Mit den Augen hören: Die Akustische Kamera

(v.l.n.r.) Dipl.-Ing. (FH) Dirk Döbler, Dr.-Ing. Gerd Heinz, Swen Tilgner

Dr.-Ing. Gerd Heinz (Sprecher)
Dipl.-Ing. (FH) Dirk Döbler
Swen Tilgner

Gesellschaft zur Förderung angewandter
Informatik e.V. (GFaI), Berlin

Lärm macht krank. Daher ist es eine wichtige Aufgabe für die Konstrukteure von Maschinen oder Fahrzeugen, die Geräte so leise wie möglich zu machen.

Doch wie lässt sich feststellen, wo genau die Verursacher des Krachs in einer Maschine sitzen?

Die Antwort: Man muss das Gedröhn für die Augen sichtbar bar. Die technische Voraussetzung dafür schufen Gerd Heinz, Dirk Döbler und Swen Tilgner von der Berliner Gesellschaft zur Förderung angewandter Informatik e.V. (GFaI) mit der Entwicklung einer „Akustischen Kamera“. Gerd Heinz ist bei der GFaI verantwortlich für die Applikation der Akustischen Kamera, Dirk Döbler leitet die Softwarenetwicklung, Swen Tilgner den Bereich Fertigung, Einkauf und Konstruktion.

Getöse wird sichtbar gemacht

Um die Quellen für lauten Lärm einer technischen Anlage ausmerzen zu können, müssen die Ingenieure zunächst wissen, welche Lautstärke von den einzelnen Teilen des Geräts ausgeht. Das herauszufinden, war bislang oft ein schwieriges und zeitraubendes Unterfangen. Die Akustische Kamera hingegen bietet eine Möglichkeit, um Lärmemissionen sehr einfach, schnell und exakt zu orten und ihren Verursachern zuzuordnen. Mit ihr lassen sich „Schallbilder“ auf fast genauso simple Weise aufnehmen wie gewöhnliche Fotos mit einer Digitalkamera. Die räumliche Verteilung von Lärm wird so für das menschliche Auge erkennbar.

Die Akustische Kamera besteht aus mehreren Mikrofonen, die auf spezielle Weise angeordnet sind. Die von ihnen aufgefangenen Töne werden an einen Datenrecorder weitergeleitet, in digitale elektronische Signale verwandelt und von einem Computer ausgewertet. Aus den unterschiedlichen Laufzeiten der Schallwellen, die von den verschiedenen Komponenten etwa einer Produktionsmaschine oder eines Fahrzeugs ausgehen, berechnet der PC blitzschnell eine detaillierte Schallkarte.

Der Krach von Kolben lässt sich filmen

Gleichzeitig mit dem Schallbild nimmt eine Digitalkamera ein Foto des untersuchten Objekts auf. Aus der Überlagerung beider Bilder kann man unmittelbar erkennen, welcher Lärm von wo ausgeht. Indem mehrere Schallbilder in rascher Folge aufgenommen und aneinandergefügt werden, lassen sich sogar „Schallvideos“ drehen. Mit ihnen können Ingenieure auch die Geräuschemissionen bewegter Objekte analysieren, beispielsweise der auf und ab laufenden Zylinderkolben in einem Motor.

Die Berliner Forscher brachten die Akustische Kamera im Herbst 2001 auf den Markt. Die meisten der bisher verkauften Exemplare kommen in der Automobilindustrie zum Einsatz. Dort geht es den Technikern unter anderem um ein gezieltes Sound-Design der Wagen. Doch auch der Klang von Kühlschränken, Getrieben und Flachbildschirmen wird inzwischen mithilfe der Akustischen Kamera optimiert.

Das Vorschlagsrecht zum Deutschen Zukunftspreis obliegt den führenden deutschen Einrichtungen aus Wissenschaft und Wirtschaft sowie Stiftungen.

Das Projekt "Mit den Augen hören: Die Akustische Kamera" wurde von AiF- Arbeitsgemeinschaft industrieller Forschungsvereinigungen vorgeschlagen.

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2005 Erklärfilm Team 2

Mit den Augen hören: Die Akustische Kamera
Dr.-Ing. Gerd Heinz (Sprecher)
Dipl.-Ing. (FH) Dirk Döbler
Swen Tilgner

Hintergrundmaterial

Fragen an die Nominierten
Dr.-Ing. Gerd Heinz
Dipl.-Ing. (FH) Dirk Döbler
Swen Tilgner

Mit den Augen hören, das klingt ganz faszinierend. Ihr Projekt ist eine bereits im Einsatz befindliche neue Technologie, bei der es um die Ortung und Sichtbarmachung von Schall geht. Lassen Sie uns bitte zunächst das Sachgebiet definieren und einige Grundbegriffe klären.

Dr.-Ing. Gerd Heinz
Geräusche umgeben uns ständig, manche empfinden wir als angenehm, andere nicht, sie stören. Schall ist nicht sichtbar, und von daher war es stets aufwendig, Geräuschquellen zu finden, insbesondere dann, wenn sie z. B. in Maschinen versteckt waren. Der Mensch kann nun Informationen, die er über das Auge aufnehmen kann, sehr viel besser und eindeutiger identifizieren und zuordnen, als er das mit Geräuschen kann.

Bei unserer Arbeit geht es darum, Geräuschquellen, die es überall gibt, zu identifizieren und über ein besonderes Verfahren in Bilder umzusetzen, sie im Wortsinn „anschaulich“ zu machen. Die Objekte, die wir analysieren, sind Maschinen, vom Rasierapparat bis zum Auto oder Flugzeug. Eine wesentliche Problematik bei der Erfassung von Geräuschen besteht darin, dass sich Geräusche überlagern. Die Identifikation einer Schallquelle ist somit auch der erste Schritt dazu, diese leiser zu machen oder auszuschalten. Aus der Neuroinformatik kommend, machte ich – eher aus Spaß an der Freude – zwischen 1994 und 1996 die ersten Schallbilder und Filme unbewegter Objekte. Akustik-Kollegen gratulierten. Es kostete Jahre, herauszufinden, wie die Bildqualität zu verbessern ist, wo Anwendungsgebiete liegen, wer die Kundschaft sein könnte und wie die Technik auf Kundenbedürfnisse zugeschnitten werden kann. Die Medien halfen dabei. Wir sind seinerzeit über Briefverteileranlagen in die Problematik eingestiegen; das waren unsere allerersten Messungen. Wir hatten große Probleme, die Geräusche zu analysieren. Da laufen mehrere Maschinen in einer Halle, überall gibt es Störgeräusche und Reflexionen und man hat dennoch zu klären, wie die Schallabstrahlung einer Maschine zu bewerten oder wie sie zu verringern ist.

Das zu leisten war eine große Motivation. Dann folgten Baumaschinen und Hausgeräte. Liebherr und Bosch-Siemens unterstützten uns sehr. Allerdings hat sich dieser erste Bereich kommerziell als nicht ausreichend tragfähig erwiesen. Da war die Autoindustrie zum Glück viel attraktiver, mit Kollegen von Porsche oder Daimler arbeiteten wir später besonders intensiv zusammen.

Dipl.-Ing. Dirk Döbler
Die Erfindung der Akustischen Kamera ist vergleichbar mit dem Schritt vom Thermometer zur Infrarot-Kamera. Wenn Sie sich eine Hausfassade vorstellen: Bevor die Infrarot-Kamera erfunden wurde, war die einzige Möglichkeit, die Wärmedurchlässigkeit zu ermitteln, dass man mit einem Temperatursensor Stück für Stück die Fassade abscannt, die Werte aufschreibt und die Flächen dann farbig markiert. Ein sehr langwieriges Verfahren, mit sehr vielen Fehlern behaftet, weil zwischen diesen Messungen Wind weht, dann kommt die Sonne raus, es wird dunkel und so weiter.
Ähnlich war es in der Akustik auch. Man hatte ein Mikrofon, man konnte eine Maschine Stück für Stück abscannen, sich die Werte aufschreiben und sich so ein Bild machen. Mit der Akustischen Kamera wird in Sekunden eine Messung durchgeführt, es entsteht sofort ein Bild. Entweder von einem Augenblickszustand oder eine Abfolge von Bildern für dynamische Ereignisse, zum Beispiel bei einem Motor, bei dem Zylinder nacheinander zünden. Das ist der eigentliche große Schritt in der Akustik.

