Experimente und Weiterentwicklung der UV-Laser-Mikrostrahlapparatur
1989 – 1990
Feodor-Lynen-Fellow der Alexander-von-Humboldt-Stiftung an der Universität von Kalifornien in Berkeley. Aufbau und Experimente mit der Infrarot-Laserfalle am Beckman-Laser-Institut (Universität von Kalifornien in Irvine) und am AT&T Bell Laboratorium (Holmdel, New Jersey): Aufbau einer Infrarot-Laserpinzette in Berkeley in Zusammenarbeit mit Dr. Art Ashkin; AT&T Bell Laboratorium.
1991 – 2001
Leiterin des Applikativen Laserzentrums im Krankenhaus Harlaching, München
1993
Mitbegründerin der P.A.L.M. Microlaser Technologies GmbH, Wolfratshausen
1993 – 2000
Berater der Firma P.A.L.M. Microlaser Technologies GmbH, Wolfratshausen
Verantwortungsbereiche Forschung, Entwicklung, wissenschaftliches Marketing, Vertrieb
2000 – 2001
Leitung der Forschung & Entwicklung (F&E) bei P.A.L.M. Microlaser Technologies GmbH, Bernried
2001 – 2005
Direktorin F&E und erweiteter Vorstand bei P.A.L.M. Microlaser Technologies AG in Bernried
Entwicklung der Geräteplattform sowie Erforschung innovativer Applikationen; Suche nach neuen Märkten, Initiierung und Leitung
2002 – 2005
Mitglied des Aufsichtsrats bei P.A.L.M. Microlaser Technologies AG, Bernried
2004
Verkauf des Unternehmens an die Carl Zeiss AG
seit 2005
Leitung des Innovationsmanagements bei P.A.L.M. Microlaser Technologies GmbH, Bernried

Weitere Tätigkeiten:

seit 2003
Mitglied im Programmausschuss „Optische Technologien“ des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF)
seit 2003
Rotarierin im RC Weilheim
seit 2005
Interessenvertretung der europäischen Technologieplattform „Photonics21“
seit 2006
Mitglied im Kuratorium der Bayern-Innovativ GmbH

Ehrungen:

1984
Auszeichnung der Staatsexamensarbeit mit einem Sonderpreis der Walther und Christine Richtzenhain Stiftung des Deutschen Krebsforschungszentrums, Heidelberg
1998
Innovationspreis der Bayerischen Volksbanken und Raiffeisenbanken für die P.A.L.M. GmbH als „Mittelstandsbetrieb des Jahres 1998“
2001
Philip-Morris-Forschungspreis
2002
Anerkennungspreis im Rahmen des Bayerischen Innovationspreises
2006
Berthold Leibinger Innovationspreis

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Dr. rer. nat. Carsten Hoyer

15.09.1965
geboren in Mannheim
1985 – 1992
Studium der Chemie an der TU Karlsruhe und an der Ruprecht-Karls-Universität, Heidelberg
1992 – 1993
Diplomarbeit am Institut für Physikalische Chemie an der Ruprecht-Karls-Universität, Heidelberg
1993 – 1996
Dissertation am Institut für molekulare Biotechnologie an der Friedrich-Schiller-Universität, Jena
1997
Promotionsprüfung an der Biologisch-Pharmazeutischen Fakultät der Friedrich-Schiller-Universität, Jena
01.07.1997
Produktmanager für Inverse Mikroskope Carl Zeiss Jena GmbH
2001 – 2004
Leitung des Bereichs BioMed im Produktmanagement des Geschäftsbereichs Lichtmikroskopie beim Carl Zeiss Werk, Göttingen
2004 – 2005
Mitglied des Aufsichtsrats bei P.A.L.M. Microlaser Technologies GmbH, Bernried
seit 2005
Leiter der Abteilung Development & Science bei P.A.L.M. Microlaser Technologies GmbH, Bernried

Mitgliedschaften:

seit 2002
Vertreter von Carl Zeiss Göttingen im Measurement Valley e. V.

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Dr. rer. nat. Yilmaz Niyaz

18.07.1969
geboren in Istanbul/Türkei
1991 – 1992
Studium der Biologie im Vordiplom an der Freien Universität Berlin, Berlin
1992 – 1998
Studium der Biologie an der Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg und Diplom-Abschluss
1997 – 2002
Wissenschaftlicher Mitarbeiter, Ruprecht-Karls-Universität, Heidelberg
2003
Promotion in Biologie an der Ruprecht-Karls-Universität, Heidelberg
2003 – 2005
Applikationsspezialist im Bereich Entwicklung bei der Fa. P.A.L.M. Microlaser Technologies AG, Bernried, im Bereich Forschung & Entwicklung
seit 2005
Applikationsspezialist im Applikationslabor bei der Fa. P.A.L.M. Microlaser Technologies GmbH, Bernried

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Kontakt

Projektsprecher

Dr. rer. nat. Karin Schütze
Leitung Innovationsmanagement
P.A.L.M. Microlaser Technologies GmbH
Ein Unternehmen der Carl Zeiss MicroImaging Gruppe
Am Neuland 9 + 12
82347 Bernried
Tel.: +49 (0) 8158 / 99 71 214
Fax: +49 (0) 8151 / 99 71 149
E-Mail: karin.schuetze@palm-microlaser.com
Web: www.palm-microlaser.com

Pressekontakt

Sieglinde Hinteregger
P.A.L.M. Microlaser Technologies GmbH
Ein Unternehmen der Carl Zeiss MicroImaging Gruppe
Am Neuland 9 + 12
82347 Bernried
Tel.: +49 (0) 8158 / 99 71 218
Fax: +49 (0) 8158 / 99 71 249
E-Mail: s.hinteregger@palm-microlaser.com
Web: www.palm-microlaser.com

Gudrun Vogel
Carl Zeiss Jena GmbH
Kommunikation
Carl-Zeiss-Promenade 10
07745 Jena
Tel.: +49 (0) 3641 / 64 27 70
Fax: +49 (0) 3641 / 64 29 41
E-Mail: g.vogel@zeiss.de
Web: www.zeiss.de