Streifen-Brennstoffzelle: Brennstoffzellen für die Energieerzeugung in kleinen portablen elektronischen Geräten

(v.l.n.r.) Dr. Roland Nolte, Dr. Angelika Heinzel

Dr. Angelika Heinzel (Sprecher)
Dr. Roland Nolte

Fraunhofer-Institut für Solare Energiesysteme ISE, Freiburg

Laptops und Camcorder benötigen viel Energie, die sie aus Akkus beziehen. Die aber sind rasch leer und müssen neu geladen werden.

Gibt es Alternativen, um tragbare elektronische Geräte längere Zeit mit Strom zu versorgen?

Die Alternative besteht in Brennstoffzellen. Angelika Heinzel und Roland Nolte entwarfen für diese Energiewandler eine besondere Bauform, die sie für den Einsatz in tragbaren Geräten tauglich macht. Angelika Heinzel leitet die Abteilung Chemische Energieverwandlung und Speicherung am Fraunhofer-Institut für Solare Energiesysteme in Freiburg, wo auch Roland Nolte tätig ist.

Saubere und effiziente Energie aus der Zelle

An Brennstoffzellen als elektrische Energiequelle für Autos, Kleinkraftwerke und portable Anwendungen wird seit etlichen Jahren geforscht. Denn sie gewinnen Strom durch eine sehr effiziente elektrochemische Umwandlung von Wasserstoff und Luftsauerstoff, bei der - neben Strom und Wärme - nur Wasser als Reaktionsprodukt erzeugt wird. Umweltschädlichen Emissionen entstehen nicht. Ein weiterer Pluspunkt ist der modulare Aufbau von Brennstoffzellen, durch den sie sich leicht auf eine fast beliebige Größen bringen lassen. Dazu kombiniert man mehrere Zellen miteinander.

Die übliche Bauweise einer Brennstoffzellen-Einheit ist ein Stapel, in dem die Einzelzellen hintereinander geschaltet sind. Dazwischen befinden sich bipolare Platten, die für den elektrischen Kontakt sorgen und die Reaktionsgase Wasserstoff und Sauerstoff über der gesamten Elektrodenfläche verteilen. Für hohe Leistungsdichten, wie man sie etwa in Elektroautos benötigt, ist dieser Aufbau optimal. Für die Nutzung in elektronischen Geräten ist er aber zu komplex. Deshalb haben die Freiburger Fraunhofer-Forscher dafür eine besser geeignete Konstruktionsvariante entwickelt: die Streifen-Brennstoffzelle.

Besonders flach und flexibel

Die Streifenzelle zeichnet sich durch eine besonders flache Bauart aus. Sie liefert die gleiche Spannung wie eine Brennstoffzelle in einem Stapel, doch es wird jede Zelleebene nur entweder mit Wasserstoff oder mit Luft versorgt. Das vereinfacht die Gasverteilung und ermöglicht eine hohe Flexibilität in der Gestalt. Der Rahmen der Zelle lässt sich einfache und aus einem elektrisch isolierenden Kunststoff fertigen. Das ist die Voraussetzung für eine künftige preisgünstige Massenproduktion - und einen möglichen Ersatz von Batterien und Akkus in Laptops und Camcordern durch Streifen-Brennstoffzellen.

Für einen Laptop haben die Forscher bereits ein erstes praxistaugliches Labormodell gebaut. Es hat eine Leistung von 25 Watt. Den benötigten Wasserstoff bezieht die Brennstoffzelle von einem Speicher aus Metallhydrid. Zelle und Speicher sind kaum größer als die Batterie für den Laptop. Allerdings: Während die Batterie nur zwei bis drei Stunden durchhält, reicht der Wasserstoff für etwa zehn Stunden Dauerbetrieb.

Das Vorschlagsrecht zum Deutschen Zukunftspreis obliegt den führenden deutschen Einrichtungen aus Wissenschaft und Wirtschaft sowie Stiftungen.

Das Projekt "Streifen-Brennstoffzelle - Brennstoffzellen für die Energieerzeugung in kleinen portablen elektronischen Geräten" wurde von der Fraunhofer-Gesellschaft vorgeschlagen.