Wir reden bei Ihrem Projekt von einer technologischen Entwicklung, die sich seit 1995 in einzelnen Schritten konkretisiert hat. Die wissenschaftliche Beschreibung der Vorgänge ist sehr komplex. Was ist – für den Laien verständlich – eine Akustische Kamera?

Swen Tilgner
Der Vergleich mit der Wärmebildkamera ist schon zutreffend. Über ein Mikrofonarray werden akustische Ereignisse aufgenommen; diese werden im Datenrecorder digitalisiert, und ein PC berechnet aus den Laufzeitdifferenzen der verschiedenen Mikrofone Schallkarten. In diesen Karten werden laute Schallquellen rot, leise Emissionen beispielsweise blau dargestellt.

Dr.-Ing. Gerd Heinz
Ein Schallbild entsteht so, dass man das Bild der Videokamera mit der berechneten Schallkarte überlagert. Man kann erkennen, an welchen Stellen die Maschine oder der Motor laut ist. Das Ergebnis kann man dann spektral für verschiedene Frequenzbereiche oder mit anderen Methoden weiter auflösen. Und man kann in das Bild hineinhören, indem man auf dem Foto bzw. der Lärmkarte mit der Maus herumfährt, um subjektive Eindrücke nachvollziehen zu können: Was war denn dort an dieser Stelle, warum ist es dort eigentlich so laut?

Dipl.-Ing. Dirk Döbler
Der Trick ist, dass wir in der Software das durchführen, was in der Optik die Aufgabe einer Linse ist: Bei der Linse werden die Strahlen, die von einem Objekt ausgehen und auf die Linse treffen, auf dem Foto, dem Film, wieder zu einem Punkt zusammengeführt. Nun gibt es auch akustische Linsen, aber die sind so unhandlich, dass man damit nicht umgehen kann. Wir nehmen sozusagen an der Oberfläche der „Linse“, das sind unsere Mikrofone, die akustischen Strahlen oder Wellen auf und führen sie im Computer wieder an einem Punkt zusammen. Dadurch entsteht im Computer jenes Bild, welches in der Optik auf dem Film entsteht.
Dazu ist ein erheblicher Rechenaufwand zu betreiben. Das ist vielleicht auch der Grund, warum diese Technik bisher nicht zum Zuge kam. Man muss fairerweise sagen, dass sich natürlich auch andere daran versucht haben, sie sind aber letztendlich immer in universitären Stadien stecken geblieben. Dr. Heinz hat als erster erkannt, dass diese Technik mehr verdient als ein Nischendasein.
Es gibt einen Markt dafür, und eigentlich brauchen sehr viele Leute so ein System händeringend. Früher ist man mit Wohnwagen angerückt, ganze LKWs voll mit Technik, eine Woche Aufbau, dann hat man einige Tage gemessen, dann eine Woche Abbau, dann dauerte es einige Wochen – Rechenzeit. Und dann kam vielleicht ein Ergebnis heraus. Vielleicht hat man nach drei Monaten auch festgestellt, dass man etwas ganz anderes gemessen hatte, als man eigentlich wollte! Und darin liegt die wesentliche Innovation: Dr. Heinz hat erkannt, dass sich das doch einfacher, kleiner und schneller machen lassen muss.

Dr.-Ing. Gerd Heinz
Wir haben in den Jahren vor 1994 angefangen und zunächst viel Energie in die Entwicklung der Rechenleistung gesteckt. Selbst 1997 haben wir noch einen Prozessor entwickelt, der 2000 für diese Aufgabenstellung fertig sein sollte. Als er dann fertig war, waren die PCs schon wieder viel schneller geworden. So brachen wir die Prozessorentwicklung ab und verließen uns darauf, dass die Intels „von allein“ schneller werden.

Dipl.-Ing. Dirk Döbler
Die Rechenzeit ist sicherlich etwas Entscheidendes für dieses Projekt gewesen. Konkret sind die Rechner seit 1998 etwa um den Faktor 30 schneller geworden. Es gibt ja das Mooresche Gesetz: Verdoppelung der Rechenleistung alle eineinhalb Jahre. Die Software jedoch konnte ich durch verschiedenste Optimierungen des Algorithmus um den Faktor 300 beschleunigen. Zusammen mit der Vervielfachung der Rechenleistung rechnen wir heute also 9000 mal schneller als damals. Dadurch haben sich die Rechenzeiten von Tagen auf Sekunden reduziert.
Das war sicherlich ein Knackpunkt, und wir hatten auch ein bisschen Glück, dass das andere vor uns nicht erkennen wollten oder konnten. Dr. Heinz hat die Marktchance, ein solches Gerät der Industrie anbieten zu können, erkannt: Wenn wir es schaffen, den Vorgang so zu vereinfachen, dass man mit wenigen Handgriffen ein brauchbares Schallbild generiert, dann sollte auch jemand bereit sein, dafür Geld zu bezahlen. Darum geht es ja letztendlich immer.

Ist das „nur“ eine konsequente Weiterentwicklung einer Technologie, oder was ist die echte Innovation, die mit der Nominierung zum DZP gewürdigt wird?

Dr.-Ing. Gerd Heinz
Um die Innovation zu charakterisieren: Es gab um 1993 – das waren Kollegen von MBB – ein erstes Schallbild vom Transrapid. Der sauste an so einer Mikrofon-Array-Anordnung vorbei. Das war bekannt, und daran haben auch andere Akustik-Teams gearbeitet.
Ich bin eher zufällig, über eine Untersuchung zur Physik nervlicher Netze, zur Akustik gekommen. Ich hatte 1993 Wellenausbreitung auf Leitbahnen studiert und neben anderen Dingen spiegelverkehrte Abbildungen entdeckt. So untersuchte ich zunächst Nervenimpulse, Soft- und Hardware wurden entwickelt. Fördermittel waren auf diesem Gebiet aber schwer zu erhalten, und so wurden eher aus Jux Mikrofone an unser Eigenbau-EEG-Gerät angeschlossen. So erhielt ich 1994 das erste akustische Standbild, allerdings in nicht besonders guter Qualität. Das war aber noch zu früh, um es an die große Glocke zu hängen. Ein Software-Bug bescherte 1996 eine weitere Innovation. Um den Fehler zu finden, wurde der Algorithmus in Teile zerlegt. Und wie der Zufall es will, wurde daraus der erste akustische Film.
Es hat sich als richtig erwiesen, diesen Weg weiterzuverfolgen: Wir hatten nun bereits die zweite Basisinnovation, und weitere Innovationen, wie z. B. die integrierte Videokamera oder das Abhören des Bildes, folgten. Aber es gehörte schon ein gewisser Mut dazu, nicht-stationäre Geräusche in akustischen Filmen darstellen zu wollen. Dieser Thematik waren Akustiker damals wenig zugänglich.

Swen Tilgner
Die eigentliche Innovation sehe ich darin, dass es ein komplettes Gerät ist, das man jedem beliebigen Messtechniker an die Hand geben kann. Das System ist marktreif, es wird verkauft. Es ist keine Hochschulanwendung mehr, sondern ein Produkt. Die Akustische Kamera ist robust und mobil einsetzbar, die Nutzeroberfläche intuitiv bedienbar.

