Blick ins Herz - ohne Katheter Technisches Prinzip

(f.l.t.r.) Dr. rer. nat. Richard Hausmann, Dr. rer. nat. Thomas Flohr, Dr. hum.-biol. Bernd Ohnesorge

Dr. hum.-biol. Bernd Ohnesorge (Spokesperson)
Dr. rer. nat. Thomas Flohr
Dr. rer. nat. Richard Hausmann

Siemens Medical Solutions, Forchheim

Herzinfarkt ist eine der häufigsten Todesursachen. Mit einem Katheter lassen sich die Risikofaktoren oft früh erkennen - doch die Untersuchung ist teuer und riskant.

Geht es einfacher und für den Patienten schonender?

Bernd Ohnesorge, Thomas Flohr und Richard Hausmann entwickelten eine Methode, die eine dreidimensionale Untersuchung des Herzens und der Herzkranzgefäße mit einem neuartigen Computertomographie-System (CT) erlaubt - auf den Einsatz eines Katheters kann verzichtet werden. Bernd Ohnesorge ist Leiter des Marktsegments Präventiv-Diagnostik/Kardiologie im Geschäftsgebiet CT bei Siemens Medical Solutions in Forchheim. Thomas Flohr verantwortet die Konzeptentwicklung der Multischicht CT-Technologie und leitet den Bereich CT Systemkonzepte, Richard Hausmann ist Geschäftsgebietsleiter des Geschäftsgebietes CT.

Ein Katheter ist für die Gefäßwand blind

Der Herzinfarkt durch eine koronare Herzkrankheit ist eine der Haupttodesursachen in Industrieländern. Auslöser sind oft Ablagerungen in den Herzkranzgefäßen, die aufreißen können und dann zu Verschlüssen und zur Unterbrechung des Blutflusses führen. Zum Nachweis von Engstellen in den Herzkranzgefäßen nutzen die Ärzte bisher meist einen Herzkatheter. Mit ihm lässt sich jedoch nur der Gefäßinnenraum mit möglichen Engstellen beurteilen, nicht aber die Gefäßwand mit eventuell vorhandenen Ablagerungen. Und: Bei jedem hundertsten Patienten führt der Eingriff zu Komplikationen: Herzinfarkt, Schlaganfall - oder Tod.

Bei der Herzuntersuchung per Computertomographie hingegen können Engstellen und Ablagerungen in den Herzkranzgefäßen in einem frühen Stadium ohne Einsatz eines Katheters dargestellt werden - ohne die Gefahr von Komplikationen.

Das Bild wird eingefroren

Ein CT besteht aus einem schnell rotierenden Ring auf dem gegenüberliegend Röntgenröhre und -detektor angebracht sind. Die Röhre emittiert Röntgenstrahlung, von der nur eine bestimmte Strahlungsmenge am Detektor ankommt. Aus der Schwächung der Strahlen werden Schnittbilder des Körpers berechnet. Mit der neuen CT-Technik, der Multischicht Spiral CT, wird der Patient kontinuierlich durch den Ring bewegt, wobei das System bis zu 16 Schnittbilder pro Umdrehung aufnimmt. Die Forscher haben neuartige Techniken zur Bildaufnahme und -berechnung entwickelt, mit denen sich 3D-Bilder mit sehr hoher Auflösung und so kurzer Belichtungszeit erzeugen lassen, dass die Bewegung des schlagenden Herzens auf den Bildern eingefroren werden kann. Selbst kleinste Veränderungen im Herzen und in den Gefäßen sind so erkennbar.

Die Kosten einer Untersuchung mit dem CT liegen deutlich unter denen eines Katheters. Sie erfolgen - anders als mit einem Katheter - meist ambulant, und eine Überwachung des Patienten danach ist nicht erforderlich.