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1999 Erklärfilm Team 3

Streifen-Brennstoffzelle: Brennstoffzellen für die Energieerzeugung in kleinen portablen elektronischen Geräten
Dr. Angelika Heinzel
Dr. Roland Nolte

Hintergrundmaterial

Fragen an die Nominierten Dr. Angelika Heinzel
Dr. Roland Nolte

Streifen-Brennstoffzelle

Die Konstruktion der Streifenmembran-Brennstoffzelle ist relativ komplex. Was hat der Laie sich darunter vorzustellen?

Dr. Roland Nolte
Die Streifenmembran-Brennstoffzelle ist eine sehr kompakte Variante der Brennstoffzelle, die speziell darauf abgestimmt ist, für einen kleinen Leistungsbereich ein kompaktes Stromversorgungsaggregat zur Verfügung zu stellen. Man kann sich die Bauweise relativ einfach vorstellen. Jeder kennt ein Dominospiel. Jeder einzelne Dominostein soll eine kleine Brennstoffzelle darstellen, die elektrische Energie liefert. Wenn viele dieser Dominosteine nun flach nebeneinander angeordnet werden, beschreiben wir symbolisch den Aufbau einer Streifenmembran-Brennstoffzelle. Viele kleine flache Einheiten sind nebeneinander aufgereiht und werden zur Spannungserzeugung genutzt, zusätzlich können die entstandenen Reihen übereinander angeordnet werden. Auf diese Art und Weise kommt man an eine einfache, aber kompakte Zellbauweise, die kleine Geräte, wie typischerweise Laptops oder Camcorder mit Energie versorgen können.

Würden Sie bitte das grundlegende Prinzip der Brennstoffzelle noch mal zusammenfassen, was passiert in einer Brennstoffzelle?

Dr. Roland Nolte
Eine Brennstoffzelle ist eine Art Batterie, der kontinuierlich chemische Energieträger zugeführt werden in Form von Gasen, Luft und Wasserstoff. Die Brennstoffzelle produziert aus diesen beiden Gasen auf einer dünnen Fläche Elektrizität, ein bißchen Wärme und Wasser. Wasser ist also das einzige Reaktionsprodukt, wir haben damit eine sehr umweltfreundliche Quelle elektrischer Energie.

Was war der ausschlaggebende Impuls für Ihre Entwicklung?

Dr. Angelika Heinzel
Es gibt verschiedene Impulse. Ein Impuls ist die Wasserstofftechnologie als Ersatz für fossile Energieträger, ein zweiter die Anwendung von Brennstoffzellen, z.B. in der Raumfahrt. Hier sind als Energieversorger Brennstoffzellen bei Apollo und Gemini-Missionen mitgeflogen. Die Raumfahrt war also die erste Anwendung für die Brennstoffzellen, sie wurden dafür überwiegend in den Vereinigten Staaten seit den 60er Jahren entwickelt. Die anderen Anwendungen haben sich eigentlich erst dadurch ergeben, dass auch neue Materialien zur Verfügung standen.

Wir kennen das Prinzip der Brennstoffzelle als Anwendung in der Autumobil-Branche. Was ist nun das besondere Ihrer Entwicklung?

Dr. Angelika Heinzel
Die Entwicklung von Brennstoffzellen oder der Einsatz von Brennstoffzellen im mobilen Bereich wurde ausgelöst durch die kalifornische Abgasgesetzgebung. Dadurch, dass emissionsfreie Autos in Kalifornien gewünscht wurden, haben die Automobilfirmen mit der Entwicklung der Brennstoffzellentechnologie in Konkurrenz zu Batterieantrieben begonnen. An Arbeiten zu dieser Entwicklung ist unser Institut auch schon seit vielen Jahren beteiligt. Uns ist klar, dass die mobile Anwendung eine besondere Herausforderung bezüglich der Kosten ist, weil die Brennstoffzelle in diesem Fall mit einer Verbrennungsmaschine, dem Otto-Motor konkurriert und der hat heute einen sehr niedrigen Preis. Als weitere Anwendung für solche dezentralen Energiewandler bieten sich außerdem stationäre und portable Systeme an.

Ihre Arbeit ist ein „Energieversorgungssystem“ für kleine portable Einheiten. Welche anderen Versorgungssysteme werden damit ersetzt, und welche sehr spezifischen Vorteile ergeben sich dadurch?