Dipl.-Ing. Dirk Döbler
Wir haben es durchgesetzt – auch gegen die Meinung vieler Akustiker. Da gibt es ja heute noch einige, die meinen: Das geht nicht, alles nur bunte Bilder. Es ist einfach gegen ihre Grundüberzeugung: Das geht nicht, das wollen wir nicht. Das war wirklich ein harter Kampf. Und den Marktdurchbruch haben dann auch nicht die Akustiker gebracht, sondern einfach Leute, die mit praktischen Problemen beschäftigt waren. Die sagten: Ich habe ein konkretes Problem, ich brauche eine konkrete Lösung, und wenn manchen die Theorie dazu nicht passt – wenn es in der Praxis funktioniert, dann reicht mir das. Es geht um die praktische Anwendung.

War dieser Entwicklungsprozess ein „glatter Gang“ oder hat es hierbei Höhepunkte, unerwartete Ereignisse oder auch Misserfolge gegeben?

Dipl.-Ing. Dirk Döbler
Die Tiefpunkte lagen sicher in den Anfängen; Swen Tilgner und ich sind 1998 zu Dr. Heinz gekommen, während gleichzeitig die damalige Basistruppe ausschied. Es gab sicher immer wieder die Situation, wo man sich fragte, bringt es überhaupt noch etwas? Auch im eigenen Haus musste man schon um die Unterstützung kämpfen. Da gab es auch viele Lächler ... Das ist aber bei solchen Entwicklungen immer so. Wenn nicht gleich Geld verdient wird, dann ist es schwierig.

Dr.-Ing. Gerd Heinz
Aus der Historie erklären sich vielleicht einige Dinge, die im Rückblick merkwürdig erscheinen mögen: Ich hatte 1992 einen physikalischen Zugang zum Neurocomputing entdeckt. Plötzlich konnten ganz seltsame Sachen berechnet werden, wie Datenadressierbarkeit, nervliche Redundanz oder Zooming und Movement. Spiegelverkehrte Kartierungen konnten nun analysiert werden, die kannte man nur aus der Optik.
Das führte dazu – ich war gerade dabei, ein Ingenieurbüro zu eröffnen –, dass ich meinen Computer zweckentfremdet habe, um ein Buch über Welleninterferenz auf Leitbahnen zu schreiben.
Ich wollte diese verkehrte Welt auseinander dröseln, um einen Einstieg in dieses Feld zu bekommen. Und dabei kommen einem viele neue Ideen, was sich alles so entwickeln lässt auf diesem Gebiet. Man bemüht sich zunächst um Grundlagenforschungsmittel. Aber man stößt dabei immer wieder auf Gutachter, die sagen, das kenn’ ich nicht, das verstehen wir nicht. Die Reaktion war, dass wir uns auf eine Applikation konzentriert haben, mit der man die Netzwerkeigenschaften demonstrieren konnte: die Akustische Kamera war eigentlich zunächst nur als Applikation gedacht.
So richtig ernst wurde es erst allmählich, und zwar in dem Maße, in dem immer mehr Kunden kamen. Die Presse spielte auch eine entscheidende Rolle. Da stand mal etwas in einer Zeitung und dann kamen immer mehr Presseleute, mit den Presseleuten natürlich immer mehr Kunden, und plötzlich war ich nicht mehr Wissenschaftler, sondern fünf Jahre lang nur noch Manager, Kundenberater, Dienstleister oder Vertriebsmann. Mein Job wandelte sich dramatisch, aber kontinuierlich. Die Arbeit nahm immer mehr zu, bis wir – das war ein harter Kampf – Vertriebsleute mit ins Boot nehmen konnten. Damit hat sich die Situation etwas entspannt, und jetzt kann ich sogar am ersten Buch über akustische Photo- und Kinematographie für Springer arbeiten.

Sie arbeiten hier in einer „Ideenschmiede“ mit vielen unterschiedlichen Bereichen. Wie strukturiert sich das und wie sieht das Team aus, das am Projekt beteiligt war?

Dipl.-Ing. Dirk Döbler
Wir haben hier in der Gesellschaft zur Förderung angewandter Informatik (GFaI) eine sehr positive Arbeitsatmosphäre und große Freiräume, die man auch braucht, um kreativ zu sein und Ideen umzusetzen. Als ich anfing, waren wir ein sehr kleines Team, vier Leute: Swen Tilgner , Dr. Heinz natürlich, Than Nguyen und ich. Von 1998 bis 2000 kamen mehrere „Durchgangskandidaten“. Die haben ein halbes Jahr gearbeitet und immer mit dem Argument aufgehört, dass das ja doch alles nichts wird. Die Bezahlung war natürlich auch nicht so toll. Zu der Zeit gab es den Internet-Boom mit dem großen Push für alle Netzwerkmanagementleute. Die Firmen schossen wie Pilze aus dem Boden. Da war es dann nicht leicht zu sagen, wir glauben aber an diese Idee und nicht an irgendwelche Internet-Cafés. Das war wirklich ein ganz kleines Kernteam. Und erst als die Erfolge am Horizont sichtbar waren, da ging es dann auch mit der Personalstruktur aufwärts.

Dr.-Ing. Gerd Heinz
Unser Chef hat eine eiskalte Regel, die heißt: Sie können nur das ausgeben, was Sie einnehmen. So musste man schon über längere Zeit Überschüsse in Form von Industrieaufträgen produzieren, um wieder einen Mann beantragen zu können. Insofern war es manchmal bitter, manches hätte vielleicht schneller gehen können. Aber das ist auch der Vorteil der GFaI: Es ist ein Forschungsbetrieb, bei dem es langsam, aber stetig bergauf geht, dessen Personal wächst und dem es immer besser geht.
Wenn wir die GFal mit staatlichen Förderstrukturen in Deutschland vergleichen, hat dieser quasi privatwirtschaftliche e.V. – so ganz privat ist ja ein Verein auch nicht – ein paar sehr interessante Seiten. Nämlich dass jede Arbeitsgruppe ganz genau messen kann, ob es bei ihr voran oder rückwärts geht. Damit blüht ein Forschungsbereich entweder auf oder er verschwindet wieder vom Markt. Im Gegensatz zu staatlich geförderten Strukturen sind wir zu Erfolg, nicht zu Papers verdammt. Das sind die Chancen der Industrieforschung. Aber Grundlagenforschung kann man mit diesem Prinzip natürlich eigentlich nicht betreiben, auch wenn sie bei der Akustischen Kamera geleistet werden musste.

Sie sind bereits mit verschiedenen Preisen für Ihre Arbeit ausgezeichnet worden. Welchen Einfluss haben solche Ehrungen auf Ihre Arbeit?

Dr.-Ing. Gerd Heinz
Einen ganz großen Einfluss. 2001 haben wir den Otto-von-Guericke-Preis bekommen und drei Monate später fing das Geschäft an, das stand sicher in gewissem Zusammenhang. Es ist ja nicht so, dass eine Erfindung sofort erfolgreich ist. Da fährt 1865 ein Auto durch Wien, und gleich wollen alle dieses Auto haben? Denkste – es ist ganz anders. Der erste Erfinder scheitert, wird wegen des Geknatters immer wieder verhaftet. Als dann vor 1890 die ersten Autos kamen, standen sie in Konkurrenz zu den Pferdewagen und außerdem zu den Dampfautos, denn in Rennen waren die Benziner den Dampfwagen bis gegen 1900 stets unterlegen. Ansonsten waren sie viel teurer als Pferdewagen. So ähnlich war das bei uns auch. Es war nicht so, dass sich die Leute sofort danach gerissen hätten. Es gab also eher eine vornehme Skepsis. Keiner wusste, ob man sich so richtig darauf verlassen kann, ob das wirklich funktioniert und schneller geht als die klassische Methode per „Hand-Scan“.
Deshalb haben wir bei der ersten verkauften Kamera (bei Porsche) ein Experiment gewagt. Siegfried Mayer und Kim Havemann haben alles selbst ausgepackt und selbst in Betrieb genommen. Fünf Minuten später hatten sie das erste Bild: Sie waren begeistert. Wir natürlich noch mehr!
Es ist bei Messtechnik nicht unbedingt üblich, dass man intuitiv alles zusammenstecken kann und dass es dann auch noch funktioniert. Dazu sind üblicherweise lange Vorbereitungen nötig, gerade bei der akustischen Messtechnik, weil die Anordnungen so komplex sind, dass man dazu tagelange, wochenlange Erfahrung braucht. Wie fährt man so ein System hoch, wie kalibriert man es? Und dazu kamen auch noch die allgemeinen Vorbehalte, die ich schon erwähnte. Gerade bei den Akustikern. Natürlich hilft es dann, wenn das Projekt mal von Gutachtern oder einer Jury unter die Lupe genommen wird. Das kann dann nicht ganz so unmöglich sein. Die Auszeichnungen haben uns schon die Türen geöffnet.

