Laseroptische Diagnose und Therapie: Perfektes Sehen für jedermann

Prof. Dr. Josef F. Bille

Prof. Dr. Josef F. Bille
Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg,
Institut für Angewandte Physik, Heidelberg

Millionen von Menschen in Deutschland sehen schlecht.

Gibt es eine technische Möglichkeit, Sehfehler individuell abgestimmt zu korrigieren?

Josef F. Bille hat ein neues Verfahren entwickelt, mit dem sich der Brechwert des menschlichen Auges viel präziser als bisher vermessen und korrigieren lässt. Josef F. Bille ist Ordinarius am Institut für Angewandte Physik an der Fakultät für Physik und Astronomie der Ruprecht-Karls-Universität in Heidelberg.

Kurze Laserblitze als Werkzeug

Grundlage der neuen Technologie ist ein adaptiv-optisches Messverfahren, das hochpräzise und automatisch die Refraktion des Auges bestimmt. Damit können Fehlsichtigkeiten in sehr viel höherer Ordnung erfasst werden als mit herkömmlichen Methoden. Eine ebenfalls von den Heidelberger Forschern entwickelte innovative Lasertechnik auf der Basis von Ultrakurzpulslasern - Lichtquellen, die sehr kurze und extrem intensive Blitze aussenden - ermöglicht eine dauerhafte Korrektur der Abbildungsfehler des menschlichen Auges. Auch diese Anwendung, die refraktive Laserchirurgie, haben in den vergangenen Jahren Bille und sein Team demonstriert.

Um die für eine sichere Anwendung des Verfahrens notwendige hohe räumliche Auflösung und präzise Fokussierung des Laserstrahls zu erreichen, müssen Verzerrungen des Lichtwellen, die beim Durchgang des Laserlichts durch die Spülflüssigkeit im Auge entstehen und die das Auflösungsvermögen begrenzen, korrigiert werden. Dafür entwickelten die Heidelberger Physiker zusammen mit der ebenfalls in Heidelberg ansässigen MRC Systems Medizintechnik GmbH eine geeignete minimalinvasive Operationstechnik.

Intelligentes Laserskalpell für die Hirnchirurgie

Sie lässt sich als intelligentes Mikro-Laserskalpell bei vielerlei chirurgischen Eingriffen verwenden. Zum Beispiel in der Neurochirurgie: Dort kann die Technik mit Ultrakurzpulslasern zum Entfernen von bisher inoperablen Hirntumoren dienen. Derzeit entwickeln die Forscher eine feinere Lasersonde, die dem Laserskalpell auch den Zugang zu anderen Eingriffen in der funktionellen stereotaktischen Neurochirurgie eröffnen soll. Hauptanwendung wird die Behandlung des Parkinson-Syndroms sein. Der Vorteil des neuartigen Operationsverfahrens: Es muss nur wenig Gewebe zerstört oder entfernt werden.

Für die neu entwickelte Technologie zur Vermessung und Korrektur der Refraktion des menschlichen Auges, der „SuperVision“, hat die Universität Heidelberg mehrere Patente angemeldet. Zur Vermarktung der technischen Grundlagen wurde zu Beginn des Jahres die Firma 20/10 Perfect Vision GmbH gegründet.