Der Projektverantwortliche Stefan Hell hat als Erster – und unerwartet – einen Weg gefunden, die Abbesche Grenze im Fluoreszenzmikroskop, dem wichtigsten Mikroskop der biomedizinischen Forschung, zu überwinden. STED steht für stimulated emission depletion, was den verwendeten physikalischen Effekt bezeichnet. Mithilfe der STED-Mikroskopie können heute Proteinverteilungen bis zu zehnmal schärfer als bisher dargestellt werden. Dies führte zu wichtigen Erkenntnissen. So konnte die STED-Mikroskopie einzelne Bläschen mit Nervenbotenstoffen (synaptische Vesikel) auflösen und eine grundlegende Frage der Neurobiologie lösen.
Abbes Beugungsgrenze behindert aber nicht nur den Einblick in biologische Details, sondern auch die optische Herstellung kleinster elektronischer Schaltkreise. Auch hier fordert sein Gesetz die Verwendung immer kürzerer Wellenlängen – in Zukunft sogar von Röntgenlicht. Weil Röntgenlicht aber sehr schwierig zu bündeln ist, hat diese Forderung weltweit milliardenschwere Anstrengungen ausgelöst. Doch mit geeigneten schaltbaren Molekülen lässt sich Hells Prinzip umkehren und zum beugungs-unbegrenzten Herstellen von Nanostrukturen verwenden. Obwohl das Verfahren wahrscheinlich nicht für Massenspeicher geeignet wäre, könnte man prinzipiell beliebig kleine Strukturen anfertigen, und zwar mit sichtbarem Licht und Objektiven aus Glas. Dies war bis vor kurzem noch undenkbar. Es ist daher nicht überraschend, dass das vorliegende Projekt im Jahre 2004 in einem EU-Ideenwettbewerb der Grundlagenforschung unter mehr als 250 Projekten die höchste Priorität erhielt.
Die STED-Mikroskopie wurde vom Erfinder patentiert und an ein traditionsreiches Optikunternehmen in Deutschland, Leica Microsystems GmbH, lizenziert. Leica entwickelt die STED-Mikroskopie zum marktfähigen Gerät und hat die Markteinführung für 2007 angekündigt. Weiterentwicklung und Produktion erfolgen am Standort der Firma in Mannheim. Die Max-Planck-Gesellschaft hat drei weitere Grundlagenpatente Hells (Mikroskopie und Lithographie) angemeldet und verhandelt über ihre Verwertung. Doch die optische Erschließung der Nanoskala bietet einen viel breiteren Mehrwert als die Schaffung von Hochtechnologie-Arbeitsplätzen: Sie eröffnet neue Bereiche für die Grundlagenforschung, sie kann die Informationstechnologie weitertragen, und sie verspricht die Aufklärung pathogener Mechanismen.
In der Abteilung NanoBiophotonik (Leiter: Prof. Dr. Hell) arbeiten Physiker, Chemiker, Biologen und Ingenieure daran, die Nanoskala der Zelle zu erschließen. Das Hauptziel ist die Entwicklung einer optischen Mikroskopie, die es ermöglicht, das komplizierte Regelwerk der Proteine im Innern der Zelle zu erfassen. Auf diese Weise soll Biologen und Medizinern ein auf neuen physikalischen Ansätzen beruhendes Instrument zur Verfügung gestellt werden, mit dem sie die Lebensvorgänge in der Zelle besser verstehen können, um so den molekularen Ursachen von Krankheiten auf die Spur zu kommen.
Das Vorschlagsrecht zum Deutschen Zukunftspreis obliegt den führenden deutschen Einrichtungen aus Wissenschaft und Wirtschaft sowie Stiftungen.
Das Projekt „Lichtmikroskopie in ungekannter Schärfe“ wurde von der Max-Planck-Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaften e.V. vorgeschlagen.