Dr. Angelika Heinzel
Ersetzen könnte man damit Batterien in bestimmten Anwendungen, immer dann, wenn eine besonders lange Betriebsdauer gefragt ist. Bei einem Laptop z.B., hat die Brennstoffzelle deutliche Vorteile gegenüber herkömmlichen wiederaufladbaren Batterien. Die derzeit besten Batterien können einen Laptop zwei, drei, vier Stunden betreiben, dann ist spätestens die Batterie leer. Mit einer Brennstoffzelle wäre man da weitaus flexibler.

Gibt es noch weitere Vorteile, z.B. den Umweltaspekt, denn im Grunde hat man nichts mehr zu entsorgen?

Dr. Angelika Heinzel
Wir rechnen für die Brennstoffzellen mit einer viel längeren Lebensdauer, weil man kontinuierlich Brennstoffe zuführt und daher bei der Brennstoffzelle keine Wiederaufladezyklen hat. Es sind kaum Substanzen, die weggeworfen werden müssen, selbst wenn die Brennstoffzelle irgendwann einen Defekt hätte, kann man alle Komponenten recht gut recyclen, das ist bei Batterien bisher nicht der Fall. Der Energiespeicher ist in unserem Fall ein Metallhydrid, das Wasserstoff mit hoher Energiedichte speichern kann und trotzdem - bei geeigneter Materialauswahl, den Wasserstoff bei einem niedrigen Druck abgeben kann. Dieses Material kann viele tausend Mal wieder mit Wasserstoff beladen werden. Außerdem ist das technisch die sicherste Möglichkeit insbesondere kleinere Wasserstoffmengen zu speichern. Die Sicherheit ist bei Consumer-Produkten eines der wichtigsten Themen. Die Frage ist also: Wird es erlaubt sein, Hydridspeicher den Verbrauchern in die Hand zu geben? Bei der Klärung dieser Frage hoffen wir auf die Unterstützung von der Industrie und den zuständigen Institutionen.

Ein wichtiger Aspekt der Nominierung zum Deutschen Zukunftspreis ist die Vermarktungsfähigkeit der Produkte. Wie sehen Sie hier die Chancen, in welchen Bereichen und in welchen Zeiträumen konkretisiert sich das?

Dr. Angelika Heinzel
Das ist eine sehr schwierige Frage, weil wir als Forschungsinstitut natürlich die technische Entwicklung gerne machen würden. Was wir dafür brauchen, sind interessierte Firmen, die das dann in ein Produkt umsetzen möchten. Die Geschwindigkeit der Umsetzung hängt natürlich davon ab, dass sich eine Firma findet, die Forschung und Entwicklung finanziert. Aber rein technisch gesehen, ist das für dieses Projekt in ein, zwei Jahren möglich.

Gibt es für Ihre Innovation bereits sehr konkrete Ansätze zu einer wirtschaftlichen Vermarktung und wo sehen Sie verstärkt Ansätze für eine Zusammenarbeit von Wissenschaft und Wirtschaft? Es ist bisher in Deutschland noch nicht sehr üblich, dass sich aus den Universitäten oder Instituten heraus Firmen bilden, dass Venture Capital für solche Gründungen zur Verfügung gestellt wird.

Dr. Angelika Heinzel
Venture Capital zu nützen ist eher die Aufgabe einer kleinen Firma, dann müssten wir aus der Fraunhofer-Gesellschaft heraus eine kleine Firma zur Vermarktung dieser Brennstoffzellen gründen. Wir haben das schon einmal überdacht, aber bisher noch nicht entschieden. Die Zusammenarbeit von Forschung und Wirtschaft ist in Deutschland vielleicht etwas langsamer oder schlechter als in den Vereinigten Staaten. Insbesondere für die Fraunhofer-Gesellschaft ist es ein wichtiges Ziel anwendungsnahe Forschung zu betreiben. Wir haben eine ganze Anzahl von Industriekontakten und Aufträgen. Diese neue Idee mit der portablen Brennstoffzelle hat sich bis jetzt noch nicht in einem solchen Auftrag niedergeschlagen, wobei das damalige Messeprojekt als erste Präsentation der Streifenbrennstoffzelle eine kleine Industriebeteiligung hatte, es war eine Kooperation mit den Firmen Siemens-Nixdorf, Aventis und GFE.

Gibt es für Sie und das Team im weitesten Sinn so etwas wie eine formulierbare Motivation - was hat Sie dazu gebracht, das zu tun, was Sie getan haben?