Swen Tilgner
So ein Preis motiviert einen natürlich sehr. Wenn man das alles hier unter einen Hut bringen will, Entwicklung, Hardware, Software, nebenbei den ganzen Bürokram, schafft man das nicht mit einer 38-Stunden-Woche. Da ist so ein Preis eine Ehrung und Anerkennung, die einem klar macht, dass es sich gelohnt hat, so hart zu arbeiten.

Der Begriff „Innovation“ ist viel benutzt oder auch abgenutzt. Wie definieren Sie „Innovation“, insbesondere im Zusammenhang mit Ihrem Projekt?

Dr.-Ing. Gerd Heinz
Das ist sicherlich das, was beim Deutschen Zukunftspreis zu den Kriterien gehört. Eine Innovation muss irgendwo ein Marktpotential beinhalten, muss in gewisser Weise etwas Neues sein, oft nicht zwingend etwas ganz Neues. Wichtig sind das einfache Funktionieren und der Gebrauchswert. Innovation hat etwas von einem Rad: Sie muss etwas Einfaches, Ansprechendes und leicht Verständliches besitzen.

Dipl.-Ing. Dirk Döbler
Innovation ist eine nützliche Entdeckung oder Erfindung. Da gibt es zum Beispiel die Entdeckung des Penizillins, ein Stoff, der phänomenale Eigenschaften hat, der für viele Menschen lebensrettend ist. Oder aber, man setzt aus bekannten Dingen etwas völlig Neues zusammen, zum Beispiel die Eisenbahn. Es gab die Loren, die in den Bergwerken auf Schienen fuhren, es gab auch die Dampfmaschine, und einer kam auf die Idee, das einfach zusammenzubauen. Das war eine Innovation, die im wahrsten Sinne des Wortes die Welt bewegt.

Wir haben vorhin schon kurz den Einsatzbereich der Akustischen Kamera angesprochen. Welchen Nutzen hat der „normale Mensch“ von Ihrer Innovation?

Dr.-Ing. Gerd Heinz
Als wir die ersten akustischen Bilder herausgegeben haben, lebten wir zufälligerweise – ich betone: zufälligerweise, weil ich nicht weiß, ob es wirklich korreliert – in einer Zeit, in der eine Sensibilisierung gegenüber Schall einsetzte, warum auch immer. Wie gesagt, das kann zufällig sein, es kann auch ein subjektiver Eindruck sein. Es kann aber auch sein, dass die Sensibilisierung durch die Analogie dieser Bilder zur Optik ausgelöst wurde, weil man plötzlich genauere Vorstellungen bekam von dem, was Schall ist, wie Schall wirkt. Auf einmal konnte jedermann sich vorstellen, wie Lärm aussieht oder reflektiert wird. Zum Beispiel bei einer Windanlage, deren Propellerspitzen rot leuchten, oder bei einer U-Bahn, deren Räder im akustischen Bild rot leuchten – bei Tempo 30 sind sie laut. Dadurch, dass man Schall durch unsere Innovation qualifizierter wahrnimmt, nimmt sicher auch das allgemeine Diskussionsniveau zu. Dadurch aber, dass auch der Entwickler oder Konstrukteur (ohne Akustikstudium) nun etwas mehr versteht von dieser ihm unbekannten Welt, kann er bei seinen Produkten viel klarere initiale Maßnahmen gegen Lärm treffen.

Dipl.-Ing. Dirk Döbler
Zurzeit gibt es drei Hauptanwendungsgebiete dieser Technik. Da ist einmal die Lärmbekämpfung. Lärm ist ein Umweltgift, welches unterschätzt wird: Verkehrslärm, Auto, Eisenbahn, Flugzeug ... Es gibt Untersuchungen, dass zum Beispiel das Herzinfarktrisiko um 2 Prozent steigt, wenn man zu viel Lärm ausgesetzt ist, vor allem nachts. Der Tiefschlaf wird gestört. Der Körper wird immer wieder – die Straßenbahn rollt alle Viertelstunde da unten vorbei – aus dem Schlaf gerissen. Unsere erste Intention war es, ein Instrument zur Verfügung zu stellen, mit dem man zunächst einmal die Ursachen von Lärm erkennen und, weil erkannt, auch abstellen oder zumindest mindern kann.

Das zweite Anwendungsfeld ist Sound-Design. Das ist inzwischen auch der Bereich, womit wir das meiste Geld verdienen. Die Automobilhersteller bauen einen Motor, der muss gut klingen. Und wenn es irgendwo rasselt oder klappert, dann klingt dieser Motor nicht wertig. Die Nobelmarken legen auf den typischen Sound besonderen Wert; da will man in möglichst kurzer Zeit, denn Zeit ist Geld, Fehlerstellen aufspüren. Der Motor steht auf dem Prüfstand, der Prüfstand kostet viel Geld. Die Kosten, die dort entstehen, sind immens, und je schneller man diese Fehler findet und eliminiert, desto mehr spart man.

Das dritte Hauptanwendungsgebiet, das betrifft allerdings mehr die Forschung, das ist Qualitätssicherung. Es gibt ja die berühmte Anekdote vom Automechaniker, der in den Motorraum hört und prompt sagt, das dritte Ventil vorne, das muss man einstellen. Das möchte man objektivieren; wenn der Mann einen schlechten Tag hat, findet er den Fehler nicht. Man könnte mit akustischen Fotos zum Beispiel einen Soll-Ist-Vergleich durchführen und feststellen: So muss es aussehen. Oder aber: Da ist ein roter Fleck, nein, das kann nicht durchgehen ...

Swen Tilgner
Die breite Öffentlichkeit hat den größten Nutzen durch die Lärmbekämpfung. Ein Anlagenfahrer oder Maschinenbauer ist täglich Lärm ausgesetzt. Die Richtlinien für den Lärmpegel werden zwar gesenkt, trotzdem sind die genutzten Maschinen laut und dürfen nur mit diesen Mickymaus-Ohren, mit Gehörschutz, betrieben werden.
Mit unseren Methoden kommt man vom gefühlten Lärm weg und kann den Zustand exakt dokumentieren. Auch die Verantwortlichen werden sensibilisiert. Zeigt unsere Messung beispielsweise einen großen blauen Bereich und darin nur einen kleinen roten, so erkennt man sofort, wo genau gehandelt werden muss. Wird jedoch in Listen oder Tabellen ein Wert von 79,3 dB angegeben, ist dieser nicht sehr aussagekräftig. Unser System dagegen macht die Schallquellen angreifbar.

Die Technologie wurde bereits in ein erfolgreiches Produkt umgesetzt und wird vermarktet. Seit wann ist es exakt am Markt und wie sieht dieser Markt aus? Welchen Erfolg haben Sie mit dem Produkt? Was kostet so etwas? Wo wird produziert, und wie viele Arbeitsplätze sind daraus entstanden oder resultieren daraus?

