Blick ins Herz - ohne Katheter Technisches Prinzip

(v.l.n.r.) Dr. rer. nat. Richard Hausmann, Dr. rer. nat. Thomas Flohr, Dr. hum.-biol. Bernd Ohnesorge

Dr. hum.-biol. Bernd Ohnesorge (Sprecher)
Dr. rer. nat. Thomas Flohr
Dr. rer. nat. Richard Hausmann

Siemens Medical Solutions, Forchheim

Herzinfarkt ist eine der häufigsten Todesursachen. Mit einem Katheter lassen sich die Risikofaktoren oft früh erkennen - doch die Untersuchung ist teuer und riskant. Geht es einfacher und für den Patienten schonender?

Bernd Ohnesorge, Thomas Flohr und Richard Hausmann entwickelten eine Methode, die eine dreidimensionale Untersuchung des Herzens und der Herzkranzgefäße mit einem neuartigen Computertomographie-System (CT) erlaubt - auf den Einsatz eines Katheters kann verzichtet werden. Bernd Ohnesorge ist Leiter des Marktsegments Präventiv-Diagnostik/Kardiologie im Geschäftsgebiet CT bei Siemens Medical Solutions in Forchheim. Thomas Flohr verantwortet die Konzeptentwicklung der Multischicht CT-Technologie und leitet den Bereich CT Systemkonzepte, Richard Hausmann ist Geschäftsgebietsleiter des Geschäftsgebietes CT.

Ein Katheter ist für die Gefäßwand blind

Der Herzinfarkt durch eine koronare Herzkrankheit ist eine der Haupttodesursachen in Industrieländern. Auslöser sind oft Ablagerungen in den Herzkranzgefäßen, die aufreißen können und dann zu Verschlüssen und zur Unterbrechung des Blutflusses führen. Zum Nachweis von Engstellen in den Herzkranzgefäßen nutzen die Ärzte bisher meist einen Herzkatheter. Mit ihm lässt sich jedoch nur der Gefäßinnenraum mit möglichen Engstellen beurteilen, nicht aber die Gefäßwand mit eventuell vorhandenen Ablagerungen. Und: Bei jedem hundertsten Patienten führt der Eingriff zu Komplikationen: Herzinfarkt, Schlaganfall - oder Tod.

Bei der Herzuntersuchung per Computertomographie hingegen können Engstellen und Ablagerungen in den Herzkranzgefäßen in einem frühen Stadium ohne Einsatz eines Katheters dargestellt werden - ohne die Gefahr von Komplikationen.

Das Bild wird eingefroren

Ein CT besteht aus einem schnell rotierenden Ring auf dem gegenüberliegend Röntgenröhre und -detektor angebracht sind. Die Röhre emittiert Röntgenstrahlung, von der nur eine bestimmte Strahlungsmenge am Detektor ankommt. Aus der Schwächung der Strahlen werden Schnittbilder des Körpers berechnet. Mit der neuen CT-Technik, der Multischicht Spiral CT, wird der Patient kontinuierlich durch den Ring bewegt, wobei das System bis zu 16 Schnittbilder pro Umdrehung aufnimmt. Die Forscher haben neuartige Techniken zur Bildaufnahme und -berechnung entwickelt, mit denen sich 3D-Bilder mit sehr hoher Auflösung und so kurzer Belichtungszeit erzeugen lassen, dass die Bewegung des schlagenden Herzens auf den Bildern eingefroren werden kann. Selbst kleinste Veränderungen im Herzen und in den Gefäßen sind so erkennbar.

Die Kosten einer Untersuchung mit dem CT liegen deutlich unter denen eines Katheters. Sie erfolgen - anders als mit einem Katheter - meist ambulant, und eine Überwachung des Patienten danach ist nicht erforderlich.

Das Vorschlagsrecht zum Deutschen Zukunftspreis obliegt den führenden deutschen Einrichtungen aus Wissenschaft und Wirtschaft sowie Stiftungen.

Das Projekt "Blick ins Herz - ohne Katheter" wurde von der Stiftung Werner-von-Siemens-Ring vorgeschlagen.

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2002 Erklärfilm ZDF Team 2

Blick ins Herz - ohne Katheter Technisches Prinzip
Dr. hum.-biol. Bernd Ohnesorge
Dr. rer. nat. Thomas Flohr
Dr. rer. nat. Richard Hausmann

Hintergrundmaterial

Fragen an die Nominierten
Dr. hum.-biol. Bernd Ohnesorge
Dr. rer. nat. Thomas Flohr
Dr. rer. nat. Richard Hausmann

Blick ins Herz – ohne Katheter

Bitte stellen Sie die Entwicklung Ihres Projektes dar, besonders den Bereich, der als Innovation durch die Nominierung für den Deutschen Zukunftspreis gewürdigt worden ist. Worin besteht die Innovation?

Dr. hum.-biol. Bernd Ohnesorge
Seit langer Zeit besteht die Standard-Methode von Herzuntersuchungen darin, dass man mit einem Katheter ins Herz eindringt und es mit Röntgendurchleuchtung abbildet. Das ist der sogenannte invasive Herzkatheter. Die Medizin und die Medizintechnik sind aber auf der Suche nach einer Methode, die diese Invasivität massiv reduziert, so dass man durch nicht-invasive Bildgebung, also ohne Eindringung oder Gefahr der Verletzung des Körpers, Diagnosen stellen kann. Besonders wichtig ist das bei der Diagnostik von Patienten, bei denen man nicht genau weiß, ob eine Krankheit vorliegt. Seit Jahren wurden verschiedene Methoden dazu untersucht. Insbesondere die Computertomographie, die man aus der allgemeinen Anwendung kennt, hat sich sehr weiterentwickelt. Das Herz ist nicht das einfachste Organ: Es ist schwierig abzubilden, es bewegt sich sehr schnell. Man muss es, wenn man es diagnostizieren will, „virtuell einfrieren“.
Die Computertomographie ist mittlerweile so schnell geworden, dass man sich unter solchen Prämissen der Herzdiagnostik zuwenden konnte. Der Fokus unserer Entwicklung war es, mit der neuesten Technologie, die schnell genug akquirieren kann, um in einem Bruchteil einer Sekunde das Herz abzubilden - mit 100 Millisekunden Zeitauflösung. Wir haben diese Entwicklung vorangetrieben und auch erfolgreich an Patienten testen können, so dass mit der neuen Technologie und vor allem mit der Soft- und Hardware, die wir entwickelt haben, das Herz nicht-invasiv dargestellt werden kann und eine Diagnostik möglich ist. Dies ist besonders wichtig für die Diagnostik der Herzkranzgefäße. Wenn sie sich verschließen, ist das häufig die Ursache für Herzinfarkte. Deshalb möchte man gerne hineinschauen. Hier haben wir, so glaube ich, einen Durchbruch geschafft, eine Methode gefunden, mit der Radiologen und Kardiologen Patienten nicht-invasiv untersuchen können, die unter Herzbeschwerden leiden. Damit ist auch eine Früherkennung möglich - das ist ein ganz wichtiger Bereich: dass man kleine Erkrankungen in den Koronarien, die man gar nicht bemerkt, sehr früh erkennen kann; möglicherweise so früh, dass man wirklich präventiv eingreifen und vielleicht sogar Patientenleben retten kann, bevor überhaupt irgendwelche Symptome und Schmerzen auftreten, oder sogar ein plötzlicher Herzinfarkt.

