MP3-Komprimierung von Audiosignalen in Hifi-Qualität für Internet und Rundfunk: Kompression von Musiksignalen

(f.l.t.r.) Dr.-Ing. Bernhard Grill, Prof. Dr.-Ing. Karlheinz Brandenburg, Dipl.-Ing. Harald Popp

Prof. Dr.-Ing. Karlheinz Brandenburg (Spokesperson)
Dr.-Ing. Bernhard Grill
Dipl.-Ing. Harald Popp

Fraunhofer-Arbeitsgruppe Elektronische Medientechnologie des IIS-A, Ilmenau
Fraunhofer-Institut für Integrierte Schaltungen IIS-A, Erlangen

Um Musik übers Internet zu verbreiten, muss man sie in digitale Dateien packen. Doch die brauchen viel Speicherplatz.

Kann man die Musikstücke so komprimieren, dass sie dabei nicht an Qualität einbüßen?

Karlheinz Brandenburg, Bernhard Grill und Harald Popp haben gezeigt, dass das möglich ist - und mit dem von ihnen entwickelten MP3-Verfahren eine Revolution in der Musikwelt losgetreten. Karlheinz Brandenburg leitet die Ilmenauer Arbeitsgruppe Elektronische Medientechnologie des Fraunhofer-Instituts für Integrierte Schaltungen (IIS-A) und ist Vertretungsprofessor für Elektronische Medientechnik an der TU Ilmenau. Bernhard Grill ist Leiter der Abteilung Audio/Multimedia am Erlanger IIS-A, Harald Popp arbeitet dort an der Entwicklung digitaler Schaltungen und leitet die Studio-Abteilung.

Schrumpfen ohne Qualitätsverlust

MP3 hat sich als Kürzel für MPEG Audio Layer-3 eingebürgert - einen internationalen Standard zur Kompression von digitalen Audiosignalen. Er ermöglicht es, Musiksignale auf acht Prozent der Datenmenge zu reduzieren - und das fast ohne hörbaren Unterschied zum Original. Damit lässt sich auf einem Computer zwölf Mal so viel Musik speichern, Musik aus dem Internet lässt sich zwölf Mal so schnell herunter laden, und über den digitalen Rundfunk können zwölf Mal so viele Programme auf Sendung gehen.

Nachdem zuvor vor allem am Lehrstuhl für Technische Elektronik der Universität Erlangen-Nürnberg die Grundlagen für die MP3-Technologie erarbeitet worden waren, trieben die Fraunhofer-Forscher aus Erlangen und Ilmenau die Standardisierung des Verfahrens voran. Sie entwickelten technische Lösungen, mit denen sich MP3 etwa auf dem PC sehr einfach anwenden lässt. Die konsequente Nutzung des Internets als Marketinginstrument machte den neuen Standard für Musik bekannt und sorgte für seine weite Verbreitung.

Der Musikmarkt wird aufgemischt

ie Entwicklung von MP3 hat dazu geführt, dass sich in der Musikindustrie der Paradigmenwechsel beschleunigt hat: weg von Schallplatte, CD und DVD und hin zu Musik als Kulturgut, das nicht an greifbare Medien gebunden ist. Die Art und Weise, wie Musik verbreitet und konsumiert wird, verändert sich durch die MP3-Technologie radikal. Die Musikbranche hat darauf reagiert und 1999 eine Initiative gegründet, in der rund 120 internationale Unternehmen die Anforderungen an den Musikvertrieb der Zukunft beraten und gestalten.

Inzwischen ist MP3 zum Symbol einer aufstrebenden neuen Industrie geworden. Ein riesiger Markt ist entstanden, auf dem auch deutsche Unternehmen kräftig mitmischen.