Dr.-Ing. Gerd Heinz
Die Einführung, der erste Verkauf, war im September 2001. Zuvor haben wir das Produkt vielen Kunden vorgestellt. Wir haben Dienstleistungsmessen durchgeführt. Wir sind zum Kunden gefahren und haben offen gesagt, dass wir nichts Fertiges präsentieren können, sondern an ihren Objekten live messen wollen und die Probleme zunächst kennen lernen müssen. Damit startete die eigentliche Industrieentwicklung. 1999 war das Produkt schon so weit fertig, aber die Kamera war noch nicht integriert.
Unser Markt ist in erster Linie die Automobilindustrie, und da geht es zunächst nicht um Lärmvermeidung, sondern darum, Störgeräusche zu erkennen oder zu vermindern. Gerade in dem Bereich, wo akustische Emissionen von Baugruppen visualisiert werden, spielt die Kamera eine wichtige Rolle. Für unsere Kunden sind die entscheidenden Argumente, dass man den Schall dokumentieren kann, dass man Schall zu einer Leitungsentscheidung machen kann. Das ist eine ganz wichtige Sache. Die Bilder sind vom Leiter nachvollziehbar, sie sind „chefkonform“.
Das führte dazu, dass Daimler schon vier Akustische Kameras hat. Die klare Aussage von Chefs der Qualitätssicherung ist, dass man nun endlich etwas in der Hand hat, was man z. B. den Zulieferern per Bild als E-Mail schicken kann. Vorher hat man bei Qualitätsmängeln vier Wochen nach Ursachen geforscht, hat einen zig-seitigen Bericht geschrieben, der wurde dann an den Zulieferer geschickt. Dann dauerte es weitere vier Wochen, und dann hat der Akustiker des Dienstleisters den Gegenbericht geschickt. Und als Chef konnte man im Endeffekt nichts machen: Liegt es an der Lichtmaschine oder liegt es am Einbau der Lichtmaschine oder an der Umgebung, dass die wie eine Trompete den Lärm hinausbläst? Ein Bild aber versteht jeder Manager: Da ist es rot, da ist es blau, und ihr oder ihr müsst das Problem lösen.

Dipl.-Ing. Dirk Döbler
Nach dem ersten Anstoß entwickelt sich ein Prozess: Hat die eine Abteilung so eine Kamera, will die andere auch eine, denn die bekommt immer die Bilder vorgesetzt. Die Bilder sind natürlich sehr suggestiv. Man kann schlecht etwas dagegen sagen, sie zeigen mehr als Zahlen. Früher gab es Listen mit Werten, jetzt das Bild. Ein überzeugendes Argument.
Zunehmend gehören jetzt auch Zulieferer zu unseren Kunden. Der schwarze Peter wird gerne weitergereicht: Fensterheber, Lichtmaschine, Türverriegelungen – das sind alles Teile, die Geräusche verursachen.
Weiterhin gibt es Firmen, die das System kaufen, um damit Dienstleistungen anzubieten. Und es gibt zunehmend Kunden außerhalb des Automobilbaus. Kühlschränke, Getriebe und sogar Plasmabildschirme werden mit der Akustischen Kamera optimiert.

Dr.-Ing. Gerd Heinz
Das System kostet um die 100.000 Euro. Hier am Standort in Adlershof sind 15 Leute tätig, wir haben aber darüber hinaus 2004 ein internationales Dienstleistungsnetz aufgebaut, so dass sich in jedem Land ein bis zwei Leute um den Vertrieb der Kameras kümmern. In Deutschland existiert darüber hinaus ein Dienstleisternetzwerk. Damit sind schon vor Jahren weitere Arbeitsplätze entstanden. Dann kommt hinzu, dass wir etwa 120 Zulieferer haben. Das sind manchmal triviale Dinge, wie Gummis, Schrauben oder Blechteile etc. Aber wie auch immer, es entsteht ein Marktpotential, und es entstehen viele neue Jobs dadurch.

Wie sieht die Wettbewerbs- bzw. die Patentsituation aus? Wie stehen Sie mit Ihrem Produkt im internationalen Vergleich? Und welche Weiterentwicklungen gibt es möglicherweise noch?

Dipl.-Ing. Dirk Döbler
Seit zwei Jahren sind die großen Akustikhersteller ebenfalls aktiv. Ein Mitbewerber hat sich Ende 2002 entschlossen, auch auf diesem Gebiet tätig zu werden, obwohl wir von ihm vorher eher ein mitleidiges Lächeln geerntet haben, wenn man sich auf Messen getroffen hat.
Ein weiterer Wettbewerber ist jetzt wieder vom Markt, sie haben das nicht als lukrativ gesehen, oder es passte nicht in deren Marktstrategie. Und es gibt einen, der sich auf diesem Gebiet betätigt, allerdings nicht mit einer Lösung als Produkt, sondern als Dienstleister. Das System ist so komplex, dass es bis jetzt wohl nicht verkauft werden kann. Seit kurzem gibt es einen Anbieter aus Dresden und einen aus Japan.

Dr.-Ing. Gerd Heinz
Aber wir haben all die Eigenschaften, die elementar sind, patentrechtlich sichern lassen, daran kommen andere nicht wirklich vorbei. Jetzt passiert die Anmeldung in den einzelnen Ländern. Es wird sicher im Verlauf der Zeit weitere Patente für weitere Neuentwicklungen geben.

Dipl.-Ing. Dirk Döbler
Grundsätzlich geht die Weiterentwicklung in die Richtung kleiner, schneller, besser, so wie die allgemeine Entwicklung der Technik auch. Wir wollen ein System anbieten, das nicht teurer ist als das System von heute, aber doppelt so leistungsfähig, außerdem soll es mehr Features haben. Die Entwicklung geht auch in die Richtung, dass man nicht nur eine Fläche, sondern auch Innenräume von Flugzeugen, von Autos kartieren kann. Es gibt bei den großen Flugzeugherstellern immer Probleme mit Schall, weil Strömungsgeräusche von außen in die Kabine dringen. Ich selbst habe schon einmal im Flieger an einer Stelle gesessen, an der ich am Schluss wirklich taube Ohren hatte. Da möchten die Hersteller natürlich auch genau wissen, wo, an welchen Stellen, an welchen konstruktiven Elementen wie Fenster, Fensterrahmen, Spanten oder Holmen das in den Raum übertragen wird. Es geht also in Richtung 3D.

Wie schätzen Sie das Klima für Forschung und Innovation in Deutschland ein, und wie stehen wir in Deutschland im internationalen Vergleich da?

Dr.-Ing. Gerd Heinz
Aus der Erfahrung der Weltmarkteinführung unseres Projektes gesehen, kann man feststellen, dass wir in Deutschland ein sehr gutes Klima und eine hohe Innovationskultur haben. Es gibt viele Leute, die glauben, weil manche Märkte immer expansiver werden, Beispiel China, herrsche dort Innovationskultur. Man muss aber genau hinschauen, was dort eigentlich passiert. Wenn man ein neues Gerät herausbringt, z. B. ein Handy, nimmt man die zehn besten Handys, die auf dem Weltmarkt sind. Dann geht der Präsident zu seinen Entwicklern, legt denen die zehn Geräte hin und sagt: Innerhalb von zwei Wochen fertigt ihr eine Aufstellung darüber an, welches Feature von welchem Handy implementiert wird. Damit wird ein neues Handy entwickelt. Das ist natürlich auch eine Innovationskultur, leider eine, die uns verloren gegangen ist, das muss man auch kritisch betonen. Aber das ist noch nicht die Innovationskultur, die man braucht, um Basisinnovationen zu erarbeiten. In der Beziehung sieht es weltweit nicht sonderlich toll aus, da stechen aus meiner Sicht gerade mal die USA oder Israel hervor, da dort genügend Freiraum gegeben ist, Teams finanzieren zu können, die mit hohem Risiko wirklich neue Ideen umsetzen.
Wir haben hier in Deutschland viele Standortvorteile. Wir haben qualifizierte Leute und hervorragende Infrastrukturen. Unser Problem ist ein anderes: Das ist die Tatsache, dass Politiker gern verdrängen, dass sich, wenn jährlich fünfmal so viele Arbeitsplätze abgebaut wie neu geschaffen werden, dort etwas aufsummiert. Dass dann plötzlich sechs Millionen Arbeitslose dastehen. Das Problem in Deutschland ist, dass die Politik nicht über Kosten von Globalisierungseffekten oder Bürokratie und die notwendigen gesetzlichen Umsetzungen nachdenken kann, das schiebt man gern der nächsten Regierung in die Schuhe. Dass man da so furchtbar blauäugig in Dinge hineinschlittert, wofür man erst Jahre oder Jahrzehnte später die Rechnung – unter einer anderen Regierung – serviert bekommt. Hier hat unser Demokratieverständnis einen Konstruktionsfehler. In der Forschung allerdings hapert es an der Umsetzung von Ergebnissen. Wir sind Spitze im Forschen, fördern aber kaum Mechanismen, Ideen in die Produktion zu überführen. Die Industrieforschung könnte zu solch einem Mechanismus gestaltet werden. Aber das Innovationsklima würde ich als gar nicht schlecht beurteilen. Vielleicht sind wir auf unserem Territorium in Adlershof besonders privilegiert, aber es gibt ja mehrere solche Territorien in Deutschland. Es sieht eigentlich überall ähnlich aus: eine Menge kreativer Leute, die tolle Dinge machen.