Wenn beim Herzpatienten eine Katheter-Untersuchung durchgeführt wird, hat er bereits Krankheitssymptome. Das System, das hier entwickelt worden ist, ist in der letzten Konsequenz so weit, dass man es als reine Vorsorge-Untersuchung nutzen könnte. Ist das richtig?

Dr. hum.-biol. Bernd Ohnesorge
Genau, denn es gibt zwei Schwerpunkte: Einmal im diagnostischen Bereich, denn sehr viele dieser Herzkatheter-Untersuchungen enden ohne Befund. Wenn der Patient mit Schmerzen kommt - oft sind es unklare Beschwerden -, legt man einen invasiven Herzkatheter, um sicherzustellen, dass da wirklich nichts ist. Hier bietet die 3D-CT die Möglichkeit, den Patienten durch den nicht-invasiven Einblick zu beruhigen.
Der andere wichtige Bereich ist die Prävention. Im Endeffekt gibt es im Moment hierfür nicht mal eine vernünftige invasive Methode. Der Herzkatheter kann Ablagerungen kleiner Art nicht sehr gut erkennen. Er kann im Prinzip zwar Einengungen darstellen, aber nicht die nicht-einengenden Probleme in den Herzkranzgefäßen. Das kann wiederum die CT gut darstellen und man kann sehr viel früher eingreifen und den Patienten mit den richtigen Medikamenten behandeln - eben präventiv. Gerade bei Risikopatienten - es gibt ja traditionelle Risikofaktoren, wie beispielsweise Rauchen oder falsche Ernährung - könnte man eine bildgebende Untersuchung machen und entsprechende Therapien präventiv einleiten. Man kann so möglicherweise das Patientenleben retten, sogar generell die Mortalität senken, was auch die Kosten für das Gesundheitssystem reduzieren würde, denn eine Bypass-Operation ist teurer als eine CT-Untersuchung.

Dr. rer. nat. Richard Hausmann
Und dann reicht es ja auch oft, einfach nur den Lebensstil zu ändern: Mit dem Rauchen aufzuhören und die anderen Risikofaktoren zu minimieren.

Von welchem Potenzial sprechen wir? Bei wie vielen Menschen werden jährlich Herzkrankheiten entdeckt?

Dr. hum.-biol. Bernd Ohnesorge
In Deutschland werden im Jahr mindestens eine halbe Million Herzkatheteruntersuchungen durchgeführt. In Westeuropa und den USA zusammen etwa 2,5 Millionen. Davon ist die Hälfte rein diagnostisch, was man mit nicht-invasiver Untersuchung auch machen könnte. Auf der anderen Seite sterben in Deutschland jedes Jahr fast 80.000 Personen an einem Herzinfarkt. Das Tragische dabei ist, dass viele dieser Herzinfarkte so plötzlich auftreten. Die Hälfte aller Patienten, die einen Herzinfarkt erleiden, erreichen das Krankenhaus gar nicht mehr. Dazu hat man in Studien herausgefunden: Diese Patienten, die den plötzlichen Herztod erleiden, erleiden ihn durch Infarkte an Stellen, die man mit dem Katheter gar nicht sehen würde. Es ist ein ganz wichtiger Aspekt, dass man diese Probleme, die sich da in den Gefäßwänden tummeln, nicht-invasiv mit dem CT identifizieren kann und möglicherweise durch die Therapie solchen Herzinfarkten tatsächlich vorbeugen kann.

Lassen Sie uns noch einmal zum technischen Bereich zurückkommen. Sie haben eben den Begriff „akquirieren“ genannt. CT kann ich mir vorstellen: Ich komme in die Röhre, es entstehen Schichtbilder. Aber was passiert bei der 3D-Herzunter-suchung?

Dr. rer. nat. Richard Hausmann
Es gibt ja die „Röhre“, wie Sie sie so schön nennen, aber da muss man unterscheiden, zwischen der Computertomographie, über die wir hier reden, und der Magnetresonanztomographie. Die Magnetresonanz findet in etwas längeren Röhren statt. Es sind im Prinzip große Magnete, die auf gewisse Art und Weise Bilder erzeugen.
In der Computertomographie ist es so: Es gibt kürzere Röhren, also eigentlich nur die Scheiben, bei denen man in eine Öffnung rein- und gleich durchfährt. Es geht im Prinzip einfach darum, dass mehrere Durchleuchtungen von einem System gemacht werden, das um den Patienten rotiert, einem System aus einer Röhre und einem Aufnahmesystem. Aus diesen verschiedensten Projektionen heraus werden dann komplette Schnittbilder, Tomographien errechnet. Das Wort Computertomographie ist eigentlich historisch ein totaler Unsinn, es war nur einfach das erste System, bei dem ein Computer massiv daran beteiligt war, solche Tomographien zu berechnen. Und es war das erste System, das mir bekannt ist, das auch Tomographien, also Schnittbilder des Körpers machen konnte und nicht nur Projektionen. Über dieses System reden wir hier. In der Zwischenzeit, also in den letzten 30 Jahren seit der Erstentwicklung dieser Systeme, haben sie sich so massiv verbessert, vor allem, was die Geschwindigkeit und die Genauigkeit der Aufnahmemöglichkeiten betrifft, dass wir jetzt in der Lage sind, das Herz in seiner gesamten Bewegung „einzufrieren“.

Dr. rer. nat. Thomas Flohr
Der wesentliche technische Knackpunkt dabei ist eigentlich der, dass bei einer ganz normalen Computertomographie-Aufnahme, wie sie Herr Hausmann beschrieben hat, das Objekt aus ganz verschiedenen Richtungen durchleuchtet werden muss, damit man ein CT-Bild rekonstruieren kann. Normalerweise braucht man dazu einen ganzen Umlauf von Röhre und Detektor. Die Röhre muss sich also ein Mal komplett um den Patienten gedreht haben, um genügend Daten aufzusammeln, dass man damit ein Bild erzeugen kann. Was jetzt bei der Kardio-CT wesentlich ist und was wir erreicht haben, ist, dass wir durch spezielle Aufnahme- und Rekonstruktions- oder Bildberechnungsverfahren die Zeit der Datenaufnahme, die man für ein Bild braucht, ohne Qualitätsverlust für das Bild so verkürzt haben, dass es damit möglich ist, das Herz, das sich ja bewegt, praktisch wie eingefroren darzustellen. Man muss sich das überlegen: Als die Computertomographie angefangen hat, dauerte die Aufnahme eines Bildes bei den ersten Schädelscannern ca. acht Minuten. Bei uns reicht inzwischen eine Datenmenge, die in 100 Millisekunden aufgenommen wurde, um ein Bild mit voller Bildqualität zu erhalten.