Dr. Angelika Heinzel
Neugier, aber auch wissenschaftlicher Spieltrieb.

Dr. Roland Nolte
Das war einfach ein völlig neues Feld. Es ist nicht so, dass man eine Sache verbessert, die es schon seit Jahren gibt, sondern das, was sich in diesem Projekt aufgetan hat, ist ein neuer Bereich, den man bearbeiten kann. Der Bereich Energieversorgung kleiner Geräte war bisher fest in der Hand der Batterien, da gab es keine Alternative. Diese Möglichkeit, die einen neuen Forschungsraum eröffnet, ist einer der wesentlichen Motivationsgründe für mich gewesen: Es macht einfach Spaß, wenn man einen bisher kaum beachteten Bereich erschließen kann.

Was verbindet Sie beide? Ist das nur Neugier und Spaß an der Entdeckung, ist das formulierbar? Oder gab es so etwas wie eine Initialzündung für die Innovation?

Dr. Angelika Heinzel
Die Wurzeln, der Auslöser, liegen in der Membranentwicklung. Man hat daran gedacht, dass man neue Membranen machen kann. Das ist eine Idee, die im Grunde auf der Polymerchemie basiert.

Dr. Roland Nolte
Man kann es auch allgemeiner fassen. Es war einfach die Suche nach Innovationen, was auch Aufgabe eines Fraunhofer-Institutes ist, also die Suche nach praktikablen Innovationen.

Ein ausschlaggebender Punkt war die Frage, welches Messeexponat für die Abteilung repräsentativ sein könnte. In dieser Diskussion wurde die Idee geboren, einen kleinen, funktionsfähigen Brennstoffzellen-Demonstrator in Form einer Streifenmembran-Brennstoffzelle aufzubauen. Das wäre etwas, was a) marktfähig ist, und was b) Interessenten begeistern könnte.

Dr. Angelika Heinzel
Das war aber schon die Umsetzung der Idee.

Dr. Roland Nolte
Richtig, die grundlegenden Sachen waren schon vorher entstanden, aber dies war die Geburt der Praxis. Ansonsten würde ich formulieren: Die stete Suche nach marktfähigen Innovationen.

Sie definieren die Suche nach Innovation als Aufgabe des Fraunhofer-Instituts. Wie definieren Sie Innovation, und wie definieren Sie diese jetzt spezifisch auf Ihre Arbeit, Ihre wissenschaftlichen Entwicklungen bezogen?

Dr. Angelika Heinzel
Als Innovation würde ich eine Idee bezeichnen, die als neues Produkt auch in der Gesellschaft umgesetzt wird. Das sind auch neue Materialien, oder wirklich neue Geräte, die möglichst viele Leute anwenden können und die einen Nutzen bringen.

Dr. Roland Nolte
Innovation ist ein schwieriges Wort, jeder benutzt es, und es ist nicht so einfach zu definieren. Was eine Innovation zum einen aus dem Tagesgeschäft heraushebt, ist, wenn man wirklich eine völlig neue grundlegende Sache hat, die es bisher auf wissenschaftlicher Ebene noch nicht gab. Es sollte eine völlig neue Idee oder eine völlig neue Grundlagen legende Theorie oder irgend etwas in der Richtung sein. Diese Sachen sind relativ selten geworden. Was ich als zweites sehen würde ist, wenn wir zwei bekannte Prinzipien derart kombinieren, dass wir einen völlig neuen Anwendungsfall erzeugen, an den bisher noch nicht gedacht worden ist. Auch das würde ich als Innovation bezeichnen.

Gibt es noch den einzelnen Wissenschaftler der da sitzt und vor sich hinbastelt?

Dr. Angelika Heinzel
Nein, die Themen sind heute viel komplexer, als das früher der Fall gewesen ist, als ein einzelner Mann auch noch eine Innovation erbringen konnte.

Dr. Roland Nolte
Das sehe ich auch so. Ich glaube, dass inzwischen für innovative Produkte oder Projekte, was immer man darunter verstehen möchte, so viele unterschiedliche Bereiche und auch Fähigkeiten gefordert sind, dass man in der Regel eine gute Teamarbeit benötigt, damit man so etwas zum Erfolg bringen kann.