Dipl.-Ing. Dirk Döbler
Wir haben natürlich auch das Glück, in einem recht unverfänglichen Bereich zu arbeiten. Jeder möchte, dass es ruhig ist, da sind natürlich sehr viele aufgeschlossen. Es gibt aber auch Bereiche, in denen es nicht so ist, wie in der Gentechnik oder bei der Kernenergie. In diesen Bereichen ist Deutschland als Land der Erfinder und Ideengeber doch ein bisschen abgerutscht. Da gibt es bei vielen eine recht technikfeindliche Einstellung. Wir sind nun mal ein Hochlohnland und können nur mit Innovation, mit Ingenieursleistung, letztendlich mit neuen Ideen auch diese hohen Löhne finanzieren. Und wenn wir jetzt sagen, das machen wir alles nicht, wir fangen an, Biorüben anzubauen – damit wird man die Zukunft nicht bestreiten können. Da können die Medien auch eine gewisse Verantwortung übernehmen und positives Denken transportieren: den Glauben daran, dass wir die Probleme meistern können, die wir teilweise auch selbst verursachen.

Der Deutsche Zukunftspreis gilt den Menschen, die hinter den Projekten stehen. Deshalb möchten wir gerne auch etwas Persönliches über Sie erfahren. Welchen Berufswunsch hatten Sie eigentlich als Kind, oder wie sind Sie zur Akustischen Kamera gekommen?

Dr.-Ing. Gerd Heinz
Eigentlich wollte ich Philosophie studieren. Aber ich war leidenschaftlicher Bastler. Funkfernsteuerung und Modellflugzeuge, Radios und Schiffe, elektronische Orgel oder Hovercrafts mit Benzinmotor. Es war schrecklich – ich hatte nie Zeit für Hausaufgaben. Als mir klar wurde, dass ich als Philosoph ein Bastler bleiben würde, habe ich Elektronik studiert – um dort vielleicht ein wenig die philosophische Ambition einbringen zu können.

Swen Tilgner
Ich muss ehrlich sagen, ich weiß es nicht mehr. Ich habe in meiner Kindheit viel gebastelt, konstruiert und elektrotechnische Dinge aufgebaut. Meine Eltern haben mich darin sehr unterstützt. Das ist genau das, was ich jetzt beruflich mache.

Dipl.-Ing. Dirk Döbler
Ich wollte Pilot werden. Aber das war in der DDR nicht so ganz einfach. Man konnte nur Jagdflieger werden, Piloten gab es nur ganz wenige. Ich habe mich aber dann getröstet und Modellflugzeuge gebaut. Funkfernsteuerungen gab es auch kaum in der DDR, aber irgendwie hat man was organisiert. Darüber bin ich dann auch zur Elektronik gekommen: Ich habe mir gesagt, gut, Pilot werde ich nicht, dann werde ich eben Elektroniker, Wissenschaftler, Schaltungen entwerfen. Das hat aber auch nicht geklappt. Da haben Dr. Heinz und ich Parallelen: Wir beide haben Väter, die in den Westen abgehauen sind, und das wurde mir in der Schule deutlich gemacht. Das war eine Art Sippenhaft, man wurde komisch für etwas angeguckt, wofür man gar nichts konnte. Da sagt man sich auch selber, na, hier muss etwas nicht in Ordnung sein. Ich habe dann auch den Rebellen raushängen lassen. Dann wurde mir ganz klar gesagt: Also Studium, daran brauchen Sie nicht zu denken. So bin ich Elektromaschinenbauer geworden. Erst einmal. Bis zur Wende. Alles andere kam erst später.

Gab es Vorbilder oder Ereignisse in Ihrer beruflichen Laufbahn, die Sie besonders geprägt haben?

Dr.-Ing. Gerd Heinz
Ich habe nie darüber nachgedacht. Ich hatte immer den Kopf voller Ideen und wollte immer das machen, was ich gerade im Kopf hatte. Ich wurde Konstrukteur im Institut für Nachrichtentechnik in Berlin-Schöneweide. Das war aber eine Verlegenheitslösung. Ich habe die Stelle als Konstrukteur annehmen müssen, ganz furchtbar! Nach vier Wochen habe ich gekündigt, aber dort ein paar Leute getroffen, die angefangen hatten, erste Mikroprozessoren zu entwickeln. Ich habe dort einfach mitgemacht, denn die brauchten Leute. Ich hatte immer das Bemühen, etwas zu machen, womit man sich wohl fühlt. Wenn man das Gefühl hat, auf eine wirklich wichtige Sache gestoßen zu sein, die gelöst werden muss. Und dann sollte man das sicherlich ohne Rücksicht auf Geld oder Umfeld tun.
Aber wenn ich jetzt so nachdenke: Ich hatte da einen Mathe- und Physiklehrer, den Herrn Miegel, vielleicht lebt er ja noch, er müsste schon weit über 80 Jahre alt sein. Das war ein hervorragender Mathe- und Physiklehrer, der uns Elektronik beigebracht hat. Der war so unheimlich geduldig, hat mit uns elektronische Schaltungen berechnet, und das hat bei mir gewirkt, richtig stark. Plötzlich hatte es gefunkt. Vorher stand man noch in dem Laden in der Kastanienallee und wollte einen Widerstand kaufen, der genau 13465 Ohm hatte. Die Verkäuferin hat nur gesagt, den habe ich nicht, der Nächste bitte! Bis man irgendwann begriffen hat, dass die letzten drei Stellen überhaupt keine Rolle spielen.

Swen Tilgner
Über Vorbilder habe ich bisher noch nicht so richtig nachgedacht. Als Kind war das natürlich mein Vater; er ist handwerklich sehr begabt und hat auch viel mit mir gemeinsam gemacht. Da hatte ich natürlich den Wunsch, so zu werden wie er.

Dipl.-Ing. Dirk Döbler
Bei mir war es eigentlich mein Großvater, mein Vater war ja nicht da. Der hatte auch ein schwieriges Leben, zwei Kriege erlebt, zweimal mit nichts angefangen. Er war Schlosser von Beruf, weil seine Herkunft keine weitere Ausbildung zuließ, aber er war sehr begabt. Er hat mir in seiner Gartenlaube sehr viel gezeigt. Er hat einen Bausatz für ein Modellflugzeug gekauft und es mit mir zusammengebaut. Da gab es immer etwas zum Sägen, zum Hämmern, zum Bohren und zum Schrauben, und ich denke, das hat mich in diese Richtung gebracht: forschen, tüfteln, etwas Neues aus alten Materialien zusammenbauen.
Später im Beruflichen gab es keinen, von dem ich sagen könnte, der ist ein Vorbild gewesen. Ich glaube, ich bin in eine Richtung geschickt worden, und dann bin ich alleine weitergelaufen. Und wenn man Glück hat, dann wird man auch mal für den Deutschen Zukunftspreis nominiert.