Dr. hum.-biol. Bernd Ohnesorge
Eine weitere wichtige Komponente auf der technologischen Ebene ist, dass das Herz in bestimmten Phasen des Herzzyklus, während es schlägt, abgebildet wird. Das gelingt dadurch, dass dieses sehr schnelle CT-System durch ein EKG gesteuert wird. Das EKG, das dem Patienten anliegt, steuert das System so, dass es das Herz konsistent in der Phase abtastet. In einer 15-sekündigen Untersuchung liegt dann ein „virtuelles“ Herz vor.

Dr. rer. nat. Richard Hausmann
Wenn wir vielleicht noch mal auf die Ursprungsfrage zurückkommen, was denn eigentlich die Innovation ist: Wie so oft bei Innovationen kommen zwei Aspekte zusammen. Zum einen, dass die Geräte so schnell geworden sind, auch so gute Rekonstruktionsmechanismen haben, dass man das Herz als Bild einfrieren kann. Das Zweite war einfach die Überlegung - und damit die Innovation -, in die Anwendung der Herzbildgebung zu gehen. Mit all den Schwierigkeiten, die man im ersten Augenblick überhaupt nicht abschätzen konnte, mussten wir das komplett entwickeln. Wir hatten also eine Idee, eine Zielsetzung auf der einen und die technologischen Möglichkeiten auf der anderen Seite. Diese zwei Dinge kamen zusammen und haben uns dann dazu gebracht, das auch klinisch relevant zu machen. Wir hatten schon vor vier bis fünf Jahren erste Versuche mit etwas langsameren CT-Geräten gemacht und im ersten Schritt festgestellt: Ja, prinzipiell möglich, aber... Jetzt haben wir neue CT-Geräte mit mehreren Schichten, die parallel aufnehmen usw., entwickelt, die es ermöglichen, in vernünftigen Atemanhaltezeiten aufzunehmen. Und jetzt kommen Idee und Innovation zusammen und führen wirklich zu einer echten, klinisch relevanten Innovation.

Dr. rer. nat. Thomas Flohr
Das kommt praktisch als dritter Punkt noch dazu, dass die ganzen Koronargefäße - man will ja auch Plaques in den Koronaren abbilden - winzig klein sind. Man braucht dafür eine ganz exzellente räumliche Auflösung. Die hat man jetzt mit solchen modernen CT-Geräten. Auf diese Art und Weise kommen eigentlich drei Komponenten zusammen. Erstens, dass es gelingt, ein Bild mit extrem kurzen Belichtungszeiten zu machen, 100 Millisekunden; zweitens, dass es gelingt, dem Bild, obwohl es nur so eine kurze Belichtungszeit hat, trotzdem eine exzellente räumliche Auflösung von etwa 0,5 Millimetern zu geben, und dass es drittens gelingt, genügend Bilder für die Darstellung des ganzen Herzens in der kurzen Untersuchungszeit zu erzielen. Das ganze Herz kann im Prinzip auf diese Art und Weise in weniger als zwanzig Sekunden abgebildet werden. Das ist eine Zeit, in der auch ein nicht sehr fitter Patient bequem den Atem anhalten kann.

Sieht man mit Ihrem System mehr als mit der bisher gängigen, mit der invasiven Methode?

Dr. rer. nat. Thomas Flohr
3D-CT ist die einzige nicht-invasive Methode, die das Potenzial hat, Ablagerungen in den Koronararterien nicht nur zu erkennen, sondern auch zu klassifizieren. Man kann zum Beispiel erkennen: Das ist ein Plaque dieser Art, der ist kalzifiziert, der tut dem Patienten nichts, aber das andere ist ein potenziell gefährlicher Plaque. Der Patient, der einen solchen Plaque hat, trägt ein hohes Herzinfarkt-Risiko in sich, auch wenn er selber vielleicht noch keinerlei Beschwerden hat.

Dr. hum.-biol. Bernd Ohnesorge
Und noch ein Aspekt: Man erhält bei CT einen dreidimensionalen Datensatz und keine Projektion wie bei der normalen Herzkatheter-Angiographie. Wenn man sich vorstellt, dass die Verengung an einer Seite ist, kann das in der Projektion anders ausschauen, als wenn man wirklich die komplette räumliche Information erhalten hat.

Lassen Sie uns konkret auf den Impuls für die Innovation zurückkommen. Ihr Haus Siemens ist ein großer Anbieter medizinischer Geräte und man könnte denken, das ist eine logische Konsequenz aus dem, was hier alltäglich als Entwicklung passiert.
Was war der Impuls, sich ausgerechnet mit diesem Thema zu beschäftigen?

Dr. hum.-biol. Bernd Ohnesorge
Es kommen einige Komponenten zusammen, die dann zur Ideenexplosion führen oder die Innovation triggern. Das ist zum einen sicherlich die Präsenz der Notwendigkeit so einer Methode. Oft ist man davon noch sehr weit entfernt und die Technologie ist möglicherweise noch nicht ganz bereit. Auf das Gebiet der Herzbildgebung haben wir hier im Konzern in verschiedenen Bereichen eigentlich schon immer einen gewissen Fokus gelegt: Bei der Kernspintomographie, bei der Angiographie und auch in anderen Geschäftsgebieten, so dass das Thema schon immer unterschwellig präsent war. Wir haben uns daher in früheren Zeiten schon eine andere Technologie angeschaut, in der Kooperation mit einer US-amerikanischen Firma, die sehr teuer war und auch nicht zum Erfolg führte. Das Grundpotenzial war aber schon vorhanden. Bei der neueren Technologie haben wir das Grundpotenzial schnell gesehen: Jetzt ist die Zeit da, massiv zu fokussieren und diese Methoden zu entwickeln. So sind die Methoden zustande gekommen, die uns zum Erfolg geführt haben. Dazu muss man auch ganz klar sagen: Mitträger der Innovation sind unsere klinischen Partner, mit denen wir eng zusammenarbeiten. Wir haben sehr viele technische Innovationen geleistet, aber die wurden begleitet durch ständiges Feedback von den Universitätskliniken, mit denen wir das schon sehr früh getestet, die wir schon im Prototypen-Stadium miteingebunden haben und die uns auf den richtigen Weg geführt haben: Was ist wichtig aus der Sicht der klinischen Applikation?
Dabei sind wir weltweit sehr aktiv, weil wir auch weltweit auf dem Markt präsent sein wollen. Natürlich ist Deutschland ein besonders wichtiger Standort, um solche Forschungen zu starten, aber in den USA sind wir ebenso aktiv. Es ist zu unserer Philosophie geworden, unsere Partner bei Applikationen und bei Innovationen in der klinischen Anwendung unserer Basis-Technologie, die ein mechanisches und elektronisches Wunderwerk ist, früh einzubinden. Für die Entwicklung der neuen Herz-CT hatten wir eine besonders enge Kooperation mit den Universitätskliniken in München-Großhadern, Tübingen und Münster, sowie mit der Cleveland Clinic in den USA. Die dortigen Arbeitsgruppen aus Radiologie und Kardiologie haben uns sehr bei der Entwicklung der Anwendung unterstützt.