Teamarbeit erfordert heute unabdingbar auch einen globalen Ansatz. Wie ist Ihre Verbindung, die Verbindung des Instituts zum Ausland oder zu Kollegen? Wie tauschen Sie sich aus? Ist dieser Austausch ausreichend, wird das in anderen Ländern stärker gewichtet?

Dr. Angelika Heinzel
Ganz wichtig für uns ist, dass wir an internationalen wissenschaftlichen Veranstaltungen teilnehmen können und uns dort informieren, aber auch unsere Arbeit präsentieren können, insbesondere natürlich in den Hochtechnologieländern USA und Japan. Dort ist die Brennstoffzellentechnologie ein großes Thema. Und ob jetzt wirklich, z.B. in den USA, alles viel besser ist, das weiß ich nicht so genau. Dort werden schneller kleine Firmen gegründet, so dass tragfähige Produkte vielleicht etwas schneller auf den Markt kommen, das ist sicher richtig.

Dr. Roland Nolte
Die Risikobereitschaft ist etwas größer. Wenn man eine Idee hat und man meint, das könnte was werden, ist die Zeitspanne, die man braucht, um sie umzusetzen, wesentlich kürzer als hier.

Gibt es Wünsche oder Forderungen, die Sie an die Politik, an den Gesetzgeber, an die Gesellschaft haben, um Projekte wie Ihres durchzusetzen. Welche Rahmenbedingungen wünschen Sie sich?

Dr. Angelika Heinzel
Die Rahmenbedingungen, die wir brauchen, sind - glaube ich - eine verlässliche Politik ohne Sprünge. Solarenergie und Brennstoffzellen sind Themen für die Zukunft, dann sollte die Politik über mehrere Jahre einigermaßen konstant bleiben. Wir haben als Institut den Auftrag, angewandte Forschung zu betreiben, so dass wir nicht nur rein öffentlich geförderte Projekte abwickeln. Aber Firmen können häufig große Entwicklungsrisiken nur auf sich nehmen, wenn sie in der öffentlichen Hand sind. Da sind einfach verlässliche Rahmenbedingungen wichtig. Solarenergie ist grundsätzlich akzeptiert und auch bei der Bevölkerung als Thema positiv belegt. Trotzdem gibt es immer wieder wechselnde Rahmenbedingungen in der Förderpolitik, die wir deutlich zu spüren bekommen.

Wie setzt sich denn das Team zusammen, das an diesem Projekt gearbeitet hat und arbeitet? Hier interessiert uns die Rolle von Herrn Dr. Ledjeff. (Dr. Ledjeff ist ebenfalls nominiert, aber kürzlich verstorben. Der Verf.)

Dr. Roland Nolte
Dr. Ledjeff war derjenige, der hier am Fraunhofer-Institut die Brennstoffzellentechnologie etabliert hat. Er war auch derjenige, der die Grundsteine für die Idee gelegt hat, kleine portable Systeme, abweichend von bisherigen Bauweisen, aufzubauen. Er ist der eigentliche Begründer dieses Technologiezweiges.

Was wir gemacht haben, ist, diese Grundidee soweit zu entwickeln, dass wir einen Prototypen für ein potentiell marktfähiges Produkt auf dieser Basis entwickeln können. Die Tätigkeiten, die in einem Fraunhofer-Institut generell stattfinden, siedeln sich zwischen der Grundlagenforschung und zwischen der tatsächlichen Produktion an, also typische angewandte Forschung. Das ist eine sehr interessante Aufgabe, da sie alle Aspekte von den Grundlagen bis zur Produktion beleuchtet.

Wie setzt sich das Team zusammen, wie viele Leute waren beteiligt, was waren die beruflichen Qualifikationen der Beteiligten?

Dr. Angelika Heinzel
Fangen wir mit Herrn Dr. Ledjeff an, der hier Abteilungsleiter gewesen ist. Er war promovierter Physiker, der nachher einen Ruf an die Universität Duisburg bekommen hat. Herr Dr. Nolte, ein ehemaliger Gruppenleiter hier in der Abteilung, und ich, wir sind promovierte Chemiker, allerdings aus verschiedenen Bereichen: Dr. Nolte ist Polymerchemiker und ich bin aus dem Bereich Elektrochemie, also physikalische Chemie. Herr Zedda hat seine Diplomarbeit zu diesem Thema geschrieben und hat sehr engagiert diese kleinen Zellen realisiert und getestet.

