Präventives PKW-Insassenschutzsystem

(f.l.t.r.) Dipl.-Ing. Karl-Heinz Baumann, Dr.-Ing. Rodolfo Schöneburg, Prof. Dr.-Ing. Thomas Breitling

Dr.-Ing. Rodolfo Schöneburg (Spokesperson)
Dipl.-Ing. Karl-Heinz Baumann
Prof. Dr.-Ing. Thomas Breitling

DaimlerChrysler AG, Stuttgart

Viele Unfälle kann der Fahrer nicht vermeiden. Wenn's zu spät ist, soll das Auto dafür sorgen, dass die Insassen so wenig wie möglich verletzt werden.

Wie aber kann das Fahrzeug wissen, dass es krachen wird - und welche Schutzvorkehrungen sind dann noch möglich?

Diesen Fragen gingen Rodolfo Schöneburg, Karl-Heinz Baumann und Thomas Breitling auf den Grund. Das Resultat ist ein innovatives System, das erstmals Aktive und Passive Sicherheit im Auto verbindet. Rodolfo Schöneburg leitet das Center Sicherheit/Fahrzeugfunktionen innerhalb der Pkw-Entwicklung MCG/D der DaimlerChrysler AG in Sindelfingen, Karl-Heinz Baumann ist Senior Manager und Leiter der Fachfunktion Konzepte Passive Sicherheit in der Mercedes Car Group/Development, Thomas Breitling leitet das Entwicklungscenter Aktive Sicherheit, Kühlung, Aerodynamik in der PKW-Entwicklung des Automobilkonzerns.

Wertvolle Zeit verstrich bisher ungenutzt

Moderne Fahrzeuge bieten reichlich Schutz für die Insassen: stabile Fahrgastzellen, Knautschzonen und Rückhaltesysteme wie Gurtsystem oder Airbags. Diese passiven Schutzsysteme reagieren allerdings erst, wenn der Unfall passiert. Die Zeit zwischen der fahrkritischen Situation, die zu dem Unfall führt, und dem Crash verstrich bisher ungenutzt.

Anders das präventive Pkw-Insassenschutzsystem PRE-SAFE, das die nominierten Forscher und ihre Teams entwickelt haben und das Mechanismen aus der Natur adaptiert: Bei Tieren und Menschen werden in Gefahrensituationen instinktive Schutzmechanismen ausgelöst. Analog erkennt ein mit dem neuartigen System ausgerüstetes Fahrzeug kritische Situationen und löst reflexartig Schutzmaßnahmen aus: Die Gurte werden gestrafft, die Sitze konditioniert und das Schiebedach wird geschlossen. Alle Maßnahmen sind reversibel, wenn es nicht zu einem Unfall kommt.

Die Technik erkennt nun kritische Situationen

Mit PRE-SAFE haben die Forscher ein System geschaffen, das Unfallvermeidung und Unfallfolgenminimierung ermöglicht. Die Unfallforschung zeigt, dass bei zwei Dritteln aller Unfälle eine fahrkritische Situation vorausgeht. PRE-SAFE erkennt diese und setzt dann sofort Mechanismen zur Vorsorge für einen Crash in Gang. Damit bleibt mehr Zeit für Schutzvorkehrungen, die sanfter und an die Situation angepasst aktiviert werden können. Das mindert insbesondere bei Unfällen niedriger bis mittlerer Schwere das Verletzungsrisiko für Fahrer und Mitfahrer erheblich.

Um die potenziellen Unfallgefahren zu erkennen, baut PRE-SAFE auf einen mathematischen Algorithmus; für die Schutzmaßnahmen nutzt das System Aktoren wie einen elektrisch angetriebenen Gurtstraffer und Verstellmotoren für Sitz und Schiebedach. Neu sind die Systemintegration und die Umsetzung in die Serienreife. Künftig soll das System Gefahrensituationen noch genauer analysieren können und um weitere Schutzmechanismen ergänzt werden.