Dr.-Ing. Gerd Heinz
Ich glaube, ganz wichtig ist, jemanden zu finden, der Verständnis und auch handwerkliche Fähigkeiten und Befähigung hat. Das war zum Beispiel bei mir der Nachbar Horst Knäfel. Der war Waffenschmied und Rüstmeister an der Volksbühne, also ein Mann mit wirklich goldenen Händen. Wenn man ihm beim Arbeiten zugesehen hat – man hätte eine Woche dafür gebraucht, was er in einer Minute zusammengeschoben hat. Bei dem wurden natürlich Ritterrüstungen innerhalb kurzer Zeit fertig gestellt. Er hat mit seinen beiden Söhnen gebastelt, und ich habe immer etwas abgucken können.

Welche Charaktereigenschaften haben Ihnen beruflich geholfen und welche waren eher hinderlich?

Dipl.-Ing. Dirk Döbler
Fangen wir mal mit den hinderlichen an. Ich bin einer, der sich schon mal treiben lässt. Ich bin nicht der, der sich die bestbezahlte Stelle an dem besten Institut sucht, der so lange sucht, bis er sie gefunden hat und da dann auch angestellt wird. Da würde ich mir für mich etwas mehr Initiative wünschen, den inneren Schweinehund zu überwinden. Positiv ist, wenn ich mich in eine Sache mal verliebt oder festgebissen habe, dann möchte ich die auch zu Ende bringen. Und ich lasse mich auch nicht von irgendwelchen Unwägbarkeiten abbringen; ich bleibe dann auch dabei.
Das hat mir sicher auch beim Studium geholfen – ich habe ja relativ spät angefangen. Ich musste nach der Wende das Abitur nachmachen, habe 1994 mit dem Studium angefangen, und bin mit 31 Jahren erst fertig geworden. Das war nicht so einfach, andere gründen bereits eine Familie und verdienen Geld, und man selbst hat noch viele Jahre ohne wirkliches Einkommen vor sich. Aber ich hatte mich dafür entschieden – gut, dann mache ich das. Alles andere war mir dann egal.

Swen Tilgner
Ich kann das bei mir nicht so klar in positiv oder negativ trennen. Da gibt es meinen Ehrgeiz, ähnlich wie bei Herrn Döbler. Wenn ich etwas anfange, dann möchte ich das auch fertig und richtig machen. Die zweite Sache ist mein Perfektionismus, der einem teilweise hinderlich wird. Dadurch geht die Arbeit manchmal langsamer voran. Der Ehrgeiz hat mir insofern geschadet, als ich heute noch kein abgeschlossenes Studium habe. Die jetzige Arbeitsstelle sollte nach meiner Ausbildung als Sprungbrett dienen, da viele mir empfohlen hatten: Geh erst mal in die Industrie, dann verstehst du das Studium besser. Ich habe mich aber so an den interessanten Aufgaben festgebissen, dass ich den Absprung zum Studium bisher nicht geschafft habe. Wenn man so viel Herzblut investiert hat und weiß, das Projekt kommt jetzt aus den Kinderschuhen heraus, fällt es sehr schwer, loszulassen.

Dr.-Ing. Gerd Heinz
Das eint uns drei und hat mir auch an unserem Team gut gefallen: dass wir drei technisches Wissen haben und dass die Herren wie ich die Erfahrung gemacht haben, dass man im Leben eine Sache zu Ende bringen muss. Diese Erfahrung habe ich schon als Schüler gemacht. Da hatte ich irgendwann einmal ein angefangenes Radio, eine angefangene Funksteuerung, ein angefangenes Auto, ein angefangenes Schiff dastehen und habe gemerkt, dass das nichts bringt. Das haben die beiden auch erlebt. Darauf war wohl die hervorragende Zusammenarbeit, die wir Drei hatten, gegründet. Dass man sich gnadenlos darauf verlassen konnte, dass etwas umgesetzt wurde, was man vorher abgestimmt hatte. Dass man so lange am Ball blieb, bis es funktionierte, jeder auf seiner Ebene. Wir haben hervorragende Teamarbeit geleistet, weil jeder ein kleiner Perfektionist auf seiner Strecke war. Man konnte sich darauf verlassen, dass etwas herauskommt.

Was machen Sie denn, wenn Sie nicht an Ihren Kameras basteln, womit entspannen Sie sich?

Dr.-Ing. Gerd Heinz
Ich fahre leidenschaftlich gern mit meinem Boot in den Berliner Gewässern umher. Wir haben hier in Berlin eine wunderschöne Umgebung. Familie und zwei Grundstücke machen auch viel Arbeit. Ich denke aber, das ist der richtige Ausgleich für Computer-Hocker, um fit zu bleiben.

Swen Tilgner
Meine Freizeit besteht fast ausschließlich aus Sport. Ich spiele aktiv Volleyball, nebenbei noch ein bisschen Badminton. Außerdem mach ich auch gerne mal richtig praktische Dinge. Ich habe beispielsweise dem Dirk beim Hausausbau geholfen oder arbeite im Garten. Das Handwerkliche eben, dabei kann ich mich sehr gut entspannen.

Dipl.-Ing. Dirk Döbler
Meine Freizeit gilt derzeit vor allem der Familie. Wir haben uns auch wohnlich verändert und sind ein bisschen ins Grüne gezogen. Das Wochenende verbringe ich dann mit Tätigkeiten wie Holz hacken, Rasen ansäen, Dachboden ausbauen. Meine Hobbys sind dabei etwas in den Hintergrund geraten. Aber wenn das dort so halbwegs auf der Reihe ist, kann man sich denen auch wieder widmen. Ich baue gern mal ein Modellflugzeug. Jetzt haben wir auch einen Segelflugplatz gleich um die Ecke. Ich habe schon mal darüber nachgedacht, dass ich den Segelflugschein machen könnte.

Was ist Glück für Sie und was wünschen Sie sich für die Zukunft?

Dr.-Ing. Gerd Heinz
Ich denke, Glück hängt sicher nicht mit Geld oder Besitz zusammen. Das ist anders. Familiäre Harmonie spielt eine Rolle, Toleranz zu den Mitmenschen. Aber auch der Beruf ist wichtig. Egal wie viel er einbringt, man sollte Freude an ihm haben, sollte sich wohl fühlen, sollte sich mit einer Lebensaufgabe identifizieren. Es sind nicht die hochdotierten Jobs, die glücklich machen. Für mich waren es auch die vergangenen Jahre. Wir hatten viel Spaß miteinander, gerade in den Ur-Anfängen der Kamera. Jeder hatte so viel Arbeit am Hals, dass man kaum aus den Augen gucken konnte. Das war eigentlich meine glücklichste Zeit. Für die Zukunft wünsche ich mir, die Ursprünge dieser Technik mehr popularisieren zu können – die Interferenznetzwerke nervlicher Art.

Swen Tilgner
Glück ist für mich, wenn verschiedene, positive Umstände zusammentreffen und ich persönlich oder auch wichtige Personen in meinem Umfeld etwas davon haben, materiell und ideell. Für die Zukunft wünsche ich mir einfach nur, dass wir hier alle auch weiterhin erfolgreich sind. Für mich persönlich heißt das unter anderem, dass ich mich überwinde und den Absprung zum Studium schaffe.