Dr. rer. nat. Richard Hausmann
Unser Unternehmen hat auch ein gewisses Image, das wir uns über die letzten 20 Jahre erarbeitet haben, so dass wir mit innovativen Lösungen, gerade in der Computertomographie, immer die neuen Meilensteine gesetzt haben. Dieses Image ist ganz klar auf unser Banner geschrieben. Wir sehen das als Differentiator - als Firma Siemens CT versus General Electric z.B.; wir wollen innovative Lösungen als Erste auf den Markt bringen. Das ist die Charta, die wir uns gegeben haben. So führen wir auch das Geschäft hier. Für uns ist Innovation der absolut wichtigste Faktor. Natürlich wollen wir auch Geld verdienen, das ist völlig klar, auch für die Aktionäre. Aber es gibt Freiräume und solche Innovationen wie diese Herz-CT, die entstehen nicht dadurch, dass sich einer hinstellt und sagt: Jetzt entwickeln Herr A und Herr B mal eine Herz-CT, sondern das ist durch intensive Gespräche mit den wichtigen Kunden, Kliniken und Ärzten, entstanden. Wenn wir neue Geräte spezifizieren, also die Leistungsmerkmale festlegen, dann reden wir mit unseren Kunden, die uns bestärken, wie etwa beim Thema Herz, und dann spornt uns das immer wieder an, Lösungen zu kombinieren. Und so entsteht Innovation. Es gab für Herrn Flohr oder Herrn Ohnesorge nie einen richtigen Entwicklungsantrag oder -auftrag: Ihr macht jetzt mal Herz-CT! Es entstand aus Iteration. Irgendwann wurde es dann ein Projekt. Das muss ganz klare Regularien erfüllen, die Entwicklung muss gewisse Schritte einhalten, um das Ganze z.B. bei der US-Behörde auch anwendbar zu machen. Das geschieht aber erst in einem Stadium, in dem wir uns doch schon sehr sicher sind, dass es auch wirklich funktionieren wird. Also das Innovationsklima ist, denke ich, einer unserer wichtigen Erfolgsfaktoren.

Dr. hum.-biol. Bernd Ohnesorge
Das ist ein guter Punkt. Es ist nicht so, dass man morgens aufwacht und sich denkt: Hoppla, heute erfinde ich eine Herz-CT! Es wird hier im Unternehmen ein Klima geschaffen, auch von den Prozessen unterstützt, dass man sich ständig neue Aufgabenfelder anschaut. Irgendwann geht dann der Trigger auf und man stellt fest: Jetzt ist die Zeit, da kann man voll einsteigen. Und dann ist es natürlich wichtig, dass das Geschäftsmanagement diese Ideen unterstützt, auch finanziell mit den richtigen Entwicklungsressourcen, um das Projekt auch zum Erfolg führen zu können.

Dr. rer. nat. Thomas Flohr
Ein wesentlicher Punkt des Erfolges der Kardio-CT war, dass am Anfang - sozusagen in der Wechselwirkung - die technische Idee war. Jetzt konnte man mit einem CT-Gerät alle Anforderungen, die die Herzbildgebung stellt, erfüllen, nämlich exzellente räumliche und sehr gute zeitliche Auflösung, sowie kurze Untersuchungszeit für den Patienten. Wir sahen, dass es potenziell geht. Dann gab es erste Prototyp-Untersuchungen, bald schon die erste klinische Installation, mit der dann vieles gemeinsam entwickelt wurde. Kurz darauf gab es etwa 30 klinische Installationen, sogenannte Work-in-progress-Installationen, die alle in einer noch relativ rudimentären Form dieses Kardio-Scan- und -Rekonstruktions-Programm waren und uns klinischen Input lieferten. Wenn wir dieses Umfeld nicht gehabt hätten, hätte das Projekt nicht diesen Erfolg gehabt, da bin ich mir sicher.

Sie sind über das Stadium der Erprobung hinaus. Das heißt, es gibt ein fertiges Produkt am Markt. Was gibt es für Entwicklungen für dieses Produkt? Zeichnet sich eine Weiterentwicklung ab?

Dr. hum.-biol. Bernd Ohnesorge
Das Produkt ist jetzt fertig für den Routineeinsatz, es ist klinisch stabil. Natürlich entwickeln wir weiter. Wir glauben, dass die Herz-Anwendung eine Fokus-Anwendung nicht-invasiver Technologie ist und sich dahin entwickeln wird. Man muss sich schon auch fragen: Sind wir denn besser als der Herzkatheter? Ja und nein. Man kann mit 3D-CT Probleme erkennen, die man im Herzkatheter nicht sehen kann. Auf der anderen Seite hat der Herzkatheter, obwohl er nur zweidimensional ist, eine sehr hohe Auflösung und kann sehr kleine Gefäße darstellen. Also hat er schon gerade auch für die Intervention nach wie vor seinen Platz und wird ihn immer behalten oder zumindest für lange Zeit. Die nicht-invasive Technologie hat noch Steigerungspotenzial in räumlicher und zeitlicher Auflösung. In diese Richtung treiben wir die Entwicklungen. Wenn man weit in die Zukunft denkt, kann es auch ein gutes Ziel sein, nicht-invasive Technologie so weit zu treiben, dass man auch tatsächlich Krankheitsprozesse darstellen kann. Nicht nur Plaque oder ein Stück Kalk, sondern auch Entzündungsprozesse, was klinisch sehr wichtig ist. Das geht dann in die Richtung des sogenannten molecular imaging. Ein anderes Thema der Weiterentwicklung ist, dem behandelnden Arzt Werkzeuge in die Hand zu geben, immer schneller und sicherer solche Untersuchungen durchzuführen. Da ist Technologie gefragt, um eine computergestützte Diagnose durchzuführen, so dass der Computer nicht nur das Bild darstellt, sondern einen Diagnosevorschlag macht. Wir nennen das computer aided diagnosis. Das ist bei uns ein großes Thema. Wir glauben, dass die Medizinindustrie eine gewisse Verantwortung annehmen muss, um einfache Anwendungen in die Breite zu bringen.

Dr. rer. nat. Richard Hausmann
Es gibt Krankheitsbilder, die man möglichst optimal und kosteneffizient in einen Heilungsprozess überführen will. Wir nennen das clinical work flow. Das beinhaltet auch IT-Lösungen; also einen Patienten-Bericht, um Mehrfachuntersuchungen zu vermeiden, um Fehler bei der Weitergabe der Daten zu vermeiden usw.. Das ist eigentlich unser wichtigstes Ziel im Medical-Solutions-Bereich. Die CT ist da ein Baustein. Wir sehen durch diese Nicht-Invasivität der Methode auf jeden Fall ein ganz großes Potenzial. Das wollen wir weiter vorantreiben. Sie haben vollkommen Recht, es ist der erste Schritt, wir können mit dem Software-Paket oder mit der Hardware, die wir jetzt liefern, die großen Gefäße darstellen, und wir können Verengungen darstellen, Verkalkungen, weiche Plaques, also diese fetthaltigen, die sich lösen können und dann zu Herzinfarkten führen.
Der nächste Schritt wäre dann, zu fragen, ob wir auch die Endversorgung des Muskels mit Blut und Sauerstoff feststellen können, also die Perfusion des Herzmuskels. Das ist eine Möglichkeit, die wir noch untersuchen. Denn die Information ist im Prinzip in dem Datensatz, den wir aufgenommen haben, vorhanden. Und dann eben das molecular imaging. Aber immer im Gesamtblick, was denn bei diesem einen Krankheitsfall am kosteneffizientesten für das gesamte Gesundheitssystem ist. Herzkranzgefäßerkrankungen werden immer mehr Haupttodesursache. Eine Million Menschen sterben weltweit in den entwickelten Ländern an Herzinfarkten. In Deutschland ca. 77.000 pro Jahr. Und die Bevölkerung wird auch immer älter, das heißt, die Krankheitsfälle werden immer häufiger werden. Insofern ist es ganz wichtig hier effiziente Tools zur Verfügung zu stellen. Das sehen wir als unsere Aufgabe.