Wir freuen uns natürlich, dass wir erstmals eine Frau unter den Nominierten haben. Wie ist das Verhältnis der Geschlechter heute in der Wissenschaft? Es gibt diese schönen Vorurteile, Frauen müssen immer besser sein, damit sie die gleichen Chancen haben... Es stellt sich die Frage, ist unser Bildungssystem heute so, dass Frauen sich nicht in diese technischwissenschaftliche Bereiche hineintrauen, weil es ihnen nicht schmackhaft gemacht wird? Wissenschaft ist, wie wir hier erfahren, spannend. Warum gehen so wenig Frauen in diese Berufe und warum landen so wenig Frauen in Führungspositionen in diesem Beruf?

Dr. Angelika Heinzel
Für die Chemie ist das vom Studium her noch nicht mal einzusehen, weil wir - wenn ich mich recht entsinne - ungefähr genauso viele Frauen wie Männer im Studium waren. Es ist ganz deutlich so, dass schon während des Studiums mehr Frauen aufhören, dass nachher bei der Promotion schon wesentlich weniger Frauen mit dabei sind und dass dann im Beruf, der ja relativ schlecht mit der Familie zu vereinbaren ist, nocheinmal viele Frauen auf der Strecke bleiben. Letztendlich sind deshalb in führenden Positionen in der Industrie oder in Forschungsinstituten relativ wenig Frauen anzutreffen.

Wie sieht das hier im Institut aus?

Dr. Angelika Heinzel
Wir gehören zu einem der wenigen Institute, die eine Abteilungsleiterin haben, es sind in der Fraunhofer-Gesellschaft sehr sehr wenige.

In anderen Berufen gibt es auch die Fluktuation durch Familie. Warum gehen nur wenige Frauen ihren Weg in der Wissenschaft, versuchen Frauen das immer nur in Bereichen, die allgemeinverständlich sind?

Dr. Angelika Heinzel
Darauf habe ich ehrlich gesagt keine Antwort. Ich glaube sicher, dass auch Frauen das können und dass sie auch zunehmend technische Berufe ergreifen, einfach dadurch, dass Mädchen inzwischen mehr mit Technik konfrontiert werden in ihrer Erziehung, was vielleicht früher nicht so der Fall gewesen ist. Wir bemerken - zumindest hier in unserem Institut - einen deutlichen Anstieg von Frauen in Fachhochschulberufen. Wir haben ziemlich viele Absolventinnen von Fachhochschulen, die ihre Diplomarbeit anfertigen. Mit einem Wort: Es tut sich was. An den technischen Universitäten allerdings studieren immer noch sehr wenige Frauen.

Kann die Ursache darin liegen, dass nicht vermittelt wird, wie interessant auch Ihr Arbeitsfeld ist?

Dr. Angelika Heinzel
Ich glaube, man kann schon vermitteln, dass Wissenschaft und Technik spannend und interessant sind. Es gibt ja auch viele Frauen, die sich für technische Produkte sehr intensiv interessieren, daran liegt es glaube ich nicht. Ich glaube, das sind tatsächlich gesellschaftliche und familiäre Hürden.

Der Preis des Bundespräsidenten hat die Zielsetzung der Öffentlichkeit die Bandbreite wissenschaftlicher Leistungen in Deutschland bewusst zu machen. Der Bundespräsident fordert einen intensiven Dialog zwischen Wissenschaft und Öffentlichkeit. Wie halten Sie es denn mit diesem Dialog?

Dr. Angelika Heinzel
Ich denke, wir haben hier in den letzten Jahren einen recht guten Dialog mit der Öffentlichkeit geführt. Wir haben relativ viel Kontakte zur Presse gehabt, wir sind auf Messen präsent, versuchen also nach außen zu gehen. Wenn Ihnen das eine inhaltliche Ergänzung ist: Wir gehören zu den wenigen Instituten, die schon relativ lange Zeit eine eigene Stabsstelle für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit haben. Entsprechend ist dann eben auch Kontakt zur Öffentlichkeit. Unser Thema, die Solarenergie, ist natürlich auch so populär, dass das Interesse der Bürger einfach da ist und das ist für uns auch von ganz besonderer Wichtigkeit. Die Solarenergie (gemeint ist Photovoltaik) ist heute noch viel zu teuer, Solarstrom ist noch nicht wirtschaftlich. Wenn man also Solarenergie in die Gesellschaft einbringen will, dann braucht man die Unterstützung, Interesse und das Wohlwollen der Menschen, der Gesellschaft.