Dipl.-Ing. Dirk Döbler
Wichtig für mich ist, dass man sich täglich wohl fühlt. Dass man nicht nur mal große Glücksmomente hat. Die gibt es natürlich auch: Die Nominierung gehört dazu, die Auszeichnungen, die wir erhalten haben, und auf der privaten Seite die Hochzeit mit meiner Frau und die Geburt unseres ersten Kindes. Das zweite Kind kommt im September zur Welt, wenn hoffentlich alles gut geht. Für mich ist aber auch wichtig – die meiste Zeit im Leben verbringt man nun einmal mit der Arbeit –, dass man auch da glücklich ist. Es ist für mich ganz entscheidend, dass ich gern zur Arbeit gehe und sie nicht als Last empfinde, sondern dass ich mich täglich hier auf meine Aufgaben freue: Heute wird das fertig, morgen jenes, ich habe Erfolg, ich kann das vorzeigen, andere freuen sich mit mir, staunen vielleicht darüber, was man so alles machen kann mit neuen Ideen. Das ist Glück – auch die tägliche Befriedigung. Und genauso ist es im privaten Bereich. Unser Jüngster ist gerade 15 Monate alt, das nächste Kind wird wieder ein Junge. Es wird sicher sehr schön, die beiden aufwachsen zu sehen. Ich bin ja da ein bisschen spät dran, ich muss mich da auch erst in diese neue Rolle einleben. Also im Moment kann ich mir gar nicht einen glücklicheren Zustand vorstellen. Auf der privaten und beruflichen Seite ist der Erfolg da, mehr kann man sich nicht wünschen. Und Geld verdiene ich auch – es macht nicht glücklich, aber es beruhigt.

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Lebenslauf

Dr.-Ing. Gerd Heinz

12.05.1954
geboren in Oelsnitz/Vogtland
1972 – 1976
Studium der Elektroniktechnologie und Feingerätetechnik
an der Technischen Universität Dresden
1977 – 1978
Postgraduales Studium der Mikroelektronik an der
Technischen Universität Dresden
1976 – 1988
Konstrukteur, Entwickler, Themenleiter, Gruppenleiter,
Abteilungsleiter im Institut für Nachrichtentechnik,
Berlin-Schöneweide
1977 – 1979
Mitarbeit am ersten Ost-Berliner Mikroprozessorsystem im
Institut für Nachrichtentechnik, Berlin-Schöneweide
1979 – 1980
Entwurf des ersten integrierten Schaltkreises im Berliner
Territorium: PCM-30/32 Regenerator für 2 Mb/s, SBC Master
Slice mit 120 Transistoren im Institut für Nachrichtentechnik,
Berlin-Schöneweide
1988
Promotion
1988 – 1991
Abteilungsleiter am Zentralinstitut für Kybernetik und
Informationsprozesse der Akademie der Wissenschaften,
Berlin
1988 – 1989
Betreuung des größten und letzten ASIC der DDR:
Grayscale Image Preprocessor (GIPP) mit 120.000
Transistoren im Zentralinstitut für Kybernetik und
Informationsprozesse der Akademie der Wissenschaften,
Berlin
1990 – 1991
Synthesewerkzeuge für Datenpfadgenerierung auf Bäumen,
Voraussetzung für schnellstes Pipelining und höchste
Taktraten moderner Prozessoren, im Zentralinstitut für
Kybernetik und Informationsprozesse der Akademie der
Wissenschaften, Berlin
1991
Projektleiter des ersten Schaltkreises (Video-Schnittstellen-
IC „IOP“, 330.000 Transistoren) bei der SICAN GmbH,
Hannover
1992
Mitarbeit am größten IC Deutschlands 16x16 ATM-Koppel-
feld „ISE“, 860.000 Transistoren, bei der SEL AG, Stuttgart
1992 – 1994
Dozent in den Fächern Schaltungstechnik, Mikroprozessor-
technik, Informatik, Fachhochschule für Technik und Wirt-
schaft Berlin
1992 – 1993
Entdeckung spiegelnder Eigenschaften in neuronalen
Netzwerken, Moving- und Zooming-Effekte, Verschmel-
zung, neue Elementarfunktionen des Neurons, Unter-
suchung von Wellen auf Leitbahnen und von Pulswellen-
Abbildungen in privater Initiative, Manuskript „Neuronale
Interferenzen“ 1993
seit 1993
Mitarbeit an der Popularisierung von neuronalen
Interferenzsystemen bei der Gesellschaft zur Förderung
angewandter Informatik e.V., Berlin
seit 1995
Applikation „Akustische Kamera“ bei der Gesellschaft zur
Förderung angewandter Informatik e.V., Berlin

Ehrungen:

1984
„Banner der Arbeit III“ für erste kundenspezifische
Schaltkreise der Nachrichtenelektronik
1985
Bronzene Ehrennadel der Urania für besondere Leistungen
bei der Verbreitung wissenschaftlicher Kenntnisse
1987
„Nationalpreis der DDR, II. Klasse“ für kundenspezifische
Schaltkreise der Nachrichtenelektronik
2001
„Otto-von-Guericke-Preis“ der AiF (1. Preis) für die
Weiterentwicklung akustischer Bildgebungsverfahren
2003
„Innovationspreis Berlin/Brandenburg“ für Akustische Kamera

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Dipl.-Ing. (FH) Dirk Döbler

16.01.1967
geboren in Rostock
1973 – 1983
Besuch der 59. POS in Rostock
1983 – 1985
Lehre zum Elektromaschinenbauer im VEB Schiffselektronik,
Rostock
1985
Facharbeiter für Elektromaschinenbau
1985 – 1988
Schiffselektriker in der Warnow-Werft, Rostock
1993 – 1994
Erlangung der Fachhochschulreife
1994 – 1998
Studium der Technischen Informatik an der Fachhochschule
Stralsund
1995 – 1998
Stipendiat des Begabtenförderwerkes „Stiftung der
Deutschen Wirtschaft“
1998
Diplom
1998 – 1999
Hardwareentwicklung für die Akustische Kamera bei der
Gesellschaft zur Förderung angewandter Informatik e.V.,
Berlin
1999 – 2003
Softwareentwicklung für die Akustische Kamera bei der
Gesellschaft zur Förderung angewandter Informatik e.V.,
Berlin
seit 2003
Teamleiter der Softwareentwicklung für die Akustische
Kamera bei der Gesellschaft zur Förderung angewandter
Informatik e.V., Berlin

Ehrungen:

2001
Otto-von-Guericke-Preis der AiF
2003
Innovationspreis Berlin/Brandenburg

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Swen Tilgner

07.10.1977
geboren in Berlin
1984 – 1994
Besuch der Gesamtschule in Berlin-Buch
1994 – 1998
Ausbildung zum Elektroniker an der Technischen
Universität, Berlin
1998 – 2001
Angestellter im Forschungsbereich Signalverarbeitung
für die Entwicklung von Hardware und Mechanikkomponen-
ten der Akustischen Kamera bei der Gesellschaft zur
Förderung angewandter Informatik e.V., Berlin
2001 – 2005
Leiter Fertigung, Einkauf & Konstruktion Akustische Kamera
bei der Gesellschaft zur Förderung angewandter Informatik
e.V., Berlin

Ehrungen:

2001
Otto-von-Guericke-Preis der AiF
2003
Innovationspreis Berlin/Brandenburg

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Kontakt

Projektsprecher

Dr.-Ing. Gerd Heinz
Leiter der Entwicklung
Gesellschaft zur Förderung angewandter Informatik (GFaI)
Bereich Akustische Kamera
Rudower Chaussee 30
12489 Berlin
Tel.: 030 / 63 92-1652
Fax: 030 / 63 92-1602
E-Mail: heinz@gfai.de

Pressekontakt

Dagmar Poschenrieder
Sekretariat Signalverarbeitung
Gesellschaft zur Förderung angewandter Informatik (GFaI)
Rudower Chaussee 30
12489 Berlin
Tel.: 030 / 63 92-1624, -1600
Fax: 030 / 63 92-1630
E-Mail: poschenrieder@gfai.de