Zu den Kosten: Wir haben eine herkömmliche und jetzt eine neue Methode mit effizientem Vorsorge-Aspekt. In welchen Kostenrelationen bewegt man sich dabei? Derzeit ist das Thema Kostensenkung im Medizinbereich sehr aktuell.

Dr. hum.-biol. Bernd Ohnesorge
Man kann das ganz grob umreißen. Bei einer Herzkatheteruntersuchung muss ein behandelnder Kardiologe mit einem großen Team für relativ lange Zeit, also zumindest mehrere Minuten, wenn nicht sogar eine Viertel Stunde, direkt vor Ort sein. Insofern ist so etwas natürlich eine relativ personalkosten-intensive Untersuchung. Therapien wie Herzinfarktnachsorge und Bypass-Operationen sind stark kostentreibend. Eine CT ist zwar keine ganz billige Maschine, die Untersuchung geht aber sehr schnell, wird in der Regel von der MTA, also vom technischen Personal gemacht, der Radiologe oder der Kardiologe schaut sich die Bilder in kurzer Zeit irgendwann während des Tages an, insofern passt das in den Ablauf einer Untersuchung.

Dr. rer. nat. Thomas Flohr
Sie fordert vor allem keine Patientenliegezeit. Der Patient kann kommen, lässt sich untersuchen und geht nach einer Stunde wieder heim. Dagegen muss er bei der Herzkatheteruntersuchung stationär liegen.

Dr. hum.-biol. Bernd Ohnesorge
Insofern ist eine CT Untersuchung viel billiger. Man muss das aber sicherlich im Kontext sehen: Die 3D-CT steht einer Herzkatheteruntersuchung gegenüber, die möglicherweise nicht nötig war und ein großer Kostenfaktor ist. Auf der anderen Seite haben wir aber den Gesamtkostenaspekt, der übergreifend zu bewerten ist. Man wird ja auch nicht jeden untersuchen. Da sind wir relativ konservativ und sagen ganz klar: Früherkennung nur mit den geeigneten vorgeschalteten Risikofaktorbestimmungen. Bei Risikopatienten ist es eine Methode, die eine klare Entscheidung für eine präventive Therapie leisten kann.

Dr. rer. nat. Richard Hausmann
Wir als industrieller Hersteller von diesen Geräten und der Software maßen uns jedoch nicht an, vorzugeben, ob das jetzt eine geeignete Präventionsmethode ist, die insgesamt kosteneffektiver ist oder nicht. Dazu haben wir immer wieder Kooperationen mit Kliniken weltweit und mit Medikamentenherstellern, die prophylaktische Medikamente zur Behandlung solcher Herzverkalkungen und Softplaques anbieten.

Dr. hum.-biol. Bernd Ohnesorge
Und auch mit den Krankenkassen, mit denen man sich ein solches Gesamtmodell als Pilot anschaut und validiert.

Dr. rer. nat. Richard Hausmann
Wenn man sich den Markt weltweit ansieht, ist Deutschland mit dem sehr stark öffentlich finanzierten Gesundheitssystem ein spezieller Markt. Es gibt noch stärker reglementierte Märkte, wie z.B. England oder Frankreich, wo es noch schwieriger ist, solche Untersuchungen als Prävention durchzubringen, wenn sie Kosten erzeugen. Andererseits gibt es Märkte wie die USA, allen voran Kalifornien, wo die Leute wissen wollen wie ihr Herz aussieht und dafür auch 500 Dollar zahlen. Daraufhin ändern sie ihr Leben und reduzieren ihre Risikofaktoren. Das gibt es eben auch.

Die nicht-invasive Methode erzeugt sicher weniger Angst als die Herzkatheteruntersuchung. Das ist ein psychologisches Problem.

Dr. rer. nat. Richard Hausmann
Es gibt ja auch immer noch eine gewisse Komplikationsrate.

Dr. hum.-biol. Bernd Ohnesorge
Etwa ein Prozent. Wir haben von vielen Klinikern das direkte Feedback, die unsere Methode als sehr geeignet ansehen, diesen Angstfaktor zu nehmen. Auch wenn man schon bei der Anamnese, also allein beim Anschauen und der Evaluierung des Patienten erkennen kann, dass er etwas haben könnte und - da man sich relativ sicher ist - einen Herzkatheter vorschlägt, passiert es sehr oft, dass Patienten das einfach nicht wollen und den Herzkatheter verweigern. Die behandelnden Ärzte sagen jetzt: Wenn ich dem das CT-Bild zeige, dann akzeptiert er den Herzkatheter. Ohne das würde er vielleicht nach Hause gehen - unverantwortlicherweise. Das ist ein ganz besonderer psychologischer Aspekt.

Wie ist das in einem Großbetrieb wie bei Siemens? Wenn man so ein „Baby“ hat, eine solche Entwicklung gemacht hat? Behält man das Projekt weiter oder wird es einem irgendwann entzogen?

Dr. rer. nat. Richard Hausmann
Man behält es. Wir sind so organisiert, dass wir in kleinen Geschäftsgebieten arbeiten. Obwohl wir so klein gar nicht mehr sind. Insgesamt sind 550 Mitarbeiter mit dem 3D-CT beschäftigt.

Dr. rer. nat. Thomas Flohr
Nein, von den allerersten Ideen bis jetzt, wo es ausgereift ist, ist es eigentlich immer noch technisch unser „Baby“.

Man hat oft die Vorstellung, dass in einem Konzern getrennt gearbeitet wird: da die Leute, die erfinden und dort die Leute, die vermarkten.

Dr. hum.-biol. Bernd Ohnesorge
Nein, gerade bei Innovationen und solchen Themen, wo ganz klar die klinische Anwendung im Vordergrund steht, spielen Entwicklung und Vermarktung und Anwendungsforschung zusammen eine wichtige Rolle. Und ich glaube, das ist auch einer der Erfolgsfaktoren. Das ist ganz eng beieinander, auch räumlich. Da sind wir von den Prozessen her so aufgestellt, dass wir uns möglichst eng sogar mit der Fertigung verzahnen, damit wir immer wissen, was wir verbessern können und intensiv daran arbeiten.

Dr. rer. nat. Richard Hausmann
Gerade bei diesem Projekt haben wir das sehr gut exerziert. Ich habe angefangen in der Technologieentwicklung. Dieses Team, so wie es hier sitzt, ist seit fünf Jahren dem Thema treu. Ich persönlich habe von den ersten Entwicklungen an aktiv in den Markt hinein gehorcht, die Kooperationen mit den Kunden zusammen betrieben. Auch von der industriellen Seite her betrachtet, wie wir dieses Produkt innerhalb vom Markt positionieren können. Daraus ergibt sich die Rückkopplung mit der richtigen klinischen Anwendung und der technologischen Basis. Wir arbeiten engst zusammen. Das ist unser gemeinsames „Baby“ und das wächst und gedeiht. Das freut uns alle sehr.