Dr. Roland Nolte
Das ist auch Arbeit im politischen Bereich.

Dr. Angelika Heinzel
Das ist besonders wichtig für uns.

Was gibt es über Sie persönlich zu sagen? Würden Sie sich, wenn Sie Ihren Berufsweg noch mal beginnen würden, wieder für das entscheiden, was Sie heute tun?

Dr. Angelika Heinzel
Ich glaube, ich würde mich wieder ähnlich entscheiden, vielleicht inzwischen nicht mehr ganz genauso. Ich würde vielleicht eher ein Ingenieursstudium vorziehen, als die reinen Naturwissenschaften, aber das war damals, als ich angefangen habe zu studieren noch äußerst unüblich. Aber „Technik“ wäre es auf alle Fälle wieder.

Dr. Roland Nolte
Ich bin auch jemand, der sich für Technik oder Wissenschaft begeistern kann, auf allen Bereichen, es muss nicht unbedingt Chemie sein. Es könnte durchaus auch etwas anderes sein, wenn ich das nochmals entscheiden dürfte, vielleicht Elektrotechnik. Aber ich würde sicherlich wieder in einen der technischen Bereiche gehen, weil es einfach Spaß macht.

Was machen Sie, wenn Sie sich ein bißchen entspannen wollen?

Dr. Angelika Heinzel
Alternativprogramm: Bewegung an frischer Luft.

Dr. Roland Nolte
Schwimmen gehen, spazieren gehen, Fahrrad fahren.

Was wünschen Sie sich denn für die Zukunft?

Dr. Angelika Heinzel
Für mich persönlich wünsche ich mir erstmal einfach Gesundheit, das ist schlichtweg das wichtigste was man braucht. Für die Arbeit würde ich mir wünschen, dass wir einen industriellen Partner für die Umsetzung unserer Ideen finden.

Dr. Roland Nolte
Dem kann ich mich kommentarlos anschließen.

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Lebenslauf

Dr. Angelika Heinzel

23.04.1955
geboren in Delmenhorst
1962 – 1974
Schule, Abitur in Delmenhorst
1974 – 1978
Studium der Chemie an der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster
1978 – 1981
Studium der Chemie an der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel
1980
Diplom
1981 – 1985
Promotionsstudiengang an der Carl von Ossietzky Universität Oldenburg
1985
Promotion
1980 – 1981
Wissenschaftliche Angestellte an der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel
1981 – 1985
Wissenschaftliche Angestellte an der Carl von Ossietzky Universität Oldenburg
seit 1985
Wissenschaftliche Angestellte am Fraunhofer-Institut für Solare Energiesysteme ISE, Abteilung „Chemische Energieverwandlung und Speicherung“, Freiburg
seit 1990
Gruppenleiterin Elektrochemie/Brennstoffzellenentwicklung am Fraunhofer-Institut für Solare Energiesysteme ISE, Freiburg
seit 1997
Leitung der Abteilung am Fraunhofer-Institut für Solare Energiesysteme ISE, Freiburg

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Dr. Roland Nolte

24.04.1959
geboren in Braunschweig
1978
Schule in Braunschweig, Gymnasium „Martino Katharineum“
1986
Studium der Chemie an der Universität Bayreuth und der Technischen Braunschweig
1989
Promotion an der Technischen Universität München
1998
Adam Opel AG, Global Alternative Propulsion Center

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Kontakt

Projektsprecherin:

Dr. Angelika Heinzel
Fraunhofer-Institut für Solare Energiesysteme
Oltmannstraße 5
79100 Freiburg
Tel.: +49 (0) 761 / 45 88 194
Fax: +49 (0) 761 / 45 88 320
E-Mail: Heinzel@ise.fhg.de

Pressekontakt:

Karin Schneider M.A.
Fraunhofer-Institut für Solare Energiesysteme
Oltmannstraße 5
79100 Freiburg
Tel.: +49 (0) 761 / 45 88 147
Fax: +49 (0) 761 / 45 88 342
E-Mail: kschneid@ise.fhg.de