Noch kurz zu dem Team: Wie setzt sich das Team zusammen? Was sind das für Qualifikationen, die hier zusammenspielen?

Dr. hum.-biol. Bernd Ohnesorge
Auf der technischen, physikalischen Seite gibt es sehr viele Ausbildungen in der Signalverarbeitung, also Datenverarbeitungstechnik, bis hin zu Ingenieuren, die dafür sorgen, dass die Mechanik bei maximaler Leistung und Geschwindigkeit arbeiten kann. Aber auch Kliniker arbeiten bei uns im Team, die uns den Input geben für den richtigen Markt. Beispielsweise ist der Produktmanager für das Thema ein Kliniker, den wir extra dafür ins Team geholt haben, der ganz aktiv mit dem Markt redet und den auch versteht. Es ist ein interdisziplinärer Ansatz aus Technologie, klinischer Anwendung bis zum absoluten Experten, der dafür sorgt, dass die Gantry, das ist der drehende Teil mit bis zu 17 G Beschleunigungskräften, so designed ist, dass sie das aushält. Und auch der Softwaretechniker, der dafür sorgen muss, dass Gigabyte von Daten in Bruchteilen von Sekunden verarbeitet werden. Die Herz-CT ist ein Thema, das ganz breit in unserem gesamten Innovations-, Entwicklungs- und Vermarktungsprozess beheimatet ist und eigentlich Expertise des gesamten, mehrere hundert Mann umfassenden Bereichs haben muss.

Dr. rer. nat. Richard Hausmann
Wir sind von unserer grundsätzlichen Ausrichtung her sehr in Richtung Hardware engineering getrimmt, mit Physikern, Ingenieuren, Fertigungsfachleuten usw. Aber wir gehen jetzt auch mehr und mehr in Richtung Software engineering. Das ist eine strategische Ausrichtung. Wir haben vorher schon angesprochen, dass es irgendwann möglich sein wird, aus den Bildern automatisiert Vordiagnosen zu entwickeln. Das Bildverarbeitungssystem kann das heute schon. Dieser Bereich wird immer größer und ist eine enge Verzahnung zwischen Hard- und Software.

Wir reden die ganze Zeit von Innovation. Der Begriff wird viel benutzt und ist auch leicht abgenutzt. Was ist Innovation für Sie, auch im Zusammenhang mit Ihrem Projekt?

Dr. hum.-biol. Bernd Ohnesorge
Als ich von der Schule abgegangen bin, hatte ich mir überlegt, ob ich in die Medizin gehe oder ins Engineering und habe mich damals für das Engineering entschieden, aber mit der klaren Vorgabe des medizinischen Schwerpunktes. Ich habe einen Kompromiss gefunden. Weil ich auch innovativ tätig sein wollte, war für mich persönlich wichtig, etwas zu erzeugen, wissenschaftlich eine Idee zu generieren oder zu implementieren, die dann wirklich auch in der Breite Anwendung findet. Das ist einer der Erfolgsfaktoren von uns und auch von dieser Innovation, dass wir nicht nur das Projekt - die Idee - hatten, sondern auch hinterher aktiv sind und uns bemühen, es mit allen Partnern, die wir dazu brauchen, in die Breite zu führen. Für mich hört Innovation noch lange nicht mit der Idee auf, sondern endet erst mit einer gewissen Breite, dass diese Innovation wirklich leistet, was sie verspricht. Gerade in der Medizin: Diese Innovation soll einen Nutzen bringen. Das ist meine persönliche Sichtweise.

Dr. rer. nat. Thomas Flohr
Ich bin Physiker, ich vertrete den technischen Teil. Innovation besteht für mich dann, wenn etwas praktisch Verwertbares, Nützliches dabei rauskommt. So war schon mein Studium angelegt. Dieser reine Erkenntnisgewinn, ob irgendein abgedrehtes Elementarteilchen ein spin top oder down oder so was hat, hat mich nie so begeistert. Ich habe es ganz gerne, wenn ich sehe, dass eine Idee auch zu einem praktisch verwertbaren, nützlichen Resultat - wie jetzt z.B. diese Kardio-CT in der Medizintechnik - geführt hat, sie irgendwo eingebaut ist, in einer nützlichen Kette.

Dr. rer. nat. Richard Hausmann
Ich bin auch Physiker, obwohl ich über die Jahre hinweg ins Management abgewandert bin. Für mich war erstens wichtig, gerade nach dem Wechsel in die Industrie, dass es ein Geschäft ist, mit dem man sich identifizieren kann, da ist natürlich die Medizintechnik unheimlich stark. Ich glaube, davon lebt der gesamte Bereich auch, alle Mitarbeiter, dass wir uns damit identifizieren. Für mich ist Innovation letztlich vieles von dem, was schon vorher gesagt wurde. Es muss eine Realisierung stattfinden, sie muss anwendbar sein und für mich als Geschäftsführer ist natürlich auch noch wichtig, dass damit auch Geld verdient wird. Das geht jedoch nur, wenn es wirklich anwendbar ist.

Dr. hum.-biol. Bernd Ohnesorge
Sonst gibt es auch keine weiteren Innovationen...

Dr. rer. nat. Richard Hausmann
Wir reinvestieren ja über sieben Prozent unseres Umsatzes wieder in die Entwicklung. Das ist nur möglich, wenn man damit auch erfolgreich ist.

Eine Zielsetzung des Preises des Bundespräsidenten ist es, die Öffentlichkeit auf Innovationen und das, was sich im Lande tut, hinzuweisen. Die Fachöffentlichkeit weiß sicherlich darüber Bescheid, aber der Patient bisher eher weniger. Hat der Patient denn überhaupt eine Chance zu sagen, ob er mit diesem oder jenem Untersuchungsverfahren behandelt werden will?

Dr. hum.-biol. Bernd Ohnesorge
Ich glaube, dass auch die Medizin sich immer mehr zu einem Service entwickelt, Service für den Patienten. Der Patient wird Kunde des Arztes. Wenn man einfach realistisch verfolgt, wie sich Gesundheitssysteme entwickeln, geht das immer mehr in diese Richtung. Auch alle Krankenhäuser haben einen wirtschaftlichen Faktor, müssen kompetitiv arbeiten. Insofern werben sie auch um Patienten als Kunden. Das geschieht sehr vorsichtig, man muss natürlich das Wohl des Patienten immer im Hauptfokus behalten. Aber in dieser Entwicklung sieht man, dass sich der Patient auch mehr selber bildet, ihm wird immer mehr bewusst, dass er die Wahl zwischen verschiedenen Krankenhäusern hat und er bildet sich über neue Medien, über das Internet, über das Fernsehen. Insofern glaube ich, dass die Antwort dazu „ja“ ist. Der Patient bildet sich, möchte auch informiert werden über neue Entwicklungen. Natürlich ist es dann in der Verantwortung des Arztes mit uns als Teil dieses Teams, die Modalitäten so auszuwählen, dass es zum Wohl des Patienten geschieht. Aber grundsätzlich ist es sicherlich eine Entwicklung in die Richtung.

Dr. rer. nat. Richard Hausmann
Die Information über die verschiedenen Möglichkeiten ist für den Akutpatienten noch schwierig. Es gibt sicherlich einen Unterschied zwischen jemandem, der sich aktiv informiert und jemandem der schon im Bett liegt. Da maßen wir uns als Industrie auch nicht an, die Werbung direkt auf den Patienten zu fokussieren, obwohl wir letztendlich als medical solution dafür da sind, die Patientenfürsorge zu verbessern, über den Weg des Radiologen oder Kardiologen, der unser direkter Kunde ist. Aber insgesamt ist es auf jeden Fall Ziel, die Qualität der Diagnosen, der Therapien zu verbessern und das mit kostengünstigen Methoden.

Dr. rer. nat. Thomas Flohr
Dass die Patienten inzwischen relativ breit informiert sind, auch in Kreisen, wo man es nicht vermutet, das sieht man an kleinen Beispielen, z.B. handgeschriebene Briefe: „Ich bin 58 Jahre alt und habe ein Stechen in der Brust und habe gehört, dass es da eine neue Methode gibt und wo kann ich denn eine solche Untersuchung bekommen?“ In schlichtem Deutsch mit schlichten Buchstaben!

Sie arbeiten international und können vergleichen: Wie sehen Sie das Klima für Innovation, für technologische Entwicklungen in Deutschland im Moment und wie stehen wir im internationalen Vergleich da?

Dr. rer. nat. Richard Hausmann
Es wird viel über die Innovationsfeindlichkeit in Deutschland gesprochen, aber letztendlich ist es entscheidend, was ein Unternehmen daraus macht. Man kann sehr wohl in Deutschland ganz enorme Innovationsklimata schaffen, wie man immer wieder sieht. Ich bin da nicht so skeptisch, wie es in der Presse anklingt. Auch was Ausbildung angeht. Wenn wir Leute einstellen, durchlaufen diese zwar einen sehr selektiven Auswahlprozess, aber die Leute, die wir dann haben, die sind im Weltvergleich an der Spitze dabei.
Was wir vielleicht ein bisschen schlechter machen als unser amerikanischen Kollegen, ist das Ganze zu vermarkten. Aber von der Solidität und der Innovationsfreudigkeit unserer Produkte her brauchen wir uns nicht verstecken.

Gibt es ein Motto oder eine formulierbare Motivation für das, was Sie hier tun?

Dr. hum.-biol. Bernd Ohnesorge
Wir haben uns intern ein Motto gesetzt, an dem wir nicht nur diese Innovation, sondern auch andere messen. Das nennen wir „Creative Power in CT“, Englisch, weil wir ein globales Unternehmen sind. „CT“ ist klar, „Power“ heißt, dass wir auch ein kräftiger Industrieanbieter sein wollen, mit den richtigen Lösungen, und „Creative“ weil wir glauben, dass die Innovation und die Innovationsführerschaft unser Differentiator ist. Der Begriff der Kreativität ist eigentlich noch stärker als der Begriff der Innovation, weil Innovation sehr techniklastig ist und Kreativität bedeutet, dass man in interdisziplinäre Ecken des Marktes schaut, nach den richtigen Innovationen sucht, um sie dann auch ordentlich in den Markt zu bringen.

Dr. rer. nat. Richard Hausmann
Als ich vor fünf Jahren im Marketing angefangen habe, haben wir uns überlegt, wofür wir stehen wollen und wie wir uns ausrichten wollen. Da kam dieser Aspekt raus, dass wir uns schon länger kreativ und innovativ gezeigt haben. Diesen Drive haben wir in den Slogan gepackt und mit einem Symbol versehen. Das hat sich mittlerweile so entwickelt, dass selbst in der Fertigung solche Symbole auch überall präsent sind und die Leute sich damit identifizieren. Ich denke, das ist wichtig für ein Unternehmen. Die Mitarbeiter in unserem Geschäftsgebiet fühlen sich schon als eine Firma in der Firma. Und da eine Motivation zu schaffen ist wichtig. Wir haben uns dieses Kreativitätsthema/Innovationsthema gewählt, um uns auch wieder zu bestärken. Solche Preise, wie der Deutsche Zukunftspreis, das ist sicherlich ein ganz herausragendes Beispiel dafür, dass man auch dafür geehrt werden kann. Deshalb freuen wir uns auch sehr über die Nominierung.

Gab es irgendwann auf dem Weg in der Entwicklung einen Punkt, wo Sie sich gefragt haben, wie es weitergeht? Hätten Sie sich irgendwo mehr Unterstützung gewünscht?

Dr. rer. nat. Thomas Flohr
Vielleicht sehe ich das jetzt ein bisschen optimistisch, aber gerade bei CT ist es von Anfang an gut gelaufen. Zumindest aus meiner Warte: Eine Phase, in der wir uns gesagt haben, das geht doch nie und lass uns aufhören, gab es nicht. Natürlich hat es den einen oder anderen Rückschlag gegeben. Aber eine Phase, wo man am Sinn oder an der Machbarkeit des Ganzen gezweifelt hat, hat es aus meiner Sicht nicht gegeben.

Dr. hum.-biol. Bernd Ohnesorge
Auch der Rückhalt des Managements gehört dazu. Das Vertrauen, das das Management in die Innovatoren, in die Entwickler gesetzt hat, ist nicht selbstverständlich. Insofern ist das vom internen Ablauf her maximal positiv gelaufen. Wir haben im Unternehmen nicht nur ein Projekt, sondern viele, und bedienen einen sehr breiten Markt. Das ergibt immer einen Ressourcenkonflikt. Da ist der Rückhalt der gesamten Organisation wichtig, und das war eigentlich nie ein Thema. Wir sind mit der Technologie sehr neu auf dem Markt, die wir zwar mit Klinikern zusammen erarbeitet hatten, stießen dann aber quasi auf die unvorbereitete Medizin. Dort ist eine sehr große Initial-Debatte darüber entstanden, ob man das überhaupt braucht. Mit Diskussionen, Verdrängungsdiskussionen, potenziellen Modalitäten, die doch auch sehr emotional und nicht immer ganz fair geführt wurden.

Dr. rer. nat. Richard Hausmann
Eine Klientel des Hauses ist die Radiologie, das ist unser Kundenkreis, und das andere ist die Kardiologie. Jeder will dann mehr oder weniger der Anbieter dieser Methode sein. Da wollen wir uns nicht einmischen. Letztendlich wollen wir so viel wie möglich anbieten und verkaufen.

Dr. hum.-biol. Bernd Ohnesorge
Wie die verschiedenen Fachschaften sich einigen, das wird noch für einige Zeit ein Thema sein.
Man hätte in der initialen Phase Bedenken haben können, dass wegen dieser Diskussionen möglicherweise eine sehr vielversprechende Methode durchfällt. Aber die Methode ist jetzt zu einer Reife gekommen und ist ein so hoch einzuschätzender Beitrag zum Wohlergehen des Patienten, dass man nicht mehr daran vorbeikommt. Insofern sehen wir Gott sei Dank die Konvergenz, dass die verschiedenen Fachschaften sich einigen. Die beiden Gremienfachschaften von Radiologie und Kardiologie - wobei die Deutschen führend in der ganzen Welt sind - suchen jetzt auch aktiv den Konsens. Insofern ist, glaube ich, diese massive Klippe ganz gut überwunden.

Zum Abschluss: Was tun Sie denn, wenn Sie nicht erfinden oder verkaufen? Mit was entspannen Sie sich? Was gibt es sonst noch in Ihrem Leben?

Dr. rer. nat. Richard Hausmann
In meinem Leben gibt es eine Familie, eine Frau und zwei Söhne von zehn und 13 Jahren. Das ist nicht immer Entspannung. Zur Entspannung genieße ich es einen - was jetzt völlig nicht-innovativ ist - 51 Jahre alten VW-Käfer zu fahren, einen Oldtimer. Es ist für mich sehr relaxend, wenn ich von Erlangen hierher in die Arbeit fahre oder auch mal zu einem Treffen.

Dr. rer. nat. Thomas Flohr
Ich habe auch zwei Kinder, acht und zehn, die beschäftigen mich durchaus. Und ansonsten höre ich ganz gerne Musik, ich spiele selbst Klavier. Außerdem entspanne ich mich beim Skifahren und Kochen.

Dr. hum.-biol. Bernd Ohnesorge
In meinem Leben gibt es noch keine Kinder. Ich habe eine Lebensgefährtin, die auch aktiv mit unterstützt, was wir hier tun, weil das natürlich arbeitsintensiv für uns alle ist. Sie ist dann der entsprechende Rückhalt. Ansonsten - obwohl ich sehr viel unterwegs bin, um mich in den Märkten umzuschauen - reise ich sehr gerne. Gern auch mal in nicht ganz so normale Länder, ein bisschen weiter weg, um andere Kulturen kennen zu lernen. Abgesehen davon habe ich früher aktiv selber Sport getrieben, Turnen, und nachdem ich ein bisschen zu alt geworden bin, um es selber noch zu machen, versuche ich es jetzt aktiv weiter zu geben.

Was ist Glück für Sie? Und was wünschen Sie sich für die Zukunft?

Dr. rer. nat. Richard Hausmann
Für mich ist Glück, dass man mit dem zufrieden ist, was man tut und was man tun kann. Für mich ist auch Glück, eine Familie zu haben. Und was ich mir für meine Zukunft wünsche ist, dass ich weiterhin solche Herausforderungen habe. Und dass ich weiterhin so viel Spaß an der Arbeit und am restlichen Leben wie momentan habe.

Dr. rer. nat. Thomas Flohr
Was soll ich da viel ergänzen? Glück ist ein intaktes, soziales Umfeld: Familie, Freunde. Eine Tätigkeit, die einem Spaß macht und auch ausfüllt. Es soll im Prinzip weiterhin interessante, spannende Anforderungen geben, und es soll eigentlich ohne größere Tiefschläge weitergehen.

Dr. hum.-biol. Bernd Ohnesorge
Abgesehen von dem beruflichen Glück, dass man eine Herausforderung hat, ist Glück, zusätzlich zur Familie, auch Gesundheit. Wir glauben deswegen, dass wir hierzu einen guten Beitrag leisten konnten.

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Lebenslauf

Dr. hum.-biol. Bernd Ohnesorge

19.6.1969
geboren in Erlangen
1988
Abitur
1988 – 1994
Studium der Elektrotechnik an der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg
1994 – 2000
Mitarbeiter im Bereich Forschung und Entwicklung des Geschäftsgebietes CT des Bereiches Siemens Medical Solutions, Forchheim
1994 – 1995
Team-Mitglied der Konzeptentwicklung zur Elektronenstrahl-CT in einem Joint-Venture der Firma Siemens und Imatron, San Francisco, USA
1998 – 2000
Projektleiter der Entwicklung und klinischen Erprobung der Herzdiagnostik CT-Technologie (HeartView CT) im Geschäftsgebiet CT des Bereiches Siemens Medical Solutions, Forchheim
seit 2000
Leiter des Marktsegmentes Präventiv-Diagnostik/Kardiologie im Geschäftsgebiet CT des Bereiches Siemens Medical Solutions, Forchheim und Mitglied des CT Management Boards
2002
Promotion

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Dr. rer. nat. Thomas Flohr

12.1.1960
geboren in Neustadt/Aisch
1979
Abitur
1979 – 1985
Studium der Physik an der Friedrich-Alexander Universität Erlangen-Nürnberg
1989
Promotion
1989 – 2002
Mitarbeiter im Bereich Forschung und Entwicklung des Geschäftsgebietes CT des Bereiches Siemens Medical Solutions, Forchheim
seit 1996
Verantwortlich für die Konzeptentwicklung der Multischicht CT-Technologie im Geschäftsgebiet CT des Bereiches Siemens Medical Solutions, Forchheim
seit 2000
Leiter CT Systemkonzepte des Geschäftsgebietes CT des Bereiches Siemens Medical Solutions, Forchheim

Ehrungen:

1998
Erfinder des Jahres der Siemens AG

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Dr. rer. nat. Richard Hausmann

28.8.1960
geboren in Poppenricht
1979
Abitur
1980 – 1985
Studium der Physik an der Universität Regensburg, Stipendium der Studienstiftung des deutschen Volkes
1985
Forschungsaufenthalt an der State University of Stony Brook, New York, USA
1985 – 1988
Promotionsstipendium der Studienstiftung des deutschen Volkes
1988
Promotion
1988 – 1993
Mitarbeiter im Bereich Entwicklung und Applikationsforschung des Geschäftsgebietes MR der Siemens AG, Forchheim
1993 – 1994
Marketing Manager für die Einführung des ersten offenen Kernspintomographen MAGNETOM Open
1994 – 1995
Leiter des Bereiches Applikationsentwicklung des Geschäftsgebietes MR der Siemens AG, Forchheim
1995 – 1997
Leiter des Bereiches Marketing des Geschäftsgebietes MR der Siemens AG, Erlangen
1997 – 2000
Leiter des Bereiches Marketing und Produktdefinition des Geschäftsgebietes CT des Bereiches Siemens Medical Solutions, Forchheim
seit 2000
Geschäftsgebietsleiter des Geschäftsgebietes CT des Bereiches Siemens Medical Solutions, Forchheim

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Kontakt

Projektsprecher

Dr. hum.-biol. Bernd Ohnesorge
Leiter CT Markt Segment Preventive
Care Siemens AG, Medical Solutions
Geschäftsgebiet CT Siemensstraße 1
91301 Forchheim
Tel.: +49 (0) 9191 / 18 81 97
Fax: +49 (0) 9191 / 18 83 40
E-Mail: bernd.ohnesorge@siemens.com

Pressekontakt

André Hartung Manager Preventive Care Siemens AG, Medical Solutions Med CTS C Siemensstraße 1 91301 Forchheim Tel.: +49 (0) 9191 / 18 88 15 Fax: +49 (0) 9191 / 18 99 98 E-Mail: andre.hartung@siemens.com